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Anschluss an den Großraumtarif Hannover erweist sich als schwieriges Rechenexempel

Oh, diese Durchtarifierungskosten …

Die Nahverkehrsexperten in Hannover haben die Lösung noch immer nicht gefunden – die Bahnkunden in den Nachbarlandkreisen müssen weiter warten: Das Tarifgebiet des Großraum-Verkehrs Hannover (GVH) wird wohl frühestens 2015 erweitert, mindestens ein Jahr später als ursprünglich angepeilt. Das bestätigte der Präsident der Region Hannover, Hauke Jagau (SPD), gestern in Hameln während eines Fachgesprächs der SPD-Kreistagsfraktion. Vor einem halben Jahr hatte GVH-Chef Ulf Mattern noch auf einen Durchbruch bei den Finanzverhandlungen der Verkehrsbetriebe und Kommunalverwaltungen im Mai 2013 gehofft. Auch den neuen Einführungstermin hält Jagau angesichts der vielen Beteiligten und der zeitaufwendigen Entscheidungsgänge in den Kreistagen für ambitioniert. Aber: „Wir haben gemeinsame Interessen“, versichert der Hannoveraner.

veröffentlicht am 10.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:14 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Bisher ging es vor allem darum, die Mindereinnahmen der Deutschen Bahn auszugleichen, wenn die Fahrkarten preisgünstiger werden. Doch inzwischen haben sich „bei den Durchtarifierungs- und Harmonisierungskosten“ neue Aspekte ergeben, erklärt Mattern. So verlangen nun die Privatbahnen, die bisher Vertriebsprovisionen von der Deutschen Bahn und Ausgleichsleistungen wegen der Anerkennung der DB-Bahncard bekommen, eine finanzielle Kompensation.

Die Landkreise, die mit der Hauptstadtregion den Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover (EWH) bilden, wollen mit dem Tarifverbund das Bahnfahren noch attraktiver machen und auch etwas für den Umweltschutz tun. Im EWH leben 2,25 Millionen Bewohner. Knapp ein Viertel der niedersächsischen Bevölkerung könnte eines Tages zu GVH-Tarifen im Nahverkehr unterwegs sein. Seit Monaten wird versucht, es allen Beteiligten recht zu machen – und damit quasi die Quadratur des Kreises zu erreichen. Denn die Eisenbahnunternehmen wollen nichts verschenken – und die Landkreise, die je nach Größe des Vorteils für ihre ÖPNV-Nutzer in unterschiedlichem Maße herangezogen werden sollen, verweisen auf ihre eng gestrickten Haushalte. Dort sei für eine solche „freiwillige Leistung“ kaum Geld lockerzumachen. Hameln-Pyrmonts Kämmerer, der stellvertretende Landrat Carsten Vetter, kalkuliert erst einmal mit Kosten von 150 000 bis 300 000 Euro „für das Grundmodell“. Dann könnten Fahrgäste ab den Bahnhöfen in Hameln und Bad Münder mit einem GVH-Einzelfahrschein nach Hannover und Umgebung fahren; Berufspendlerkarten des GVH, die MobilCards, gibt es auf dieser Strecke seit sieben Jahren. Vetter und der zuständige Amtsleiter Holger Schrake möchten gerne auch Bad Pyrmont, Emmerthal und Hessisch Oldendorf in den GVH-Tarif einbeziehen – und am liebsten sogar den ganzen Landkreis. Dann würde schon das im Dorf gelöste Busticket der Fahrschein in die Großstadt sein; dieser berechtigte dort zum Beispiel auch zum Umsteigen in die Stadtbahn. Auch eine Querverbindung von Hameln-Pyrmont in die Kreise Schaumburg oder Hildesheim zum Großraumpreis ist denkbar. Und es soll auch andersherum funktionieren: Der Billigtarif könnte Tagestouristen zum Rattenfängerspiel nach Hameln oder Schwimmbadbesuch in Bad Pyrmont anlocken. Der Großraum-Entdeckertag, der am vorigen Sonntag wieder stattfand, beweist, welches Besucherpotenzial östlich von Hameln-Pyrmont schlummert.

Kommunen

sollen Geld dazugeben

Die große Version beim GVH-Tarif würde nach Einschätzung Vetters weiteres Geld kosten. „Das wäre vom Landkreis alleine nicht zu schultern“, betont der Finanzchef. Sobald die Kosten ermittelt seien, müssten die Städte und Gemeinden klären, ob sie bereit sind, sich zu beteiligen. Die Zahlung könne über eine Erhöhung der Kreisumlage geschehen. Oder, was Vetter favorisiert, es werde ein spezieller ÖPNV-Topf eingerichtet, wodurch die Aufwendungen für den Öffentlichen Personennahverkehr für alle transparent wären. Hamelns Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann (SPD) meint, es handele sich „um keine Unsummen“. Es solle nun bloß keiner schlapp machen: „Wir waren noch nie so kurz davor wie jetzt!“

Im Kreishaus in Hameln hoffen die Verantwortlichen, dass die Ausgleichszahlungen an die Bahn nach kurzer Zeit fortfallen können. Einfach, weil so viele zusätzliche Fahrgäste einsteigen, dass die Einnahmen entsprechend steigen. Das ist nicht unrealistisch: Bei den MobilCards war dieser Punkt für Hameln-Pyrmont bereits nach vier Jahren erreicht. Bei den aktuellen Finanzgesprächen geht es erst einmal um eine Festlegung für zwei Jahre. Danach würde überprüft, wie sich die Fahrgastzahlen entwickelt haben und ob der Zuschuss aus öffentlicher Kasse reduziert werden kann. Mattern hofft jetzt auf eine Einigung bis November.

Für Holger Schrake ist die Integration Hameln-Pyrmonts in den GVH das Tor zu weiteren Verbesserungen im Schienenverkehr. Das könnte eine Rund-um-die-Uhr-Anbindung an Hannover sein, wie sie – finanziert von der Region Hannover – demnächst Springe erhält. Das könnte auf lange Sicht sogar der Ausbau der Querspange Löhne–Hameln–Elze zur S-Bahn mit einem Halbrundverkehr nach Hannover sein. An den Stationen, vor allem in Hameln, könnten zusätzliche Parkplätze für Autos und Fahrräder eingerichtet werden. Die Busanschlüsse würden landkreisweit noch besser auf den S-Bahn-Fahrplan abgestimmt. Velleicht steigen dann wieder mehr Menschen in die Busse, sodass sich dort das steigende Defizit ausbremsen lässt. Die Chancen und Hoffnungen sind groß, die Summen vergleichsweise klein. Schon für die Reparatur eines Kreisstraßenabschnitts müssen leicht 300 000 Euro oder mehr aufgewendet werden – egal, wie wenig Menschen dort unterwegs sind.

Unabhängig von allen Rechnereien werden zumindest die 14 neuen und zusätzlichen „Sprinter“ pünktlich in diesem Dezember starten. Diese S-Bahnen werden zwischen Hameln und Hannover pendeln und nur in Springe einen Zwischenhalt einlegen. Das Zugmaterial ist unter Schwierigkeiten beschafft worden.

In Hannover wird seit Monaten gerechnet und gerechnet und gerechnet … Und das Ergebnis lässt weiter auf sich warten. Bevor die Hameln- Pyrmonter und Schaumburger mit der Bahn preisgünstiger in die Region Hannover oder auch nach Hildesheim und Celle fahren können, brauchen sie noch Geduld. Warum dauert das so lange?

Im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover wohnen 2,25 Millionen Menschen. Fahren sie ab Ende 2014 Bahn und Bus in einem Tarifverbund?



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