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Schwierige Ernte auf nassen Böden und sinkende Preise

Regen bringt Rübenbauern keinen Segen

WESERBERGLAND. Im ersten Jahr nach der alten Zuckermarktordnung, nach dem Wegfall der von Brüssel zugeteilten Zuckerquote, bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt. Die Landwirte haben in Europa den Anbau ausgeweitet, die Ernte ist gut, die produzierte Zuckermenge groß, der Preis ist gesunken.

veröffentlicht am 16.11.2017 um 18:16 Uhr

Sehr dick mit nicht ganz so hohem Zuckergehalt, aber auch sehr schmutzig sind in diesem Jahr die gerodeten Zuckerrüben. Foto: PJ

Autor:

Peter Jahn
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WESERBERGLAND. Das ist die marktwirtschaftliche Seite. Was den Landwirten die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist das Wetter. Durch die vielen Niederschläge in den letzten Wochen sind die Rüben stärker verschmutzt als in den Vorjahren und die Äcker kaum befahrbar. Dennoch: die Roder rollen, die Abfuhr klappt.

Dabei hat es mit Trockenheit und kühlem Wetter im Frühjahr begonnen. Ende März, Anfang April ist die Saat in die Erde gekommen. Es wird noch einmal kälter. Der Samen läuft nur langsam auf. Doch bereits bis zum Frühsommer haben die Pflanzen den Rückstand wieder aufgeholt. Aber dann wird es sehr nass. Alexander Sommermeier, Landwirt aus Fischbeck und Beiratsmitglied im Rübenanbauerverband, macht sich schon vor Beginn der Rübenkampagne im September Sorgen wegen der großen Nässe auf den Feldern. Durch die sehr hohen Niederschläge Ende Juli und im August sind die Böden wassergesättigt. „Viele Flächen sind nicht befahrbar“, klagen Landwirte. Dabei haben die Bauern in Hameln-Pyrmont und Schaumburg noch Glück, einige Regionen in Niedersachsen sind von Hochwasser heimgesucht, die Rübenanbauer müssen große Einbußen und manche sogar Totalausfälle verkraften.

Für die Rübenanbauer im Weserbergland und für die Fabrik von Pfeifer und Lange in Lage bedeutet der anhaltende Regen, dass im Oktober die Verarbeitung gedrosselt werden muss. Die Roder versinken nicht nur im Weserbergland und im Schaumburger Land auf den Feldern, die Anlieferung stockt. Rund eine Woche lang muss in Lage auf kleinerer Flamme gekocht werden. „Jetzt sind wir wieder bei einhundert Prozent“, sagt vor einer Woche Sebastian Binder aus Aerzen, ebenfalls Beiratsmitglied im Anbauerverband und Koordinator einer der drei Rodegemeinschaften im Bereich Hameln-Pyrmont und Schaumburg. Er rechnet damit, dass jetzt noch an rund 15 Tagen Rüben gerodet werden. Damit ist aber die Abfuhr noch längst nicht abgeschlossen, „diese wird länger dauern als ursprünglich geplant und sich bis in die zweite Januarhälfte hinziehen“, sagt Binder.

Der Rübenanbauerverband im Lippe-Weser-Raum, der 1986 gegründet worden war und seitdem im Auftrag seiner etwa 960 Mitglieder mit Pfeifer & Langen über die Höhe der Rübenpreise und die Ausgestaltung von Branchenvereinbarungen und Lieferverträgen verhandelt, hat in diesem Jahr erstmals mitten in der Kampagne zur Mitgliederversammlung in Großenmarpe eingeladen. Dieser Zeitpunkt wurde gewählt, „damit sich die Mitglieder über wichtige Themen austauschen können“. Natürlich geht es um den Ertrag der süßen Feldfrüchte und den Zuckergehalt. Der Ertrag ist überdurchschnittlich, die Rüben sind dick, der Zuckergehalt ist allerdings unter dem Fünfjahresschnitt von 17,8 Prozent geblieben, denn es fehlten die Sonnenstrahlen in den letzten Wochen vor der Ernte, die den Zuckergehalt in den Rüben anreichern. Allgemein klagen die Landwirte in diesem Jahr über eine stärkere Verschmutzung ihrer Rüben. „Diese liegt diesmal deutlich über dem Durchschnitt“, erklärt Binder, was der Nässe geschuldet ist.

Die Verarbeitung der süßen Rüben hat sowohl bei Pfeifer & Langen im lippischen Lage, wo die meisten Landwirte aus dem Weserbergland und aus Schaumburg hin liefern, als auch bei Nordzucker in Nordstemmen im September begonnen. Die Kampagne startete gegenüber dem Vorjahr früher, da die Landwirte den Rübenanbau ausgedehnt haben. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker in Bonn schätzt die Zuckererzeugung 2017 in Deutschland auf knapp fünf Millionen Tonnen Zucker. Auch im heimischen Raum und vor allem im Schaumburgischen sind erhebliche Rübenflächen hinzugekommen. Im ersten Jahr nach dem Fall der Zuckermarktordnung ist eingetreten, was viele schon vorher befürchtet haben. Die Anbaufläche ist europaweit um rund 16 Prozent gewachsen, bei einer Prognose von 20-prozentiger Steigerung der Ernte, ist der Preis für Zucker in Sinkflug gegangen. Gespannt blicken die Zuckerrübenanbauer auf die Börsennotierungen, denn dort wird der Preis ihrer Feldfrucht nach dem Fall der Zuckermarktordnung bestimmt. Die Zuckerpreise am europäischen Terminmarkt in London sind Ende September auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Das macht im Vergleich zum Oktober 2016 ein Minus von 40 Prozent aus. Eine Verbesserung der Situation ist nicht in Sicht, da auch der Weltzuckerpreis niedrig ist.

Um den Verband, dessen Anbaugebiet sich von Osnabrück im Westen über die Regionen Badbergen und Bassum im Norden bis nach Holzminden im Südosten, den Soester Raum im Südwesten erstreckt und im Osten bis an die Anbauregion Hildesheim grenzt, auch künftig handlungsfähig zu halten, stimmen die Mitglieder über verschiedene Satzungsänderungen ab. Bisher war eine Anwesenheit von zehn Prozent der Mitglieder notwendig, um Entscheidungen in Zeiten schrumpfender Teilnehmerzahlen bei den Verbandsveranstaltungen bei gleichzeitiger Steigerung der Mitgliederzahl treffen zu können. Die Mitglieder beschließen eine Satzungsanpassung: Unabhängig von der Zahl der anwesenden Mitglieder kann satzungsgemäß abgestimmt werden. Für Entscheidungen zu Änderungen in der Satzung oder zur Vereinsauflösung sind jedoch Dreiviertelmehrheiten notwendig.



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