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Ausstieg, aber kein Ende? Grohnder Generator könnte künftig Spannungsschwankungen ausgleichen

Plan B fürs AKW

Emmerthal. 2022 soll Schluss sein mit Atomenergie made in Germany. Spätestens bis dahin sollen alle deutschen Atommeiler schrittweise vom Netz gehen – das Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde in der Gemeinde Emmerthal als eines der Letzten der noch verbliebenen Neun. 2021, so will es das Gesetz, wird Grohnde abgeschaltet. Spätestens im Dezember 2021, müsste es eigentlich heißen – denn verschiedene Faktoren lassen stark daran zweifeln, ob das Kraftwerk an der Weser die nächsten sieben Jahre Strom ins Netz einspeisen wird. Nicht nur, dass für den Kernreaktor Grohnde das ihm zustehende Stromkontingent am 28. Juli 2018 aufgebraucht sein wird; hier bestände noch die Möglichkeit, Kontingente anderer Kraftwerke auf Grohnde zu übertragen. Verbindlich an die Bundesnetzagentur verkauft hat das Atomkraftwerk Strom bislang allerdings nur bis Ende 2015. „Ab Januar 2016 ist noch nichts unterschrieben“, berichtet Rudolf Welzhofer, Fraktionsvorsitzender der CDU im Emmerthaler Gemeinderat, von Gesprächen zwischen ihm und der Kraftwerksleitung am 21. März.

veröffentlicht am 01.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:58 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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„e.on wird das Kraftwerk Grohnde nur weiterbetreiben, wenn sich dies aus wirtschaftlicher Sicht rentabel gestaltet“, sagt Welzhofer weiter. Erst in der letzten Woche hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass der Energiekonzern offenbar die vorzeitige Abschaltung des unterfränkischen Atomkraftwerks Grafenrheinfeld erwäge – wegen der hohen Kosten, die der Austausch der Brennstäbe und die Brennelementesteuer verursachen. „Dass so ein Szenario auch für Grohnde denkbar ist, ist ein offenes Geheimnis“, sagt Welzhofer – dass e.on sein Augenmerk bereits seit längerem auf die Wirtschaftlichkeit seiner Meiler legt, ist kein Geheimnis. Durch die steigende Produktion von Ökostrom, der im Stromnetz Vorrang hat und dessen Produzenten eine feste Vergütung für ihre Energie erhalten, sinkt der Strompreis an der Börse und decke kaum mehr die laufenden Kosten der vier e.on-Kraftwerke Grohnde, Grafenrheinfeld, Isar in Bayern und Brokdorf in Schleswig-Holstein. „Wir prüfen laufend, ob sich der Betrieb unserer Kraftwerke, auch der Kernkraftwerke, noch lohnt“, sagte e.on-Vorstand Mike Winkel im August.

Für die Gemeinde Emmerthal ist das Kernkraftwerk Grohnde von großer wirtschaftlicher Bedeutung, es geht um Arbeitsplätze, aber auch um Kaufkraft im Kernort. 310 Mitarbeiter seien derzeit beim AKW Grohnde beschäftigt, berichtet Welzhofer; nach der Stilllegung des Reaktors fielen viele dieser Stellen weg. „Im Falle eines Rückbaus blieben etwa 185 Stellen für 15 Jahre erhalten, bei einem sicheren Einschluss etwa 100 Stellen“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Neben diesen beiden Stilllegungs-Optionen werde nun allerdings noch eine dritte diskutiert, die 50 weitere Arbeitsplätze sichern könnte: Nach dem Abstellen der Reaktoranlage könnte der Stromgenerator zu einem sogenannten Phasenschieber umgerüstet werden. Durch das Abschalten von acht Atommeilern im August 2011 und die vermehrte Einspeisung erneuerbarer Energien in das Stromnetz ist dieses für Schwankungen anfälliger als früher, besonders im Herbst und Winter. Der Einsatz eines Phasenschiebers, quasi ein im Leerlauf betriebener Generator ohne Turbine, hilft, die Spannung konstant zu halten – eine intelligente Nachnutzung bestehender, nichtnuklearer Infrastruktur also.

Die Umrüstung, wie sie nun für Grohnde im Gespräch ist, ist wissenschaftlich fundiert: Prof. Dr. Stefan Kulig und Dr. Christian Kreischer vom Lehrstuhl für Elektrische Antriebe und Mechatronik an der Technischen Universität Dortmund haben sich bereits in einem Vortrag mit dem Grohnder Generator als Phasenschieber auseinandergesetzt. Als Vorbild hierfür könnte das hessische Atomkraftwerk Biblis dienen: Seit Sommer 2011 vom Netz, ging hier im Februar 2012 der erste Generator weltweit an den Start, der in einem Kraftwerk für die Spannungskonstanthaltung umgebaut wurde. Die Umrüstung des dortigen Generators dauerte inklusive Planung ein gutes halbes Jahr. Ursprünglich war ein Einsatz bis Ende 2013 angedacht; vor kurzem wurde der Vertrag bis Ende 2018 verlängert.

Über das Stadium erster Gespräche ist der Spannungshalter im AKW Grohnde nicht hinaus, bestätigt e.on-Kernkraft-Sprecherin Dr. Petra Uhlmann.

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