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Mann soll Angehörige attackiert haben – Familie bestreitet das / SEK-Einsatz

Polizist erschießt 29-jährigen Holzmindener

Holzminden. Ein 29 Jahre alter Mann aus Holzminden ist am Donnerstagabend gegen 23 Uhr während eines Polizeieinsatzes erschossen worden. Was sich – wenige Sekunden vor den tödlichen Schüssen in der Wohnung abgespielt hat, sei derzeit Gegenstand der Untersuchungen, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim habe unverzüglich ein Verfahren eingeleitet und die Führung der Ermittlungen übernommen. Laut Seemann war die Polizei in Holzminden bereits am Nachmittag von Angehörigen des später Getöteten darüber informiert worden, dass der Mann Familienmitglieder bedroht habe und Dritten gegenüber aggressiv auftrete. Er sei psychisch erkrankt, habe die Einnahme seiner Medikamente verweigert und mehrfach Angehörige mit Messern und einem Hammer angegriffen.

veröffentlicht am 21.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 14:14 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Stundenlang habe die Polizei versucht, den Mann, der sich zu diesem Zeitpunkt allein in der Wohnung aufhielt, zu beruhigen und seiner habhaft zu werden. „Der Polizei ist es nicht gelungen, ihn dazu bewegen, sich in medizinische Betreuung oder in Polizeigewahrsam zu begeben und Messer und Hammer herauszugeben“, berichtet der Oberstaatsanwalt.

Psychologisch geschulte Verhandlungsspezialisten wurden eingesetzt – doch auch ein Kriseninterventionsteam habe es nicht geschafft, den Holzmindener zur Aufgabe zu bewegen. Bei der „unmittelbaren Ansprache durch Polizeibeamte vor Ort“ soll der Mann sein Messer erneut gezogen haben. „Zur Verhinderung weiterer Fremd- und Selbstgefährdungen“ sei aus Gründen der Gefahrenabwehr ein Spezial-Einsatz-Kommando (SEK) hinzugezogen worden. Die Elite-Polizisten sind auf schwierige und gefährliche Festnahmen spezialisiert. Ziel sei die Ingewahrsamnahme des Mannes gewesen, betont Seemann. Polizisten brachen die Wohnungstür auf und setzten zunächst ein Elektroimpulsgerät ein, um den 29-Jährigen kampfunfähig zu machen. Ein drei- bis viermaliger Einsatz dieses Tasers, eine Elektroschockpistole, sei ohne Wirkung geblieben, weil der Mann eine dicke Winterjacke getragen habe, erklärt Seemann. Danach habe die Polizei einen Diensthund eingesetzt. Das Tier sei von dem Mann jedoch mit Messerstichen und „mutmaßlich auch mit Hammerschlägen“ schwer verletzt worden. Im weiteren, noch nicht geklärten Ablauf seien zwei tödliche Schüsse auf den Bewohner abgegeben worden, teilte Seemann mit. Der ums Leben gekommene Holzmindener war früher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten.

Die Familie des Opfers hat die Rechtsanwälte Attila Yurttas und Christian Kauffmann eingeschaltet. Sie widerspricht der Darstellung der Staatsanwaltschaft in zwei Punkten. Die Mutter habe nicht die Polizei, sondern einen Notarzt angerufen. Und die Familie sei auch nicht von dem 29-Jährigen bedroht worden. „Mutter und Schwester haben die Polizei lediglich darauf aufmerksam gemacht, dass der Junge solche Gegenstände hat“, behauptet A. Ates, dessen Bruder mit der Schwester des Opfers verheiratet ist. „Wir können uns nicht erklären, warum er erschossen wurde.“

In diesem Mehrfamilienhaus in Holzminden fielen die tödlichen Schüsse bei einem SEK-Einsatz (links ein Bild von einer früheren Polizeiaktion).nig/ube



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