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Marihuana-Plantage im „Horror-Haus“: Landgericht verurteilt Dachdecker zu langjähriger Haftstrafe

„Schnapsidee“ führt direkt in den Knast

BOSSEBORN / PADERBORN. Wäre er bloß mal bei seinem Handwerk geblieben: Dachdecker Dave M. muss für fast acht Jahre hinter Gitter – weil im „Horror-Haus“ in Höxter-Bosseborn eine Marihuana-Plantage betrieben wurde. Dem Landgericht Paderborn galt er als Hauseigentümer als wichtige Figur innerhalb der Drogenbande.

veröffentlicht am 16.04.2018 um 19:12 Uhr

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Autor:

Ulrich Pfaff
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Das Erstaunen hielt sich in Grenzen, mit dem der 51-Jährige das Urteil der 1. Großen Strafkammer am Montag entgegennahm. Der gebürtige Schotte hatte wohl damit gerechnet, dass für ihn eine satte Haftstrafe herauskommen würde – sie lag mit sieben Jahren und zehn Monaten aber immerhin sieben Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Für die Kammer war klar, dass die Marihuana-Plantage im „Horror-Haus“, das M. Anfang 2017 gekauft hatte, ohne ihn nicht hätte aufgebaut werden können: „Wenn Sie das Gebäude nicht zur Verfügung gestellt hätten, wäre es nicht zu den Taten gekommen“, befand Richter Dr. Oliver Neuwinger. So rechnete das Gericht M. auch eine Täterschaft zu, er habe als Mitglied der Bande gehandelt, wenn auch nicht an maßgeblicher Stelle. Dennoch habe er eine Machtposition innegehabt, so der Richter: Denn als das versprochene Geld vonseiten des Bandenchefs nicht geflossen sei, habe M. angedroht, die Schlösser auszutauschen und somit den Zugang zur Plantage lahmzulegen. Zusätzlich zur Haftstrafe verfügte das Gericht eine mindestens zwei Jahre dauernde Drogentherapie im Maßregelvollzug, denn M. ist nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters nicht nur Dauerkiffer, sondern auch alkoholabhängig. Da passte es ins Gesamtbild, dass der Dachdecker selbst in seinem letzten Wort nach den Plädoyers der Verteidiger von einer „Schnapsidee“ sprach – es sei „die falsche Entscheidung“ gewesen, sich auf das Angebot einzulassen, Räume zum Aufbau der Plantage zu vermieten.

Der Vortrag des Gutachters erinnerte an die Aussage von Dave M. am ersten Prozesstag: Er sei freundlich, zuvorkommend, offen und „wirkt zuweilen etwas skurril“. M. habe zum Beispiel geäußert, er wolle die Welt retten und könne das sogar. Das etwas seltsame Auftreten wollte der Psychiater jedoch nur zum Teil dem Umstand zuschreiben, dass M. Schotte sei: Vielmehr habe er die längste Zeit seines Lebens, und zwar schon seit seiner Jugend, Alkohol und Drogen konsumiert. Von der Vermietung des „Horror-Hauses“ an einen 43-jährigen Krefelder, der als Kopf der Bande gilt, habe M. sich fünfstellige Einnahmen versprochen, diese aber nie gesehen. Diesen Umstand griff Verteidiger Dr. Carsten Ernst auf: M. sei wie seine beiden Mitangeklagten vom Bandenchef gelockt und schließlich betrogen worden. Aber die von Ernst beantragten vier Jahre Haft als „kleines Licht“ entsprachen letztlich nicht dem, was die Strafkammer als gerecht empfunden hatte. Die beiden anderen Angeklagten – ein 44 Jahre alter Deutschtürke aus Krefeld und eine aus Bulgarien stammende 30-Jährige – hingegen sprach die Kammer der Beihilfe für den bandenmäßig betriebenen Drogenanbau schuldig. Bei den Strafmaßen folgte das Gericht den Anträgen der beiden Verteidiger und verhängte vier beziehungsweise dreieinhalb Jahre Haft. Am kommenden Montag könnte ein Urteil in dem Verfahren gegen den mutmaßlichen Bandenchef und seinen direkten Helfer, einen 26-Jährigen aus Brakel, gesprochen werden. Das „Horror-Haus“ wird von der Justiz aus dem Eigentum von Dave M. eingezogen, zugunsten des Kreises Höxter. Dieser wird nach Erledigung der notariellen Formalitäten die Zwangsversteigerung über das Amtsgericht Höxter betreiben.



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