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Staatsanwaltschaft: Verurteilung wegen vierfachen versuchten Mordes möglich

Runen, Wikinger und „Ostkreisler Jungs“

Salzhemmendorf/Hannover. Im Prozess um den Brandanschlag in Salzhemmendorf hat die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe präzisiert: Für Staatsanwältin Dr. Katharina Sprave kommt mittlerweile auch eine Verurteilung wegen vierfachen versuchten Mordes und wegen eines besonders schweren Falls der Brandstiftung infrage. 

veröffentlicht am 18.02.2016 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:36 Uhr

Verteidiger Christoph Rautenstengel versucht Kontakt zu seiner Mandantin aufzunehmen, doch Saskia B. versteckt sich hinter einem Aktendeckel. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Offenbar ist die Anklagebehörde durch das Gutachten des Brandexperten Klaus Franke vom Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamts zu dem Schluss gekommen, dass die Mutter (34) aus Simbabwe und ihre drei kleinen Kinder (4, 8, 11) durch den Molotow-Wurf in Todesgefahr geraten sind. Die Verteidigung sieht das anders. Die Rechtsanwälte Roman von Alvensleben und Tanja Brettschneider sehen sich durch die Angaben des Gutachters darin bestätigt, dass Dennis L. den Tod von Hausbewohnern nicht billigend in kauf genommen hat. Die Verteidigung hat den Sachverständigen so verstanden, dass der Brandsatz aufgrund seiner Bauweise nicht dazu geeignet war, einen Menschen zu töten. Einen Tötungsvorsatz habe es nicht gegeben, sagt von Alvensleben auf Nachfrage der Dewezet. Deshalb könne man nur von versuchter Körperverletzung mit Todesfolge reden.
Die Befragung von drei Staatsschutz-Beamten aus Hameln nahm breiten Raum ein. Ein Hauptkommissar berichtete, was Dennis L. ihm gesagt hat. Der 53-Jährige berichtete dem Gericht, der Lauensteiner habe Tattoos – auf der Brust und auf einem Arm. Das eine zeige ein Wikinger-Schiff und eine Odal-Rune, das andere einen Wikinger, der eine Hand zur Faust ballt, und auch einen Totenkopf-Ring. Rune und Ring seien früher Zeichen der SS gewesen. Ein Kriminalhauptkommissar (55) berichtet über Erkenntnisse über die „Ostkreisler Jungs“ nennt. Offenbar hat dieser Zusammenschluss von Männern aber nichts oder nur wenig mit dem Verfahren zu tun. Nebenkläger-Vertreter Lukas Theune stellt immer wieder Fragen dazu. Fast scheint es, als sei er zu dem Schluss gekommen, im Osten des Landkreises Hameln-Pyrmont sei rechtes Gedankengut weit verbreitet. . Der Dewezet erklärte Theune, warum er so gezielt nachfragt: „Ich habe Erkenntnisse, dass Dennis L. und Sascha D. dieses Internet-Forum angeklickt haben sollen.“ Ein dem Staats- und dem Verfassungsschutz bekannter ehemaliger Hamelner, der während des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien als Söldner gekämpft und im sogenannten Rieger-Haus in Hameln gewohnt hat, soll Mitglied der „Ostkreisler“ gewesen sein. Als Sascha D. mit dem Molotow-Wurf konfrontiert wurde, habe er sich bei der Vernehmung verraten. „Ich bin gar nicht ausgestiegen“, hatte er gesagt. „Da sind wir hellhörig geworden“, so der Beamte. Der 25-Jährige ist polizeibekannt. Unter anderem wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen. Der Leiter des Staatsschutzkommissariats (50) hat Saskia B. zweimal vernommen. Am Tag nach dem Anschlag habe die Fahrerin des Fluchtwagens ausgesagt, für sie sei Dennis L. der Haupttäter. Er habe im Befehlston gesprochen, er sei „hochgradig aggressiv und hochgradig rechts“. Vor dem Wurf des Molotow-Cocktails hätten sich die Männer darüber unterhalten, in welches Fenster der Brandsatz geworfen werden soll. „Nicht das linke, das ist ein Bad“, habe Sascha D. gesagt. Dennis L. hat laut Saskia B. geantwortet, „er müsse das wissen, damit es die richtigen Leute treffe“. Die Mutter zweier Kinder will nicht geglaubt haben, dass Dennis L. „das wirklich tut – bis es dann geklirrt hat“. Nach der Tat hätten die Männer „herzlich gelacht“.



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