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Atomtransporter erreichen Grohnde / Weitere Brennstäbe sollen im November geliefert werden

Polizei-Eskorte ist mehr als 1000 Meter lang

Grohnde. Die Fahrt von Nordenham nach Grohnde hat fünfeinhalb Stunden gedauert: Am frühen Montagmorgen um 0.45 Uhr rollen die beiden mit je vier plutoniumhaltigen Mischoxid-Brennstäben beladenen Speziallastzüge durch Tor 1 des Kernkraftwerks. Die Eskorte der Atomtransporter ist über 1000 Meter lang. Sie besteht aus mehr als 25 Polizeimotorrädern und zirka 50 Mannschafts- und Streifenwagen. Fast alle Fahrzeuge fahren mit Blaulicht. Die Polizei setzt auf maximale Sicherheit: Sie lässt den Atomtransport auch aus der Luft schützen. Am nachtschwarzen Himmel knattert Polizeihubschrauber „Phönix“. Rote Blitzlichter verraten seine Position. Nach Angaben der Polizeidirektion Oldenburg sind von Samstagmorgen bis Montagfrüh niedersachsenweit rund 1300 Polizisten im Castor-Einsatz gewesen.

veröffentlicht am 25.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.01.2019 um 09:03 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die von Demonstranten blockierte alte B 83 benutzt der Konvoi nicht. Die Atomkraftgegner sind überrascht. Bis zuletzt haben die Frauen und Männer – teilweise angekettet an ein Kinderkrankenbett und angeleint an einem Dreibein aus dünnen Baumstämmen – im Regen ausgeharrt.

Doch Kriminaldirektor Ralf Leopold, Leiter des Einsatzabschnitts Grohnde, will jeder Konfrontation aus dem Weg gehen. Es gibt eine Ausweichroute – und er will sie nutzen. Deshalb rollt der Atomtransport über einen asphaltierten Wirtschaftsweg zum Kraftwerk Grohnde. „Auf diese Weise wurde die Versammlungsfreiheit nicht angetastet und das Ziel trotzdem erreicht, meint der Sprecher der Inspektion, Jörn Schedlitzki.

Der Atomphysiker und Greenpeace-Experte Heinz Smital erklärt, warum er den Einsatz der plutoniumhaltigen Brennstäbe für hochgefährlich hält. „Nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation“, sagt er, „kann man aus Mox innerhalb von ein bis drei Wochen Atombombensprengköpfe bauen.“

Eine Sprecherin von e.on Kernkraft schüttelt mit dem Kopf. Im Gespräch mit der Dewezet sagt sie: „Das ist doch an den Haaren herbeigezogen. Unseren Fachleuten ist jedenfalls kein technisches Verfahren bekannt, dass es möglich machen würde, aus Mischoxid-Brennstäben waffenfähiges Plutonium zu gewinnen.“

Die abgebrannten Brennstäbe waren laut e.on im britischen Sellafield aufbereitet und dort mit Plutonium angereichert worden. Sie befinden sich zurzeit in einem Nasslager und sollen im Frühjahr 2013 während der Revision eingesetzt werden. Bürgerinitiativen fordern, Plutonium durch Verglasung militärisch unbrauchbar und lagerfähig zu machen.

Für November ist ein weiterer Mox-Transport geplant. Sehr zum Ärger der Atomkraftgegner. Tobias Darge, Sprecher der Regionalkonferenz „Grohnde abschalten“, hat bereits gestern angekündigt: „Beim zweiten Transport wird mit mehr Widerstand zu rechnen sein.“

Und Bernd Schlinkmann vom Anti-Atom-Plenum Weserbergland meint: „E.on verdient, die Risiken und Kosten tragen wir.“ Was der Polizeieinsatz den Steuerzahler kosten wird, kann das Innenministerium noch nicht sagen.

Die Polizei hat den Mox-Transport mit mehr als 25 Motorrädern, zirka 50 Mannschafts- und Streifenwagen und einem Hubschrauber geschützt.



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