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Bürgermeister und Landräte: Kein Verlass auf die NWB

„Pünktlich, bitte!“: Nutzer auf der Weserbahn verärgert

HAMELN-PYRMONT. Ein Blick auf die Uhr genügt, um zu wissen, dass die RB 77 wieder Verspätung hat. Im Wesertal sind täglich zahlreiche Reisende und Pendler auf diese Regionalbahn angewiesen – und seit Jahren gibt es Beschwerden.

veröffentlicht am 17.09.2018 um 14:49 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 15:30 Uhr

Die Regionalbahn hält in Hessisch Oldendorf – nicht selten mit erheblicher Verspätung. Foto: Dana

Autor:

Eva Henjes und Marc Fisser
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Es geht um zu spät kommende oder gar ausfallende Zügen und verpasste Anschlüsse in Löhne, Hameln, Elze oder Hildesheim. Die Strecke wird von der Nordwestbahn (NWB) betrieben, die in drei Jahren auch für das große Netz der S-Bahn Hannover zuständig sein wird. Soeben haben sich Bürgermeister und Landräte im nordwestlichen Niedersachsen bei der Osnabrücker NWB beschwert – auch weil sie befürchten, dass die Aufgabe in Hannover für die NWB zu groß sein und sich die Situation in der Fläche dadurch noch zuspitzen könnte. „Den künftigen Nutzern der S-Bahn-Hannover empfehlen wir schon jetzt die Anschaffung eines Zweitwagens – auf die NWB ist leider kein Verlass mehr“, schreiben die Kommunalvertreter mit deutlichem Sarkasmus und spürbarer Verzweiflung.

Dagmar Winter nutzt regelmäßig die Weserbahn, um von Hessisch Oldendorf nach Rinteln und zurück zu fahren. Die Bahn habe „ständig mindestens zehn Minuten Verspätung“, sagt sie. Die Kundin erinnert sich auch an Situationen, als die Weserbahn bis zu 30 Minuten Verspätung hatte und am Ende ganz ausgefallen sei. Daraufhin habe sie das Auto genommen. Für die „permanenten Verspätungen“ hat sie inzwischen kein Verständnis mehr. „Die Nordwestbahn ist leider keine umweltfreundliche Alternative und verprellt so ihre Kunden“, bedauert sie. Besonders die Pendler tun ihr Leid. Nicht selten sorgen schon kleine Verspätungen für das Verpassen der Anschlusszüge. Wie die Sprecherin der Nordwestbahn, Karin Punghorst, einräumt, ist in solchen Fällen nicht immer ein Ersatzverkehr gegeben. Es werde dann auf die nächstmögliche Verbindung verwiesen – was mitunter eine Stunde Wartezeit bedeuten kann. Für die Verspätungen und Ausfälle nennt Punghorst „vielfältige Gründe“. Sie weist darauf hin, dass die Strecke in weiten Teilen eingleisig sei; dies habe zur Folge, dass die Züge nicht parallel einen Streckenabschnitt nutzen können und an den einzelnen Bahnhöfen aufeinander warten müssen. Wenn also ein Zug in Richtung Bünde verspätet ist, überträgt sich dies auch auf die entgegengesetzte Richtung – und es entsteht eine dominoartige Verspätungswelle. Über das Problem wird im Landkreis Hameln-Pyrmont seit langem diskutiert. Inzwischen erwägt der Bund die Elektrifizierung des Abschnitts Hameln–Elze, auch über eine zumindest teilweise Wiederherstellung der Zweigleisigkeit wird diskutiert. Den Interessen der heimschen Bahnbenutzer stehen Befürchtungen von Anrainern gegenüber, die Lärm durch Güterzüge befürchten.

Der Ausbau der Infrastruktur würde noch lange dauern. Laut Punghorst versucht die NWB stetig, nach ihren Möglichkeiten Verbesserungen zu erreichen. Hinderlich seien aber die personellen Engpässe. „Die ganze Branche steht einem zunehmenden Fachkräftemangel gegenüber. Bundesweit gibt es mehr als 1200 freie Stellen für Triebfahrzeugführer“, erklärt die Vertreterin des privaten Bahnunternehmens. Zudem verweist Punghorst auf Ereignisse wie Sturm und Gewitter oder Bahnübergangsstörungen, die sich ebenfalls auf den Betrieb auswirken. Bei Letzterem habe die Verantwortung der Infrastrukturträger, die DB-Netz AG.

Wie die Verspätungen und Ausfälle des laufenden oder des vorigen Jahres in Zahlen aussehen, dazu will sich die NWB nicht äußern. Solche Zahlen gebe man extern nicht heraus, heißt es. Rainer Peters von der Aufsichtsbehörde in Hannover, der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), kann da mehr sagen: „2018 sind bislang zirka 25000 Zugkilometer ausgefallen, die in der Einflusssphäre der Nordwestbahn liegen.“ Das sei eine Ausfallquote von rund drei Prozent – ,was aus unserer Sicht zu hoch ist“, betont Peters. Diese ungeplanten Ausfälle seien zu 60 Prozent auf Lokführer zum Beispiel durch plötzliche Krankmeldungen und zu 18 Prozent auf Fahrzeugstörungen zurückzuführen. Zum Thema Pünktlichkeit bestätigt Peters: „Da gibt es noch Potenzial für die Nordwestbahn.“

Vergleichende Zahlen zu Verspätungen und Ausfällen der S-Bahn-Linie 5, die zwischen Hannovers Flughafen und Paderborn verkehrt, will die Deutsche Bahn ebenfalls nicht liefern. „Wir bitten um Verständnis, dass zu Zahlen für einzelne Linien keine Angaben gemacht werden können“, sagt Sprecherin Sabine Brunkhorst. Der Konzern verweist darauf, dass ein Großteil der Verspätungen und Ausfälle auf externe Ursachen wie Bauarbeiten oder Technik zurückzuführen sei. Und gebaut wird derzeit und noch mehrere Jahre lang sehr viel bei der Eisenbahn im Raum Hannover. Bevor alles optimal läuft, dürfte es für die Passagiere noch öfter hart werden.



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