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Sperrgebiet

Naturschutzbehörde schützt Auenlandschaft mit Spezialkette vor Eindringlingen

HOHENRODE. Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Flussseeschwalbe, des streng geschützten Seeadlers und anderer seltener Tiere in der Auenlandschaft Hohenrode hat sich die Naturschutzbehörde des Landkreises Schaumburg zu einer ungewöhnlichen Maßnahme entschieden. Um Freizeitkapitäne daran zu hindern, in das Sperrgebiet zwischen Weser und Landesstraße 433 zu fahren, hat die Behörde von Rintelner Helfern der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk eine Art Notbremse vor die Einfahrt legen lassen.

veröffentlicht am 19.08.2018 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 20.08.2018 um 18:43 Uhr

Idyllische Auenlandschaft Hohenrode – zum Schutz der hier lebenden Tiere ist das Gebiet Sperrzone. Das THW hat den Bereich mit einer Spezialkette abgesperrt. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Das 63 Meter lange Seil aus speziellem Kunststoff wird von 40 orange-roten Bojen an der Wasseroberfläche gehalten. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Verstöße gegen das Einfahrtverbot gegeben. Hinweisschilder und eine gelbe Gefahrentonne, an der ein rot-weißes Sperrschild angebracht ist, waren von einigen Bootsführern ignoriert worden.

Das Kieswerk Ahe hatte das Schifffahrtszeichen mit einem Kran in Position gebracht. Die Wasserschutzpolizei hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, das Verbot stärker überwachen zu wollen. Das Problem: Die Beamten sind nicht täglich auf der Weser bei Hohenrode unterwegs – ihre Basis befindet sich in Nienburg.

Dr. Nick Büscher von der Naturschutz-Organisation Nabu in Rinteln ist glücklich, dass der Landkreis so schnell reagiert und zum Schutz der Tiere die Ankerkette gekauft hat. Schließlich sei die Bojenkette „auch nicht ganz billig“, wie der Vorsitzende des Nabu Rinteln erklärt.

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Das Technische Hilfswerk (THW) Rinteln unterstützte die Schutz-Maßnahme und ließ zwei PS-starke Arbeitsboote zu Wasser. Die Spezialisten der Fachgruppe „Wassergefahren“ brachten in der Einfahrt zur Auenlandschaft die Bojenkette aus.

Von den Mehrzweckbooten „Jupp“ und „Friedel“ aus wurde sie auf die Wasseroberfläche gelegt. THW-Helfer verankerten die Sperre später am Ufer. „Vom Ufer aus wäre es sehr schwierig gewesen, das Manöver durchzuführen“, erklärt Stefan Frühmark, Gruppenführer der Fachgruppe „Wassergefahren“. Für die Experten war es ein nicht alltäglicher Einsatz. „Wir helfen immer gern“, sagt Frühmark.

Dr. Nick Büscher, der den Einsatz selbst verfolgte, ist zuversichtlich, dass sich in Zukunft keine Hobbykapitäne in das Naturschutzgebiet mehr verirren werden. „Hinweistafeln kann man ignorieren – und an Gefahrentonnen vorbeifahren. Die Bojenkette hingegen ist ein echtes Hindernis, das man so schnell nicht überqueren kann“, erklärt Büscher zufrieden. Gerade für Boote mit Außenbordern und spitzen Rümpfen stelle die Sperre ein großes Hindernis dar. „Solche Motorboote würden an dem Seil hängen bleiben oder sich etwas kaputt fahren“, meint Büscher.

Der Nabu-Vorsitzende hofft, dass mit der Sperrkette endlich wieder die Ruhe in dem geschützten Gewässer einkehrt. Gerade für die vom Aussterben bedrohten Arten wie Flussseeschwalbe oder Seeadler, aber auch für Schellenten und Gänsesäger würden die Boote nicht nur eine Gefahr darstellen. „Alle diese Arten halten sich nur in sehr störungsarmen Gewässern auf. Wenn weiterhin Freizeitkapitäne widerrechtlich die Tiere aufschrecken würden, könnte es sein, dass sie komplett aus der Auenlandschaft verschwinden“, fürchtet Büscher.

Noch schlimmer sei es für die Flussseeschwalben. „Die brüten derzeit in der Auenlandschaft. Werden sie dabei gestört, kann es passieren, dass sie ihre Brut aufgeben und die Jungen verenden“, sagt der Experte. Das habe bereits gedroht, als vor wenigen Wochen Wasserski-Sportler in der Auenlandschaft unterwegs gewesen seien. Der Nabu-Vorsitzende hatte die Wassersportler dabei beobachtet. Er habe sofort die Polizei informiert, doch die Beamten der Wasserschutzpolizei aus Nienburg seien bei einer Ölverschmutzung in Hameln gebunden gewesen und hätten erst vor Ort sein können, als alles vorbei war.

„Es ist frustrierend, wenn man zum Zuschauen verdonnert ist und nichts tun kann“, sagt Dr. Büscher. Zwar hätten die Beamten kürzlich mit einem Schlauchboot auf der Weser bei Hohenrode patrouilliert, die Bojenkette sei jedoch effektiver und sicherer. „Die Wasserschutzpolizei kann schließlich nicht immer und überall sein“, sagt Dr. Büscher.



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