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Heimische Tierhalter empört über Pläne / Manch einer denkt sogar an den Schlachter

Pferdesteuer hebt Reiter aus dem Sattel

Weserbergland (sas). Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde – so heißt es in dem bekannten volkstümlichen Sprichwort. Doch was, wenn dieses Glück plötzlich richtig teuer wird?

veröffentlicht am 15.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Um das Haushaltsdefizit zu senken, denken Städte und Kommunen in Niedersachsen über neue Einkommensquellen nach. Wie in den Bundesländern Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen ist nun eine Pferdesteuer in der Diskussion, die Mehreinnahmen von bis zu 142 Millionen Euro verspricht.

Von dieser Idee ist der Gründer des Trakehner Gestüts Hämelschenburg, Otto Langels, ganz und gar nicht begeistert. Mehr als 50 Pferde leben auf seinem Gestüt; bei dem bisher diskutierten Betrag von 750 Euro würden mehr als 37 000 Euro fällig werden – ein Schlag ins Gesicht. „Es ist furchtbar“, erklärt er, „man tut der Pferdehaltung keinen Gefallen. Wir als Privatleute bekommen keine Fördergelder wie die großen Gestüte des Landes. Falls es zur Einführung der kommunalen Steuer kommt, wird unser Gestüt höchst unwirtschaftlich.“

Wie eine Steuer sich auf Zuchtbetriebe auswirken würde, ist noch nicht ganz klar. Sicher ist jedoch, dass die Situation von Otto Langels kein Einzelfall sein wird. „Ein Pferd zu haben, ist etwas Besonderes“, beschreibt er weiter, „es bedeutet nicht nur eine Verpflichtung oder Freizeitbeschäftigung. Reiten wird auch als Therapie bei Kindern angewandt und wirkt sich positiv auf die Psyche aus.“ Auch müsse man sich immer noch vor Augen führen, dass ein Pferd immer noch ein „Sportgerät“ sei.

Nach Meinung des niedersächsischen Geschäftsführers des Städtetages, Christian Geiger, würden die geplanten 750 Euro mehr im Jahr nicht ins Gewicht fallen, da die Unterhaltung eines Pferdes an sich schon einige Tausend Euro kosten würde und Pferdehalter es sich somit sicher zusätzlich leisten könnten.

„Das stimmt so gar nicht. Viele unserer Reiter sparen sich ihr Hobby vom Munde ab und verzichten sogar auf ihren Urlaub, um ihr Pferd halten zu können“, sagt Sonja Hellwig von der Reitanlage Hellwig und Matthes in Pegestorf. Viele Besitzer müssten bei einer Erhebung der Steuer ihr Hobby aufgeben, sodass auch die Zukunft der Reitanlage mit momentan 20 Pferden in Gefahr sei. „Unsere Geschäftsführerin hat einen Platz im Gemeinderat, die würde da schon etwas gegen tun. Ansonsten würden wir mit unserer Stallgemeinschaft auf die Straße gehen und dagegen protestieren“, kündigt sie weiter an.

Pferdebesitzerin Anette Eickert aus Bodenwerder ist ebenfalls empört über die „Luxussteuer“. Zwei ihrer vier Pferde sind zu alt, um beritten zu werden und genießen auf der Weide ihren Lebensabend. Ab und zu setzt sie Kinder aus dem Bekanntenkreis oder der Nachbarschaft auf den Rücken dieser Tiere, aber für jährlich 1500 Euro zusätzlich würde es keine Perspektive mehr geben. „Meine Kinder reiten nur noch selten, und für die alten Pferde habe ich mich bisher einfach verantwortlich gefühlt. Die neue Steuer wäre ein Zeichen für mich, die Tiere abzuschaffen. Da kommt dann nur noch der Schlachter infrage“, bedauert sie. Rechtsanwälte kündigten indessen an, dass die Hunde- und Pferdesteuer nicht zu vergleichen seien, da das Reiten als Sport laut niedersächsischer Verfassung „gemeindlich gefördert“ werden sollte.

Das letzte Wort in der Debatte haben die Gemeinden. Die Stadt Hameln hat sich bisher noch nicht eingehend damit beschäftigt.

Sonja Hellwig von der Reitanlage Hellwig und Matthes in Pegestorf besitzt acht Pferde, hier mit „Herci“.



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