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Erweiterung des hannoverschen Großraumtarifs stockt / Für Familien wäre das Modell ungünstig

Platzt das billigere Bahnticket?

Hameln-Pyrmont. Seit Jahren und Jahrzehnten ärgern sich viele Bewohner des Weserberglandes über den vergleichsweise hohen Preis für das Bahnticket nach Hannover. Und der Unmut könnte nun entgegen anderen Ankündigungen aus Politik und Verwaltungen möglicherweise doch noch länger anhalten. Denn die Erweiterung des Großraumverkehrs Hannover (GVH) unter anderem auf die Landkreise Hameln-Pyrmont und Schaumburg lässt wegen Umsetzungsproblemen auf sich warten. Gleichzeitig nimmt das Landesmodell, den „Niedersachsentarif“ für Bahnfahrer attraktiver zu gestalten zwar Fahrt auf, es wird aber nach Angaben der Organisatoren nicht mit einer Verbilligung der S-Bahn-Fahrt einhergehen, vielleicht sogar mit einer Verteuerung.

veröffentlicht am 14.02.2016 um 13:56 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Tarifdschungel

wird wohl nicht gelichtet

Bei dem Niedersachsentarif ist vorgesehen, den Eisenbahn-Fahrschein landesweit am Start- und Zielort auch im Bus sowie der Straßen- oder Stadtbahn gelten zu lassen. Diese „integrierte Anschlussmobilität“ hat sich im Fernverkehr der Deutschen Bahn schon seit längerem bewährt, nun soll sie auf den Nahverkehr übertragen werden. Doch für die Menschen im Weserbergland ist es nicht das, was sie sich erhoffen. Sie sind im Tarifdschungel der Bahn verheddert, erwarten eigentlich einen Befreiungsschlag. Ziel ist es, auch an Hannovers Peripherie attraktiv für Gelegenheitsreisende zu sein – in beiden Richtungen. Besonders Hameln und Bad Pyrmont hoffen auf mehr Gäste aus dem Raum Hannover.

Vor knapp einem Jahr schien von den Verantwortlichen in der Landeshauptstadt und mehreren angrenzenden Landkreisen, darunter Hameln-Pyrmont und Schaumburg, endlich eine Lösung für das Tarifchaos auf die Schienen gesetzt worden zu sein. Hameln-Pyrmonts Kämmerer Carsten Vetter stellte für 2016 eine „Anschubfinanzierung“ von einer halben Million Euro in den Haushalt ein. Zuletzt hieß es, der Start sei auf April verschoben worden. Nun antwortet die Pressestelle des Kreishauses auf die Frage, warum es beim erweiterten GVH-Tarif hakt:„Hier wären höchstens Vermutungen anzustellen – konkrete Hinderungsgründe sind hingegen hier nicht bekannt.“ Die betroffenen Landkreise haben sich nun an Hannovers Regionsverwaltung gewandt, die bei dem Tarifprojekt die Federführung hat. Ulf Mattern, der dort zuständige Fachmann und zugleich Geschäftsführer des GVH, bestätigt gegenüber der Dewezet die erneute Verspätung der Tariferweiterung, sie sei aber nicht gestorben. Wegen der „Vielzahl der noch zu erledigenden Vorarbeiten kann jedoch nur das Ziel formuliert werden, eine Umsetzung im Jahr 2016 zu erreichen“. Mattern betont: „Die Region Hannover und alle anderen Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an der gewünschten Umsetzung der Attraktivitätssteigerung für den Öffentlichen Personennahverkehr.“ Derzeit werden die Anpassung der Verträge, die Anzahl der beteiligten Bahnhöfe und die technische Umsetzung abgestimmt. Die Region Hannover habe eine renommierte Kanzlei beauftragt, die aufwendigen Änderungen insbesondere mit den Eisenbahnunternehmen zu erarbeiten. Ebenso müssten Finanzierungsvereinbarungen zwischen den Landkreisen, den Verkehrsbehörden und -unternehmen geschlossen werden. Und dann sei es rechtzeitig vorzubereiten, dass die Automaten zum Umstellungszeitpunkt die neuen Tickets auswerfen.

Die Landkreise

schauen derzeit hilflos zu

Hinsichtlich des modifizierten Tarifs der Niedersachsentarif GmbH (Nitag) ist Hameln-Pyrmonts Kreisverwaltung aber auch nicht vorangekommen. Offiziell heißt es: „Die Nitag hat mitgeteilt, die integrierte Nutzung der örtlichen Tarifzonen in ganz Niedersachsen prüfen lassen zu wollen – mit dem Ziel, den entsprechenden Verkehrsunternehmen dann Angebote unterbreiten zu können. Dies bleibt noch abzuwarten.“

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Das Gutachten der Nitag sei Ende 2015 vorgelegt worden, sagt in Hannover deren Experte Thilo Knoblich. Für die Öffentlichkeit sei es aber nicht bestimmt. In Hameln-Pyrmont hat man von dem Gutachten „bislang nichts gehört.“ Laut Knoblich werden momentan Gespräche zur Gegenfinanzierung des Einnahmeausfalls der örtlichen Verkehrsbetriebe geführt. Dabei gehe es landesweit „um nur fünf Millionen Euro“.

Knoblich kann es sich vorstellen, dass am Ende sowohl der verbesserte Niedersachsentarif wie auch das erweiterte GVH-Ticket zum Zuge kommen. Es gibt allerdings auch beim Nitag-Modell keinen festen Zeitplan. „Wir wollen erst alles auf solide Füße stellen. Aber die Grundstimmung ist positiv“, unterstreicht Knoblich. In Hameln-Pyrmont stellen die Verantwortlichen hilflos fest: „Der Ball liegt zurzeit in Hannover bei den Herren des Verfahrens von GVH und Nitag.“



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