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Rückblick: Das war 2019 im Weserbergland

WESERBERGLAND. Der Missbrauchsfall Lügde, der Rücktritt des Hameln-Pyrmonter Landrats Tjark Bartels, der Klimaprotest, das Gelbe-Sack-Drama: Das waren die großen Themen des letzten Jahres im Weserbergland. Ein Überblick.

veröffentlicht am 31.12.2019 um 09:00 Uhr

Der Fall Lügde

Über Jahre hinweg hatten sich zwei Männer das Vertrauen kleiner Kinder erschlichen, um sie zu vergewaltigen. Eine heruntergekommene Behausung auf dem Campingplatz in Lügde wurde zum Tatort – und zum Inbegriff für Kindesmissbrauch in ungeheurem Ausmaß. Für hundertfachen Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen müssen sie jahrelang ins Gefängnis. Mit dem Urteil im September geht der bundesweit aufsehenerregende Fall Lügde juristisch zu Ende. 
Politisch stehen im Fall Lügde Behördenversagen und Polizeipannen im Fokus: Eine Sonderermittlerin untersucht in Hameln-Pyrmont, wie es im Jugendamt des Landkreises zur eklatanten Fehlentscheidung kommen konnte, dem Haupttäter Andreas V. ein Mädchen zu überlassen – obwohl es Hinweise auf sexuellen Missbrauch gab. Die Ermittlerin muss zudem klären, wie es um involvierte Jugendhilfeeinrichtungen stand und steht, wie im Jugendamt von wem warum Akten frisiert wurden – und wie künftig das Kindeswohl besser geschützt werden kann.

Rücktritt von Landrat Tjark Bartels

Der nach dem Missbrauchsskandal von Lügde unter Druck geratene Landrat von Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels (SPD), gibt sein Amt Mitte Oktober unter Hinweis auf seine Gesundheit ab. Er habe einen schweren Burn-out erlitten, teilt Bartels in einer auf Youtube veröffentlichten Videobotschaft sowie in einer Pressemitteilung am 11. Oktober unter Bezug auf die Missbrauchsfälle von Lügde mit. Mit Bartels’ Rücktritt steht 2020 eine vorgezogene Landratswahl an. Termin ist der 8. März.


Fridays for Future im Weserbergland

Fridays for Future hat Hameln erreicht. Wie in vielen anderen Städten ziehen die Schüler, aber auch viele Ältere, zum ersten Mal am 20. September mit Sprechchören und Transparenten durch die City, um auf die drohende Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Unterstützt werden sie von der BUND-Kreisgruppe Hameln-Pyrmont. Die Polizei spricht an diesem Tag von 1300 Teilnehmern, die Veranstalter von 2000.

Zu Beginn der Klimakonferenz in Madrid am 2. Dezember wird erneut protestiert, mit selbst gebastelten Plakaten und ohne Müll zu hinterlassen. Zum Aktionstag rufen diesmal Fridays und Parents for Future, der BUND und der ADFC Hameln auf.

Der Demonstrationszug ist kleiner als beim ersten Mal, nur 500 bis 600 Teilnehmer sind es nach Angaben von Organisatoren und Polizei. Was aber auch daran liegt, dass Bad Pyrmont und Holzminden nun eigene Veranstaltungen haben, sagen die Veranstalter. Auf lokaler Ebene fordern die Demonstranten unter anderem, dass Windräder näher an Wohnbebauung heranrücken sollen, Fotovoltaik für Neubauten verpflichtend und der öffentliche Nahverkehr kostenlos wird, mehr Busse am Wochenende und abends fahren, Fahrradschnellstraßen im Landkreis gebaut werden und dass Grünflächen nicht mehr versiegelt werden dürfen. 

Pannen bei der Abfuhr der Gelben Säcke

Remondis, ein Branchenriese, hatte zum Jahresbeginn die Abfuhr der Gelben Säcke in Hameln-Pyrmont übernommen. Doch der Fehlstart zeigte: Auch Riesen können stolpern. Die Fahrer wussten nicht wohin, eine neue Navigationssoftware funktionierte nicht. Bestellte Sammelfahrzeuge mit größerer Ladekapazität wurden nicht geliefert, erklärte das Unternehmen. Ein Fahrzeug blieb dann auch noch – als bereits vielerorts vom Müll-„Chaos“ geklagt wurde – defekt liegen.

Am Ende musste die Kreisabfallwirtschaft, obwohl seit der neuen Vergabe nun gar nicht mehr zuständig, helfen, den Verpackungsmüll einzusammeln. Der damalige Landrat Tjark Bartels bat Ende Januar zur Krisen-Pressekonferenz. Private Unternehmen verdienen Geld, „aber wenn es schiefläuft, müssen wir Öffentlichen aushelfen“, zog der SPD-Politiker angesäuert Bilanz. Remondis wiegelte ab: „Falsch oder nicht gelieferte Fahrzeuge sowie ein Totalausfall der für die Touren notwendigen digitalen Infrastruktur lassen sich weder vorhersehen noch im Vorfeld vermeiden“, warb ein Unternehmenssprecher um Verständnis.

Und danach? Alles im grünen oder besser: gelben Bereich? Nicht so ganz. „Immer wieder Ärger mit Gelben Säcken“, meldete diese Zeitung noch im Juni aus Bad Pyrmont. Es sei schwer nachvollziehbar, warum es auch mehr als sechs Monate nach der Übernahme des Kreisgebietes immer noch solche Schwierigkeiten gebe, lautete damals der Kommentar von Landkreissprecherin Sandra Lummitsch. Seitdem immerhin wurden die Klagen selten.



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