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Die wirre Welt der Rintelner Vizevorsitzenden Corinna Scheiper

Selbst für die AfD zu rechts

Rinteln. Nicht nur im Internet schlug die Gründung des AfD-Stadtverbands hohe Wellen, in Rinteln geriet die Gruppe schnell zum Stadtgespräch. Vor allem die neue Vizevorsitzende, Corinna Scheiper, wird ambivalent beurteilt. In sozialen Netzwerken hat sie sich einen Namen als antimuslimische Einpeitscherin gemacht.

veröffentlicht am 11.02.2016 um 16:48 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:37 Uhr

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Autor:

von Jakob Gokl
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Vor allem die neue Vizevorsitzende, Corinna Scheiper, wurde von einigen Usern der SZ-Facebookseite ambivalent beurteilt. Selbst eine offenkundige AfD-Unterstützerin schrieb: „Dass die Scheiper da nicht rein gehört, ist mir klar; leider tun solche Leute der Sache nur schaden. Aber trotzdem ich stehe auch zur AFD.“ Doch warum sorgt gerade Scheiper sogar bei Anhängern der Partei für gerunzelte Augenbrauen? Nicht nur in sozialen Netzwerken hat sich die Vize-Vorsitzende einen Namen als antimuslimische Einpeitscherin gemacht.

Ein Blick in den öffentlichen Teil des Facebook-Profils von Scheiper bietet einen kleinen Eindruck. „Alle Moslems sind mehr oder weniger geistig verwirrt, pädophil, grausam, unterdrückend, freiheitsberaubend und... und...“ schrieb sie da zum Beispiel im Dezember. Sie verlinkt Lieder der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ von Ex-Landser-Sänger Michael „Lunikoff“ Regener. Landser wurde 2003 als erste Musikgruppe vom Berliner Kammergericht als kriminelle Vereinigung verboten. Regener wurde zu drei Jahren und vier Monaten Haft und wegen Volksverhetzung in zwei Fällen verurteilt und genießt in der rechtsextremen Szene einen Märtyrer-Status.

Der Refrain des von Scheiper verlinkten Liedes lautet: „Wir lieben unser Land, aber wir hassen diesen Staat // Ihr werdet sie noch aufgehen sehn, unsre Saat // Und dann gibt es keine Gnade, unser Hass ist viel zu groß // Eure Dämme werden brechen und der deutsche Sturm bricht los!“

Doch nicht nur im Internet hat sich Scheiper einen einschlägigen Ruf aufgebaut. Auch an ihrem ehemaligen Wohnort in Engern ist sie bekannt. Jan Plenert, damals ihr Nachbar, erinnert sich unter anderem, dass Scheiper früher in Engern NPD-Wahlplakate aufhängte. Auch Ortsbürgermeister Dieter Horn (SPD) erinnert sich an die Klagen von Anwohnern über andauernde nächtliche „Nazimusik“ und häufige Polizeieinsätze, nicht nur in Zusammenhang mit Ruhestörung.

Außerdem habe die Familie Scheiper versucht, unter dem Vorwand einer privaten Geburtstagsparty, eine Neonazi-Veranstaltung in der Mehrzweckhalle Engern anzumelden, erinnert sich Horn. Das konnte im letzten Moment verhindert werden. Die Veranstaltung fand im Anschluss im „Jägerhof“ in Uchtdorf statt, die Schaumburger Zeitung berichtete damals: „Im Uchtdorfer Jägerhof haben am Samstag rund 100 Rechtsradikale ein Konzert veranstaltet. Die Polizei, die nach eigenen Angaben mit über 100 Beamten im Einsatz war, beobachtete die offiziell als „private Geburtstagsfeier“ deklarierte Veranstaltung, sah aber keinen rechtlichen Anlass zum Einschreiten.“

Anders sieht die Situation in Westendorf aus. Dort ist Scheiper bisher offenbar nicht einschlägig bekannt. „Sie hat sich an die Dorfgemeinschaft angepasst, und hat hier keinen rechtsradikalen Ruf“, sagt Ortsratsmitglied August Beißner (CDU). Facebook-Kommentare (siehe Bild), die alle aus dem Jahr 2015 stammen, deuten daraufhin, dass sich ihre Geisteshaltung nicht radikal geändert hat.

„Sie hat eine rechtsradikale Vergangenheit“, betont Horn, „und die Äußerungen auf Facebook deuten darauf hin, dass sie versucht, das, was ihr mit der NPD nicht gelungen ist, heute über die AfD zu machen.“

Im März 2015 lobte Scheiper zu einem von ihr verlinkten Zeitungsartikel über die rechte Modemarke „Thor Steinar“ die „super Qualität“ der vielen Jacken der Marke, die sie besitze. Der brandenburgische Verfassungsschutz bezeichnet die Marke als „szenetypisches Erkennungs- sowie Abgrenzungsmerkmal“. Im Deutschen Bundestag und einigen Landtagen ist das Tragen von Thor-Steinar-Kleidung verboten. NPD-Mitglieder wurden deswegen bereits aus Sitzungen entfernt.

Der Rintelner Ratsvorsitzende Heiner Bartling erklärt auf Anfrage, bisher habe es in Rinteln noch keinen Anlass gegeben, sich mit der Marke auseinanderzusetzen. Sollte es der Fall sein, würde er von seinem Hausrecht Gebrauch machen. „Wenn jemand mit solchen Symbolen auftreten würde, würde das für mich bedeuten, dass ich sage ,Nein, wir möchten das nicht‘.“

Gerne hätten wir an dieser Stelle auch die Sicht von Corinna Scheiper präsentiert. Doch trotz vielfacher Versuch, mit ihr in Kontakt zu treten, war sie nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Telefonische Versuche und Rückrufbitten über Dritte blieben unbeantwortet. Anfragen via Facebook endeten mit dem Blockieren des anfragenden Accounts.

Alle Screenshots stammen aus öffentlichen Beiträgen von Corinna Scheiper auf Facebook und waren bis Redaktionsschluss einsehbar.



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