weather-image
13°

Nicht ihr Traumberuf – aber eine echte Chance

Hameln-Pyrmont (tk). Gerade lernschwache Jugendliche brauchen besondere Zuwendung, um sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Agentur für Arbeit Hameln hat daher in Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger Inform ein Ausbildungskonzept auf die Beine gestellt, das sich an junge Menschen mit Defiziten richtet und ihnen eine Werkerausbildung zum Verkaufshelfer, Beikoch und Werker im Garten- und Landschaftsbau ermöglicht. „Zwei bis drei Jahre dauern die Ausbildungsgänge und bescheren den jungen Menschen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Kathrin Kobizk, Teamleiterin der Abteilung Berufliche Rehabilitation bei der Arbeitsagentur.

veröffentlicht am 29.06.2009 um 20:35 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 21:21 Uhr

Werker
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hameln-Pyrmont (tk). Gerade lernschwache Jugendliche brauchen besondere Zuwendung, um sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Agentur für Arbeit Hameln hat daher in Zusammenarbeit mit dem Bildungsträger Inform ein Ausbildungskonzept auf die Beine gestellt, das sich an junge Menschen mit Defiziten richtet und ihnen eine Werkerausbildung zum Verkaufshelfer, Beikoch und Werker im Garten- und Landschaftsbau ermöglicht. „Zwei bis drei Jahre dauern die Ausbildungsgänge und bescheren den jungen Menschen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Kathrin Kobizk, Teamleiterin der Abteilung Berufliche Rehabilitation bei der Arbeitsagentur.
Viele Azubis kommen
aus Förderschulen

 Sabrina Schäfer ist 21 Jahre alt und kommt aus Hameln. Sie steht kurz vor ihrer Abschlussprüfung als Gartenwerker. Ob ihr der Job als Stein- oder Gartenpflegerin besser gefällt, da ist sie unentschieden, sie findet beides „cool“ und fühlt sich als einzige Frau unter Männern in ihrem Ausbildungszweig eigentlich „ganz normal“. Und obwohl die Arbeit sie manchmal an ihre körperlichen Grenzen bringt, ist sie froh die Ausbildung zu machen und durchgehalten zu haben. Ihr Traumberuf war der Gartenwerker nicht: „Irgendwas mit Tieren oder KFZ, das wär‘ mein Ding gewesen“, sagt sie. Ihrem Traumziel stand ihre Lernschwäche entgegen. Im anschließenden Berufsgrundschuljahr „Agrar“ kam sie auf den Geschmack, die Berater der Agentur für Arbeit rieten ihr zur Werkerausbildung – sie hat es nie bereut. Im August macht sie ihre Prüfung.
 Die Jugendlichen, die eine Werkerausbildung wie Sabrina machen, kommen zumeist aus Förderschulen und berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen „und haben in der Regel schon viele Enttäuschungen hinter sich“, sagt Beraterin Kobzik – Starthilfe auf dem Weg ins Berufsleben geben, das wollen die Berater erreichen, „im geschützten Raum und unter ganz individuell geschneiderten Bedingungen“, weiß Christiane Lehmann, Ausbilderin in der Verkaufshilfe. „Dazu gehören Förderunterricht in Deutsch und Mathematik, eine sozialpädagogische Begleitung, und neben der regulären Ausbildung auch die Förderung sozialer Kompetenzen – des Miteinanders, und wie ich Konfliktsituationen bewältige“, erklärt sie die primären Ziele.
 Dass das mit Erfolg funktioniert, wissen Uwe Multhoff und Hans-Jürgen Beckmann. Multhoff betreibt das Restaurant Graf Everstein in Polle und hat zum ersten Mal eine Praktikantin von Inform angenommen. „Wir sind mit ihr wirklichen sehr zufrieden“ – eine gute Erfahrung findet Multhoff, und möchte weitere Beiköche für ein Praktikum annehmen. Man müsse sich zwar etwas mehr Zeit nehmen, aber die Leistungen seien einwandfrei.
Die Praxis entscheidet,
nicht das Zeugnis

 Mehr Erfahrung mit Praktikanten aus der Werkerausbildung hat Hans-Jürgen Beckmann. Der Leiter des Jawoll-Marktes in Hameln arbeitet seit Jahren mit Inform zusammen, bildet kontinuierlich aus. Ressentiments lernschwache Jugendliche einzustellen hat er nicht. „Die Praxis ist für mich entscheidend, nicht das Zeugnis“ – mit der Methode fährt er gut. Motiviert, interessiert und gut vorbereitet seien die Praktikanten, die Zusammenarbeit mit den Ausbildern funktioniere reibungslos. 
 Ekaterina Vartke (21) und Nadja Schubadast (20) haben gerade ihre Ausbildung erfolgreich beendet. Die Verkaufshelferin und die Beiköchin haben beide problemlos einen Job gefunden. „Die Ausbildung hat uns Kraft und Selbstbewusstsein gegeben“, stellen die beiden für sich fest, auch wenn sie wie Sabrina eigentlich etwas anderes werden wollte und in die Werkerausbildung mehr oder  minder hineingeschliddert und „dann gewachsen sind“, meint Ekaterina. Besonders die Praktika, die etwa 70 Prozent der Ausbildung ausmachen, haben ihr ein „gutes Gefühl“ vermittelt. In einer Drogerie konnte sie die Kunden beraten, das will sie auch weiterhin tun.
 Die Statistik für die jungen Frauen sieht gut aus: die Vermittlungsquote für Beiköche liegt bei 100 Prozent, die für Gartenwerker bei 70. Im Gartenbaubereich gehörten 2008 drei Teilnehmer der Inform zu den Jahrgangsbesten in Niedersachsen. Alle Teilnehmer, die bisher zur Prüfung geführt wurden, haben auch bestanden.
 Das Angebot in Hameln will die Agentur für Arbeit und die Inform noch erweitern. „Es ist zwar noch Zukunftsmusik, aber für 2010 planen wir eine Werkerausbildung für Fachkräfte in der Gebäude- und Umwelttechnik anbieten zu können“, stellt Kobzik in Aussicht. 60 Ausbildungsstätten bieten deutschlandweit den Ausbildungsservice zum Werker an.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare