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Information und Debatte bei VHS-Veranstaltung

Schon bis zu 250 Wölfe in Niedersachsen

HAMELN. Er ist zurück. Ob man ihn in der Nachbarschaft haben möchte – oder auch nicht. Experten gehen von 200 bis 250 Wölfen aus, die mittlerweile durch Niedersachsen streifen. Bei einer Veranstaltung der Volkshochschule Hameln-Pyrmont wurde nun über das Thema gesprochen.

veröffentlicht am 25.10.2018 um 06:00 Uhr

Der europäische Grauwolf schleicht seit einigen Jahren wieder durch Niedersachsen. Experten sprechen von 20 Rudeln, zwei Paaren und 22 Einzeltieren, die sich im Bundesland aufhalten sollen. Kritiker sehen die Anzahl als zu hoch an. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Raoul Reding, Wolfsbeauftrager der Landesjägerschaft Niedersachsen, spricht von 20 Rudeln, zwei Paaren und 22 Einzeltieren im Bundesland. Im Landkreis Hameln-Pyrmont habe es vor zwei Jahren einen Nachweis gegeben, seitdem keinen mehr. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Nachweis kommt, so der Wolfsexperte.

Was Artenschützer erfreut, verunsichert Wanderer und verärgert Nutztierhalter. Experten durchleuchteten das Thema Wolf in einer von der Volkshochschule Hameln-Pyrmont organisierten Diskussionsrunde.

Verhält sich der Wolf so wie die Teilnehmer der Diskussion im Hamelner Hefehof untereinander, sollte vom Raubtier eigentlich keine Gefahr ausgehen. Ging die Expertenrunde doch „lammfromm“ miteinander um. Kein Zähnefletschen, keine Drohgebärden, keine Angriffe. Allenfalls ein leises Knurren aus dem Publikum – zumeist von Tierhaltern – war mitunter zu hören. „Das habe ich so noch nicht erlebt. Die Diskussion war sehr angenehm“, so Reding zum Klima der Veranstaltung.

Großen Respekt vor dem Wolf zeigte Heidi Gatzlaff. „Ich bin sehr ängstlich und gehe nicht mehr allein in den Wald“, macht sich die erste Vorsitzende des Wandervereins Weserbergland Sorgen, einem der Raubtiere begegnen zu können. Eine unbegründete Unsicherheit der Wanderin? Es sei wesentlich wahrscheinlicher, im Straßenverkehr zu Schaden zu kommen, als durch einen Wolf, wie Reding meint. „Der Wolf steht nicht vor dem Waldkindergarten und reibt sich die Pfoten“, sagte Dr. Ernst-Hermann Solmsen, Diplom-Biologe und Mitglied beim Naturschutzbund Deutschland.

Und die Sorge um die Nutztiere? Im Prinzip ist der Konflikt mit der Nutztierhaltung das Kernthema schlechthin. Seitdem der Wolf zurück ist, denke er darüber nach, seine Schafzucht aufzugeben, meinte ausgerechnet der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, Horst Söffker. Der Hessisch Oldendorfer vermisst eine gesetzliche Grundlage, Wölfe „zügig zu entnehmen“. Herdenschutztiere kommen für den Schafzüchter nicht in Frage. „Ich habe Weideflächen direkt an einem Radfahrweg. Das ist bei den Hunden sehr kritisch“, so Söffker. Dr. Volker Ruwisch aus Uslar, selbst Tierhalter, rechnete vor, dass die Fleischmenge seiner Mutterherde (neun Tiere) einen Wolf ein Jahr lang „sattmache“. Ein Argument gegen das Raubtier, dass Heiko Brede, Förster und Wolfsberater, so nicht gelten lassen wollte. „Der Wolf frisst nur zu einem Prozent Nutztiere. Hauptbeute ist das Reh, und die gibt es massenweise“, wie der Waldökologe erklärte.

„Der Wolf ist eine Tierart, die am Ende der Nahrungskette steht. Er ist aber kein Indikator für eine intakte Natur. Viele Arten am Anfang der Nahrungskette, wie Bienen, sind bedeutender. Er ist aber eine Bereicherung der Natur und findet seine Lebensgrundlagen“, meint Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler.

Durch die veränderte Situation, ein Wildtier im Land zu haben, das man seit 150 Jahren nicht mehr im Land hatte, müsse man Zugeständnisse machen, zog Solmsen sein Fazit. In Zukunft sollen vernünftige Datengrundlagen wie das Wolfsmonitoring weiterhelfen, das Thema Wolf vernünftig anzugehen.



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