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Kriminalstatistik 2015: "Hohes Sicherheitsniveau" in Hameln-Pyrmont und Holzminden

Polizei sagt Einbrechern den Kampf an

Hameln/Holzminden. Am Freitag wurden die Zahlen der "Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)" für 2015 vorgestellt. Demnach ist das Sicherheitsniveau in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden bei leicht gesunkenen Fallzahlen und einer hohen Aufklärungsquote nach wie vor hoch. Die Kriminalität verschiebe sich aber mmer mehr in den virtuellen Raum, es werde zunehmend auf das Internet als Tatmittel zurückgegriffen. Wer allerdings Opfer eines Einbruchs wird, leidet oft unter schlimmen psychischen Folgen.

veröffentlicht am 19.02.2016 um 17:09 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:36 Uhr

Spurensuche am Tatort: Ein Ermittler sichert einen Schuh-Abdruck.
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Hameln/Holzminden. Es ist die Angst, die krank gemacht hat. Viktoria D. (Name geändert) will nur noch weg aus ihrem Haus. Verkaufen und fortziehen an einen anderen Ort. „Vielleicht aufs Land“, sagt die Hamelnerin (43). Im vergangenen Herbst haben Einbrecher bei ihr alle Zimmer durchsucht und den Inhalt von Schubladen auf dem Boden verstreut. „Sogar in meiner Unterwäsche haben sie gewühlt“, erzählt die Angestellte. Seitdem horcht die Frau bei beim kleinsten Geräusch auf. Nachts kann sie nicht mehr ruhig schlafen, sie hat häufig Kopfschmerzen, schiebt das auf die Tat, die sie aus ihrem „bislang unbeschwerten Leben gerissen“ hat. Viktoria D. ist kein Einzelfall. Experten wissen: Wenn bei Menschen eingebrochen wird, sind die psychischen Folgen manchmal schlimmer als die materiellen. Für die Betroffenen sei ein Einbruch eine hohe Belastung, hat Innenminister Boris Pistorius Anfang der Woche bei der Vorstellung der Landes-Kriminalstatistik gesagt. Er konnte keine guten Nachrichten verkünden: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist in Niedersachsen auf den höchsten Stand seit zehn Jahren gestiegen.

In den Landkreises Hameln-Pyrmont und Holzminden ist die Welt dagegen noch in Ordnung, könnte man meinen. Anders als im Flächenland ist die Anzahl der abgeschlossenen Fälle inspektionsweit von 359 im Jahr 2014 auf 321 im Jahr 2015 zurückgegangen (minus 38 Taten/minus 10,58 Prozent). Insgesamt gesehen gab es im Weserbergland etwas weniger Kriminalfälle (minus 141 Delikte), dafür aber eine gewohnt hohe Aufklärungsquote von 68,68 Prozent. Dennoch ist die Leitung der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden nach wie vor besorgt. Im Deliktfeld „Wohnungseinbruch“ seien die Fallzahlen auf einem hohen Niveau und die Aufklärungsquote mit 22,43 Prozent vergleichsweise niedrig, sagt Polizeioberrat Jens Kozik. Immerhin konnte die Quote um 2,65 Prozent verbessert werden. Der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes könnte sich zurücklehnen und auf die steigenden Fallzahlen in der Polizeidirektion Göttingen (plus 218 Taten/plus11,24 Prozent), zu der die Inspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden gehört, und auf Landesebene (plus 1921 Taten/plus 13,11 Prozent) verweisen. Er tut es aber nicht. Stattdessen hat die Inspektion eine Ermittlungsgruppe eingesetzt, die sich ausschließlich mit der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen beschäftigt. Zum Ende eines jeden Monats wird zudem ein aktuelles Lagebild erstellt. Wo liegen die Tatorte? In welchem Zeitraum wurde eingebrochen? „Das sind wertvolle Erkenntnisse, die in die Bereiche Einsatz und Ermittlung einfließen“, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion, Kriminaldirektor Ralf Leopold. Den Chefs ist sehr daran gelegen, dass der Einsatz- und Streifendienst eng mit den Kriminal-Ermittlungsdiensten und dem Zentralen Kriminaldienst zusammenarbeitet. Leopold spricht von einem „Räderwerk“ und meint die Verzahnung der unterschiedlichen Einheiten miteinander. Auch in diesem Jahr will die heimische Polizei im Kampf gegen Einbrecher Schwerpunkt- und Sonderaktionen durchführen. Polizeioberrat Kozik kündigt Verkehrskontrollen und Sonderstreifen an. Doch auch die ersten Wochen des Jahres 2016 sind aus Sicht der Polizei, was die Anzahl der gemeldeten Wohnungseinbrüche angeht, „nicht zufriedenstellend“ verlaufen. Wurden im Januar vergangenen Jahres 24 Taten zur Anzeige gebracht, so waren es im Januar 2016 trotz umfangreicher Kontrollmaßnahmen schon 34 Taten.

Der Polizei ist bekannt, dass sehr viele Menschen, deren Wohnungen geplündert wurden, Ängste ausstehen, dass sie sich nicht mehr länger wohlfühlen in ihren vier Wänden. Kriminaldirektor Leopold zitiert aus einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Ein Viertel der Betroffenen will nach einem Einbruch wegziehen. Zehn Prozent haben es bereits getan.

