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Familienvater muss sechs Jahre ins Gefängnis / Er hat sich viele Male an seiner kleinen Tochter vergangen

Sexualverbrecher verurteilt

Weserbergland. Dem 40-jährigen Erwin S. (Name geändert) bleibt die Sicherungsverwahrung erspart; er wird auch nicht für unbestimmte Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht – der Familienvater muss ins Gefängnis, weil ihn ein Gutachter für voll schuldfähig hält. Sechs Jahre Haft für 14 Sexualstraftaten, das ist nicht gerade viel. Schwerer sexueller Missbrauch ist ein Verbrechenstatbestand; eine solche Tat wird mit mindestens zwei Jahren Gefängnis bestraft. Das, was Erwin S. vor Gericht eingeräumt hat, sei „einfach nur schrecklich und menschenverachtend“ und übersteige seine „Vorstellungskraft“, hat Opferanwalt Uwe Behnsen zu Beginn des Prozesses gesagt. Den übrigen am Verfahren beteiligten Juristen wird es ähnlich ergangen sein. Erwin S. hat zugegeben, seine eigene kleine Tochter missbraucht zu haben. Auch die Schwester des Beschuldigten hatte ihn belastet: Er habe sich auch an ihr vergangen, als sie noch ein Kind war, sagt sie. Für diese Sexualtaten, die er in den 90er Jahren begangen haben soll, wurde Erwin S. nicht bestraft – sie sind bereits verjährt. Die Vorsitzende Richterin der Jugendkammer 3, Gabriele Immen, sprach in ihrer Urteilsbegründung von einem „Inzesttäter“. Der Angeklagte hatte immer wieder Geschlechtsverkehr mit seiner Tochter in der Wohnung der Familie. In einigen Fällen benutzte er Sexspielzeug, einmal schaute er sich mit dem Kind einen Pornofilm an, eine Tat filmte er mit seiner Videokamera. „Es macht sprachlos, wenn eine Zwölfjährige von ihren Eltern Sexspielzeug geschenkt bekommt“, sagte Richterin Immen. Der Angeklagte habe auf seine angeblich schreckliche Kindheit verwiesen und versucht, Mitleid zu erwecken, meint Behnsen. „Die Vorsitzende Richterin hat ihm aber gesagt, insbesondere jemand, der selbst sexuell missbraucht wurde, müsse eine besonders große Hemmschwelle haben.“ Seine Mandantin sei erleichtert, dass sie nicht gezwungen wurde, im Beisein des Täters, ihres eigenen Vaters, über ihre schrecklichen Erlebnisse reden zu müssen, sagte der Opfer-Vertreter.

veröffentlicht am 11.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

VON ULRICH BEHMANN
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Das heute 13 Jahre alte Mädchen war im August vergangenen Jahres gemeinsam mit seiner Mutter zur Polizei gegangen und hatte seinen Vater angezeigt. Später meldete sich auch die Schwester des Beschuldigten zu Wort. Sie sei als Kind ebenfalls von ihrem Bruder sexuell missbraucht worden, gab sie zu Protokoll. Die Missbrauchsfälle hatten sich in Langenhagen und im Kreis Hameln-Pyrmont ereignet. Zum Schutz der Opfer nennt unsere Zeitung nicht die Tatorte und den Namen des Angeklagten. Aus demselben Grund hatte das Gericht zeitweise die Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung ausgeschlossen. „Meine Mandantin ist vollkommen traumatisiert. Sie musste psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Ob sie das Erlebte jemals verarbeiten kann, weiß derzeit niemand“, sagt Behnsen, der dem Kind vor Gericht beistand.

Staatsanwältin Yvonne Arnold hatte sechs Jahre und neun Monate Gefängnis gefordert. Das war für Nebenklage-Vertreter Behnsen okay. Strafverteidiger Burkhard Papendick plädierte für fünf Jahre und neun Monate. Das Gericht verurteilte Erwin S. schließlich zu sechs Jahren Haft. Grund: „schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit Missbrauch von Schutzbefohlenen in 14 Fällen“. Übrigens: Die Rückfallgefahr hat der Gutachter als nicht sehr hoch eingeschätzt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Erwin S. auf der Anklagebank – der Sexualverbrecher, der bis zu seiner Verhaftung im Landkreis Hameln-Pyrmont wohnte, muss sechs Jahre ins Gefängnis.

dpa



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