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Naturschützer erfassen derzeit Bestand

Rotmilane werden besonders häufig Opfer von Windrädern

WESERBERGLAND. Rotmilane sind majestätische Greifvögel, die man gut an ihrem gegabelten Schwanz erkennen kann. Aktuell wird ihr Bestand in Niedersachsen sowie im Wesertal erfasst. Die Rotmilane haben ein spezielles Problem: Häufiger als andere Greifvögel werden sie Opfer von Windkraftanlagen.

veröffentlicht am 24.04.2019 um 13:36 Uhr
aktualisiert am 24.04.2019 um 19:11 Uhr

 Weil der Rotmilan als Raubvogel seinen Blick auch im Flug nach unten auf seine Beute gerichtet hat, ist bei ihm laut Nabu das Risiko besonders groß, dass er mit Windkraftanlagen zusammenstößt und verletzt wird. Foto: fn
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Cornelia Kurth Reporterin zur Autorenseite
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Greifvögel insgesamt sind durch die rotierenden Blätter der Windkraftanlagen gefährdet. Anders als kleine Vögel, die instinktiv vor den Rotorblättern fliehen und die Flächen großräumig umfliegen, gelten sie als „windkraftsensibel“. Da ihr Blick bei der Jagd nach unten gerichtet ist, nehmen sie die schwingenden Blätter nicht wahr. Beim Rotmilan kommt erschwerend hinzu, dass er von den freien Flächen rund um die Anlagen magisch angezogen wird, weil er dort seine Beute besonders gut entdecken kann.

„Die Bestandsaufnahme der Rotmilane ist so wichtig, weil man daraus Gefährdungsursachen ablesen und Schutzmaßnahmen planen kann“, erklärt Dr. Nick Büscher, Vorsitzender das Naturschutzbundes Rinteln (Nabu).

Rotmilane zählen zu den „Verantwortungsarten“. Das bedeutet, speziell Deutschland trägt eine große Verantwortung für ihren Fortbestand. „Über 50 Prozent der weltweit vorkommenden Rotmilane leben bei uns“, so Büscher, „davon ein großer Teil auch im Weserbergland.“

Es ist gar nicht so einfach, den Standort von Rotmilan-Horsten zu entdecken. Bei ihren Jagdflügen entfernen sich die Vögel oft mehrere Kilometer von ihrem Zuhause. Das erklärt Thomas Brandt, der Erste Vorsitzende der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV), die das „Monitoring“ der Rotmilane jetzt zum dritten Mal organisiert. Noch bis Mitte Juli läuft die Bestandsaufnahme.

„Sobald die Bäume belaubt sind, kann man die Nester nicht mehr sehen“, sagt er. „Man ahnt aber, dass sie in der Nähe sein müssen, wenn die Vögel Nistmaterial im Schnabel tragen oder Beute transportieren, um die Jungen zu füttern.“ Um die Vögel bei Brut und Aufzucht nicht zu stören, trage man mögliche Horst-Standorte in eine vorbereitete Karte ein, um dann später zu prüfen, wo genau sich ein Nest befindet.

Die Bestandsaufnahme wird von erfahrenen Leuten wie ihm durchgeführt. Jeder Teilnehmer bekommt dabei ein festes Gebiet zugeteilt. „Wir wissen schon, wo wir gucken müssen“, so Thomas Brandt. In Todenmann, wo er aufgewachsen ist, sieht man Rotmilane, ebenso in Möllenbeck oder Hohenrode. Sollten in Westendorf tatsächlich – wie geplant – Windkraftanlagen gebaut werden, müssten auch dort die Belange von Rotmilanen berücksichtigt werden, wenn man bei der Kartierung entsprechende Horstbäume feststellt.

„Das würde nicht unbedingt bedeuten, dass so eine Anlage nicht gebaut werden darf“, sagt Nick Büscher. „Es ist aber gesetzlich vorgeschrieben, dann Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“ Diese könnten darin bestehen, dass man Abschaltzeiten festlegt, in denen die Räder sich nicht drehen dürfen; dass Abstandsregelungen zu den Horsten eingehalten werden müssen. „Auch Vergrämungsmaßnahmen sind denkbar“, so Büscher. Wo zum Beispiel die Grasflächen rund um die Windkrafträder nicht gemäht werden, wird der Rotmilan nicht mehr nach Beute suchen können.

Auch interessierte Bürger können dazu beitragen, den Bestand der Rotmilane zu erfassen. Dabei gehe es nicht darum, jeden vorbeifliegenden Greifvogel zu melden. Aber wer einen Rotmilan entdecke, der Nistmaterial trage, solle diesen Hinweis gerne weitergeben, zum Beispiel an den Nabu in Rinteln unter der Telefonnummer (0 57 51) 52 37.



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