Allein im Landkreis Hameln-Pyrmont wurden im vergangenen Jahr 242 Wohnungseinbrüche bearbeitet. Das waren 36 weniger als im Vorjahr. Der starke Rückgang der Fallzahlen in Hameln resultiere allerdings daraus, dass im Jahr 2014 im Stadtgebiet eine umfangreiche Serie verübt wurde. Eine solche habe es im Jahr 2015 nicht gegeben, erklärt Kozik.

Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik, die Leopold und Kozik am Freitag vorgestellt haben, zeigt, dass das Sicherheitsniveau in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden bei leicht gesunkenen Fallzahlen und einer hohen Aufklärungsquote nach wie vor hoch ist. Im Jahr 2015 wurden in der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden 13203 Straftaten bearbeitet und an die Staatsanwalt abgegeben. Das sind 141 Delikte weniger als im Vorjahr (13344 Taten). Das entspricht einem Rückgang um 1,06 Prozent. Die Zahlen auf Landesebene sind im Vergleich 2014/2015 um 15740 Delikte (plus 2,85 Prozent) auf 568470 Straftaten in die Höhe geschnellt. Einen moderaten Anstieg um 144 Taten (plus 0,18 Prozent auf 79927 Delikte hat es in der Polizeidirektion Göttingen gegeben. Im Jahr 2015 konnten 9068 der 13203 Straftaten aufgeklärt werden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 68,68 Prozent. Landesweit lag die Quote bei 61,17 Prozent. In Hameln-Pyrmont und Holzminden sei die Welt noch in Ordnung, meinen Ermittler. Es gab weniger schwere Diebstähle (1615 Delikte). Im Vergleich zum Vorjahr wurde ein Rückgang um 212 Straftaten (minus 11,60 Prozent) verzeichnet. „Auch im Bereich des Diebstahls setzt sich sowohl hinsichtlich der Fallzahlen als auch hinsichtlich der Aufklärungsquoten ein positiver Trend fort.

Beim einfachen Diebstahl wurden mit 2526 Delikten  die geringsten Fallzahlen der vergangenen zehn Jahre verzeichnet“, sagt Oberrat Kozik. Diese Entwicklung gehe allerdings mit einer Verschiebung der Kriminalität in den virtuellen Raum einher. Kurz: Immer mehr Straftaten werden im Internet begangen. Im Jahr 2006 waren es 463 Fälle, im vergangenen Jahr schon 996. „Dieser Bereich fordert uns schon sehr“, sagt der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Die Möglichkeiten, die das Internet biete, um auf kriminellem Wege Gewinne zu generieren, seien umfangreich und ermöglichten es den Tätern, von zu Hause aus – aus einer vermeintlichen Anonymität heraus – zu agieren. Die Aufklärungsquote von 83,67 Prozent belege allerdings,

dass gute Chancen bestehen, entsprechende Delikte aufzuklären. Um die Ermittlungsarbeit im Bereich der Cyberkriminalität weiter zu optimieren, habe die Polizeiinspektion viel Zeit in die Aus- und Fortbildung des Personals investiert. Alle Polizisten seien in Grund- oder Intensivkursen mit den besonderen Erscheinungsformen im Internet und den speziellen Ermittlungsmethoden vertraut gemacht worden. Die Anzahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte hat mit 2940 Taten den zweithöchsten Stand der vergangenen 10 Jahre erreicht. Es bestätigt sich damit eine gewisse Verschiebung der Kriminalität weg von den Diebstahlsdelikten hin zu den Vermögens- und Fälschungsdelikten.

Etwas besorgt ist die Polizei, wenn sie auf die Anzahl der Rohheitsdelikte schaut: 2049 Fälle wurden bearbeitet. Da sind 47 Taten mehr (plus 2,35 Prozent) als im Vorjahr, wobei sich die Fallzahlen auf dem zweitniedrigsten Stand seit 2008 befinden.

Differenziert ausgewiesen wird in der Statistik die Anzahl der deutschen im Vergleich zur Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen. „Zu berücksichtigen ist hierbei, dass der Begriff der nichtdeutschen Tatverdächtigen weit über die Bevölkerungsgruppen hinausgeht, die derzeit unter dem Begriff des „Flüchtlings“ subsummiert werden. Erfasst werden beispielsweise auch nichtdeutsche Tatverdächtige, die sich bereits seit zehn Jahren oder länger in Deutschland aufhalten. Auch deutsche Tatverdächtige können einen Migrationshintergrund. Dieser wird statistisch aber nicht erfasst.

Im vergangenen Jahr wurden 1291 Ausländer ermittelt. Das entspricht einem Anteil von 20,06 Prozent an der Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen. Der Anteil der durch Flüchtlinge begangenen Straftaten an der Gesamtzahl der Straftaten lässt sich noch nicht quantifizieren. Dies liegt unter anderem daran, dass ein Teil der Straftaten – in diesem Jahr

31,32 Prozent aller Delikte – als „ungeklärt“ in die Statistik einfließen. Zudem werden Straftaten, die  Flüchtlingen zur Last gelegt werden erst seit dem 5. November2015 erfasst. Aussagen für das Jahr 2015 sind damit in Gänze nicht möglich. Inspektionsweit wurden in den vergangenen drei Monaten104 Straftaten erfasst. 32 Rohheitsdelikte, 43 Diebstähle und 29  sonstige Delikte sind darunter. „Diese Zahlen sind angesichts der Anzahl der Flüchtlinge, die mittlerweile in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden leben als gering einzustufen“, sagt Kozik.



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