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Heimische Helfer im Emsland / Täter schlitzen Schläuche auf

Sabotage im Kampf gegen das Moorfeuer

HAMELN/STAVERN. Als sie der Einsatzbefehl in Meppen erreicht, sind die Freiwilligen des Wassertransportzuges der Kreisfeuerwehrbereitschaft West aus Hameln-Pyrmont bereits 32 Stunden auf den Beinen. Dennoch scheinen die Helfer aus Halvestorf, Heßlingen, Groß Berkel, Aerzen, Grohnde, Kleinenberg und Holzhausen „voll motiviert“. Von Müdigkeit keine Spur.

veröffentlicht am 27.09.2018 um 20:41 Uhr
aktualisiert am 27.09.2018 um 21:20 Uhr

Auch am Tag 25 des riesigen Flächenbrandes kämpfen Löschmannschaften der Bundeswehr und zivile Feuerwehren gegen das unterirdisch schwelende Flächenfeuer – mit Wasserwerfern wird das Moor geflutet. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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„Wir halten uns mit Kaffee und Cola wach, arbeiten in zwei Schichten“, erzählt Bereitschaftsführer Jürgen Selle aus Hameln-Rohrsen. Sein Stellvertreter Hartwig zur Mühlen lacht herzlich – mit einem Augenzwinkern sagt der Mann aus Groß Berkel: „Jetzt sind die Profis dran.“

Im Schein der untergehenden Sonne nehmen die heimischen Helfer den Kampf gegen das riesige Moorfeuer auf, das sich seit dem 3. September – entfacht von einer Rakete – überwiegend unterirdisch durch den Torf frisst. Unter den weit mehr als 2000 Helfern, die ins Emsland gerufen wurden, waren – und sind zum Teil immer noch – 400 Frauen und Männer aus dem Weserbergland. Oberhalb der Gemeinde Stavern verlegen die Feuerwehrleute am Donnerstagabend bei Bunker 8000 im streng von der Öffentlichkeit abgeschirmten militärischen Sicherheitsbereich lange Schlauchleitungen und werfen die starken Pumpen der geländegängigen Tanklöschfahrzeuge an. Um 19 Uhr blickt Zugführer Stefan Dressler zur Uhr – bis Sonnenuntergang müssen die Feuerwehrleute – unter ihnen ist eine Frau aus Halvestorf – fertig sein. Bei völliger Finsternis auf dem größten Waffentestgelände in Westeuropa unterwegs zu sein, wäre zu gefährlich, denn: Kampfmittel liegen mancherorts im Boden. Weil eine Evakuierung von zwei Dörfern abgewendet werden konnte, hat der Landkreis Meppen am Vormittag den am Freitag ausgerufenen Katastrophenalarm aufgehoben.

Oberirdische Feuer sind zwar nicht mehr zu sehen – doch: Der Moorbrand schwelt weiter. Geologen und Bohrtrupps der Bundeswehr ermitteln derzeit, wie tief sich die Glut in den staubtrockenen Boden gefressen hat. Aufklärungstornados fliegen über das Testgelände, ein Löschhubschrauber wirft seit mehreren Tagen punktgenau dort Wasser ab, wo es besonders heiß ist. Den zivilen Helfern der Feuerwehr und des THW, die auf dem 200 Quadratkilometer großen Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle Seite an Seite mit Bundeswehr-Löschmannschaften und Spezialpionieren gegen einen inzwischen unsichtbaren Feind kämpfen, ist es streng untersagt, Fotos zu machen.

4 Bilder
Lebensgefahr! Feuerwehrleute sind auf einem Waffentestgelände im Einsatz. Foto: ube

Am Donnerstag durften Journalisten erstmals in Begleitung von Soldaten auf dem Militärgelände Feuerwehrleute und Pioniere im unwegsamen Gelände besuchen, interviewen und im Einsatz fotografieren.

Die Militärpolizei ist dieser Tage noch wachsamer als sonst, weil am Mittwoch und am Donnerstag Sabotageakte verübt wurden. Unbekannte haben Löschschläuche zerschnitten. Motiv: unbekannt.

Als die Sonne untergegangen ist, treten Daniel Siebke, Detlev Grabbe, Jan-Hendrik Zapke und Jan Beißner in Groß Stavern ihren Dienst an. Vor den Helfern des THW Hameln liegt eine zwölfstündige Nachtschicht. Sie koordinieren den Pumpeinsatz an der Wasserförderstrecke Ost, sorgen dafür, dass das Löschwasser aus der Nordradde durch eine 3,5 Kilometer lange Schlauchleitung ins Moor gedrückt wird. Das Flusswasser läuft schließlich in einen 30 000-Liter-Behälter, aus dem die Kräfte des 1. Fachzuges der Kreisfeuerwehrbereitschaft West aus Hameln-Pyrmont ihren Löschwasser-Nachschub beziehen.



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