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Zwischen Vogler und Weser entsteht im Landkreis Holzminden ein Schutzgebiet

Rettung der Wildkatze

Weserbergland. Der Niedersächsische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht die Rettung der Wildkatze auf einem guten Weg. In Niedersachsen seien seit 2011 über 6000 Bäume und Sträucher gepflanzt worden, um für die Wildkatzen zusammenhängende Lebensräume zu schaffen, teilte der BUND mit. Noch in diesem Jahr soll im Landkreis Holzminden eine weitere, 700 Meter lange Pflanzung entstehen.

veröffentlicht am 11.08.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 14:21 Uhr

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Autor:

von felix david
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In dem vor zehn Jahren gestarteten Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ werden Lebensräume der scheuen Waldtiere wie Laub- und Mischwälder miteinander verbunden. Dazu werden im Rahmen des Netzwerkes zwischen den durch Straßen, Siedlungsgebiete und Ackerflächen getrennten Waldinseln Korridore aus Bäumen und Büschen gepflanzt. Das Ziel ist ein Waldverbund von 20 000 Kilometern Länge über ganz Deutschland.

Bisher wurden nach Angaben des BUND bundesweit auf rund 360 000 Quadratmetern für den Wildkatzenschutz mehr als 40 000 Bäume und Büsche angepflanzt. Dadurch entstanden in Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg insgesamt 14 Waldverbindungen. In Thüringen wurde zudem vor zwei Jahren in Hütscheroda bei Eisenach Deutschlands erstes Wildkatzendorf eröffnet. Dort können Besucher Wildkatzen in naturnaher Umgebung erleben.

Die Wildkatze ist keine verwilderte Hauskatze, sondern eine eigene Katzenart. Sie sind keine Schmusekätzchen, die schnurrend auf dem Sofa liegen – Wildkatzen leben bei Wind und Wetter im Wald, das ganze Jahr. Zu sehen bekommt sie kaum jemand, denn sie sind extrem scheu. Nachts macht Felis silvestris Jagd auf Mäuse, aber auch Frösche, kleine Vögel oder Eidechsen gehören zur Beute. Tagsüber wird geschlafen, oft in hohlen Bäumen. Mit ihrem grau getigerten Fell könnte die Wildkatze mit Stubentigern verwechselt werden, aber der dicke, buschige Schwanz mit schwarzen Ringen macht sie unverkennbar. Wie viele dieser noch vor Jahrzehnten verfolgten Katzen in deutschen Wäldern leben, ist nicht bekannt, aber ihre Zahl steigt wohl seit Jahren wieder. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die scheuen Waldbewohner lange übersehen wurden.

In diesem Jahr soll im Landkreis Holzminden eine 700 Meter lange Pflanzung für Wildkatzen entstehen.

Eine bundesweite Zählung mit genetischem Nachweis soll Aufschluss über den aktuellen Stand bringen. Im Projekt „Wildkatzensprung“ des BUND wird derzeit untersucht, wo Wildkatzen leben und wie viele es sind. Die bisherigen Ergebnisse haben überraschend viele Tiere nachgewiesen. In fast allen großen Waldgebieten sind Wildkatzen heimisch, ihre Zahl wird auf einige Tausend geschätzt. Kerngebiete seien die ausgedehnten Wälder in Hunsrück, Westerwald und Taunus sowie die Eifel und der Pfälzer Wald, sagt BUND-Projektleiter Mark Hörstermann. Dort lebe fast die Hälfte des gesamten Bestandes. Im hessischen Nationalpark Kellerwald-Edersee wurden Wildkatzen 2007 nachgewiesen. „Der ganze Osten bis auf Thüringen und Teile des Harzes ist aber unbesiedelt“, sagt Hörstermann. Warum, sei nicht klar. Die Zählmethode ist kompliziert, denn sie funktioniert über Umwege – die Katzen selbst merken davon nichts. Freiwillige Helfer schwärmen aus, schlagen Holzpflöcke in den Boden, sprühen Baldrianextrakt darauf. Wie alle Katzen lieben Wildkatzen Baldrian. Am duftenden Holzpflock reiben sie sich genüsslich und streifen dabei Haare ab. Helfer sammeln diese ein und schicken sie an das Senckenberg-Institut nach Gelnhausen in Osthessen. Dort werden die Haarproben genetisch analysiert. Rund 10 000 Haarproben seien inzwischen untersucht worden, sagt Senckenberg-Fachgebietsleiter Carsten Nowak. 5000 Proben stammten von Wildkatzen und hätten rund 2000 einzelnen Tieren zugeordnet werden können.

Internet: www.bund-niedersachsen.de sowie www.wildkatzendorf.com/wildkatzen.html



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