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Flavia Röhrs (27) nimmt für Deutschland am Jugendgipfel der G 20 teil

Sie gibt den Mächtigen Tipps

Engern/Istanbul. Vor vier Jahren hat Flavia Röhrs aus Engern den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff und dessen polnischen Kollegen interviewt. Damals wurde das 20-jährige Bestehen des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes gefeiert. Als Vertreterin der Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa nahm die damals 23-Jährige an der Feier teil (wir berichteten). Jetzt gibt sie den G 20, den 20 bedeutendsten Industrie- und Schwellenländern, Tipps. Von knapp 100 Bewerbern ist sie von dem Verein „Policy Innovation“ zu der fünfköpfigen Delegation ausgewählt worden, die vom 15. bis zum 21. August auf dem G 20-Jugendgipfel in Istanbul Deutschland vertreten wird.

veröffentlicht am 06.08.2015 um 10:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:41 Uhr

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Gemeinsam mit über 120 Teilnehmern aus den Ländern der G 20 wird sich Flavia Röhrs in der Türkei mit verschiedenen politischen Herausforderungen befassen, vor denen die Industrie- und Schwellenländer stehen: In diesem Jahr sind das Jugendarbeitslosigkeit, Bildung und Frieden.

Anders als bei den Simulationsspielen der Vereinten Nationen, an denen Flavia Röhrs auch schon teilgenommen hat, sollen hier konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Denn wenn im November die G 20 in der türkischen Hauptstadt Ankara zusammenkommen, wird der deutsche Delegationsleiter Oliver Rieche (26) den Staats- und Regierungschefs die Ergebnisse von Flavia Röhrs & Co. präsentieren.

Die Politikwissenschaftlerin – gerade hat sie ihren Master of European Studies gemacht – setzt sich dafür mit einem Problem auseinander, das nicht nur in Deutschland brandaktuell ist, sondern auch für den türkischen Gastgeber: Flüchtlingspolitik. Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges hat die Türkei mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen. Dem gegenüber stehen gerade mal 200 000 syrische Flüchtlinge, die von der EU aufgenommen worden sind, rechnet Flavia Röhrs vor. Klar, dass die Türkei vor diesem Hintergrund mit Unverständnis auf die ungleich reicheren europäischen Nachbarn blicke.

Zwar nehme Deutschland weit mehr Flüchtlinge auf als etwa Großbritannien oder Frankreich, führt Röhrs aus. Ganz Frankreich habe gerade mal so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Nordrhein-Westfalen. „Andererseits ist Deutschland nun mal auch eines der reichsten Länder in Europa und hat damit eine besondere Verantwortung“, sagt sie im Gespräch in unserer Redaktion.

Mindestens drei Stunden am Tag befindet sich die 27-Jährige in Skype-Konferenzen oder in einem eigens eingerichteten Forum und tauscht sich mit ihrer Delegation und den anderen Teilnehmern aus den G 20-Ländern aus. „Das ist spannend, wie sonst könnte ich mich so fundiert mit einem Indonesier über Flüchtlingspolitik austauschen“, sagt Röhrs. Interessant findet sie auch, wie unterschiedlich die einzelnen Delegationen auftreten. Während etwa die russische Delegation die europäische Flüchtlingspolitik infrage stellte, reagiere die EU-Delegation besonders empfindlich auf EU-kritische-Beiträge.

Zu welchen Ergebnissen der Jugendgipfel auch führen mag und was auch immer die G 20-Länder davon am Ende umsetzen werden, für Flavia Röhrs steht eines fest: „Flüchtlingspolitik kann nur durch Integration funktionieren“, sagt sie. Und das müssen gar nicht bloß Hilfen bei Behördengängen sein. Vielmehr gehe es darum, einander kennenzulernen.

Gleichzeitig müssten die Ängste der Bürger ernstgenommen werden. Hier seien die Verwaltungen aufgefordert, Anwohner frühzeitig über die Unterbringung von Flüchtlingen zu informieren. Darüber hinaus hält Röhrs es für unablässig, sowohl die Familienzusammenführung als auch die legale Einwanderung zu vereinfachen. Tue man dies nicht, spiele man etwa Schlepperbanden zu.

Flavia Röhrs Interesse an Politik wurde übrigens an der Rintelner Sommeruni geweckt. Eigentlich hatte sie sich für Journalistik und Germanistik interessiert, als ihr jemand von dem Studiengang Europa-Studien erzählte. Auf anschließenden Reisen kam sie zu dem Schluss, dass dies das richtige für sie ist.

Sie schrieb sich in Chemnitz für den Bachelor-Studiengang ein, verbrachte zwischenzeitlich ein Jahr in Polen und begann letztes Jahr schließlich im französischen Nizza mit ihrem Master-Abschluss in „Internationalen Beziehungen“. Es folgten jeweils dreimonatige Studienaufenthalte in Istanbul und Berlin, wo sie derzeit lebt.

Zog es sie vor vier Jahren noch nach Osteuropa, reizt sie inzwischen der arabische Raum. Inwieweit sich das beruflich in die Tat umsetzen lässt, wird sich zeigen. Jetzt ist sie erst mal noch mit dem Jugendgipfel der G 20 beschäftigt.pk



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