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Band lässt gegen Rintelner klagen

Pink Floyd als Zeugen?

RINTELN. Ein Musiksammler kauft eine DVD mit Liveaufnahmen von Pink Floyd. Da sie ihm nicht gefällt, will er sie im Internet weiterverkaufen. Da bekommt er Post von einem Anwalt …

veröffentlicht am 06.08.2017 um 21:10 Uhr
aktualisiert am 07.08.2017 um 09:30 Uhr

Pink Floyd bei ihrer letzten Reunion im Rahmen von „Live 8“ 2005 in London. Von links: David Gilmour, Roger Waters, Nick Mason und der 2008 verstorbene Richard Wright. Foto: dpa
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Hans Weimann Reporter
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„The Wall“, „Dark Side of the Moon“ – Pink Floyd kennt jeder, der im 20. und 21. Jahrhundert geistig anwesend war. Die Band ist längst Musikgeschichte. Ihre Platten, CDs und DVDs sind deshalb nach wie vor gefragt. Da entdeckt ein Rintelner Sammler eine DVD der Band mit dem Titel „Pink Floyd – Live Anthology“ auf einem Grabbeltisch bei „Kaufland“ in Offenburg und kauft sie. Ihn reizt, dass die Band hier in zwölf Liveaufnahmen auf der Tracklist noch komplett in ihrer Ursprungsbesetzung zu sehen und zu hören ist, also auch noch mit Feuerkopf „Syd“ Barrett.

Dann stellte der Rintelner fest: Die Qualität ist so super nicht, die Songs hat er teilweise schon. Er will die DVD bei E-Bay weiterverkaufen. Doch die Auktion wird gestoppt und der Rintelner erhält das Schreiben eines Hamburger Anwalts: Er solle eine Unterlassungserklärung unterzeichnen und 651 Euro zahlen – er vertreibe illegale Aufnahmen. Der Streitwert betrage sagenhafte 10 000 Euro.

Der Rintelner zahlt nicht, sondern holt sich rechtlichen Beistand bei dem Rintelner Rechtsanwalt Thomas Grell. Den beschäftigt dieser Fall inzwischen seit zwei Jahren, und Grell hat sich tief in die komplizierte Materie des Urheberrechts hineingearbeitet. Der bizarre Fall füllt mittlerweile viele Aktenordner. Rechtsanwaltliche Schreiben wechselten hin und her, und Grell erlebte manche Überraschung. So beispielsweise die, dass anscheinend niemand mehr genau weiß, wer eigentlich die Rechte an der umstrittenen DVD und den darauf veröffentlichten Songs hat. Wer welche Verträge unterschrieben hat – oder auch nicht. Die gemeinsame Auswertungsgesellschaft Pink Floyd Music Ltd. in London, die EMI Records Ltd. oder vielleicht doch die Musiker selbst? Es ist das blanke Chaos.

Dann ist da noch die Frage: Was ist eigentlich mit den Ansprüchen der Erben der inzwischen verstorbenen Bandmitglieder Keith Barrett (2006) und Richard Wright (2008)?

Und noch ein Problem recherchierte Grell: Zwischen den Mitgliedern der Band gibt es wohl keine schriftliche Vereinbarung darüber, was mit den Urheberrechten geschehen soll. Zumindest keine Vereinbarung, die alle gemeinsam unterschrieben hätten. Stattdessen gab es Streit. So hat Waters Mitte der 80er Jahre die Bandmitglieder Gilmour und Mason vor einem britischen Gericht verklagt, sie dürften keine Musik unter dem Namen Pink Floyd mehr veröffentlichen. Roger Waters wiederum hat jetzt wohl mit der Bertelsmann-Musiktochter BMG einen Deal über die Rechte an all seinen Songs geschlossen.

Was Grell als ironischen Schlenker sieht: Alle auf der DVD gezeigten Auftritte kann man sich inzwischen problemlos auf Youtube ansehen und – mit dem nötigen technischen Verständnis – herunterladen. Und dann ist da noch die Frage: Warum hat das Hamburger Rechtsanwaltbüro den Rintelner verklagt und sich nicht gleich an den Herausgeber der umstrittenen DVD gewandt, den Falcon Neue Medien Vertrieb in Wittenberg?

Im Juli fand eine Verhandlung vor dem Amtsgericht in Hannover statt. Und da stand man vor der nächsten juristischen Hürde: Fast alle Verträge sind in Englisch abgefasst. Gerichtssprache ist aber Deutsch. Es wäre also erforderlich, alle Dokumente neu von einem vereidigten Dolmetscher übersetzen zu lassen.

Und noch eine Pointe: Die Richterin überlegte nämlich, ob man nicht einfach zur Klärung der hier offenen Punkte die noch lebenden Mitglieder der Band als Zeugen vor Gericht nach Hannover laden sollte. Eine ladungsfähige Anschrift von Waters, Mason und Gilmour läge ja vor. Schade, es wird wohl nicht passieren. Das wäre doch ein schönes Medien-Spektakel geworden. Das Gericht bot einen Vergleich an. Doch Grell denkt mit seinem Mandanten darüber nach, die Sache durchzufechten.

Bleibt als vorläufiger Fazit für Grell: Sein Mandant hatte die DVD nicht in irgendeinem obskuren Kellerladen gekauft, sondern bei „Kaufland“, einem seriösen Unternehmen. Also durfte er annehmen, dass die DVD lizenziert, also nicht illegal ist. Die Frage bleibt: Wer müsste in einem solchen Fall zahlen? Die Hersteller der DVD, derjenige, der sie vertreibt oder der Laden, der sie verkauft?

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