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Einschlag in heimischen Wäldern in vollem Gang / Bereits im Herbst laufen Verkaufsverhandlungen

Nachfrage nach Brennholz lässt Preis steigen

Hameln-Pyrmont (bj). Der Spaziergänger, der in diesen Wochen durch den Wald geht, hört das Kreischen der Motorsägen schon von Weitem. Spätestens, wenn er dann aus größerer Entfernung Männer in orangefarbener Schutzkleidung sieht, weiß er, dass die Holzernte in vollem Gang ist. Auch in den Wäldern des Niedersächsischen Forstamtes Oldendorf und der privaten Forstgenossenschaften werden in diesen Wochen, wenn es die Witterung zulässt, Bäume gefällt.

veröffentlicht am 13.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 05:41 Uhr

Die Buchenstämme liegen am Boden und sind ausgezeichnet, Dr. Michael Behrndt begutachtet die Qualität des Holzes. Fotos: bj
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„Das Holz der Bäume hat im Winter einen geringeren Feuchtigkeitsgehalt, da der Stamm die Blätter nicht mit Wasser und Nährstoff versorgen muss“, erklärt Dr. Michael Behrndt, Forstamtsdezernent im Forstamt in der Hessisch Oldendorfer Südstraße. Deshalb beginne der Einschlag bei Laubbäumen im Spätherbst und dauere bis zum Spätwinter. „Das Gebiet der Niedersächsischen Landesforsten umfasst 7 700 Hektar, daraus ergibt sich ein jährlicher Hiebsatz von 50 000 Festmetern. Dieser wird auf die einzelnen Reviere verteilt“, erläutert Dr. Michael Behrndt.

Bevor die Forstwirte mit Motorsägen und Seilschleppern in den Wald ziehen, haben die Revierleiter im Herbst nach Absprache mit dem Forstamtsdezernenten auf dieser Grundlage den Hauungsplan festgelegt. In diesem wird vorgegeben, in welcher Abteilung eines Reviers die benötigten Festmeter eingeschlagen werden und welche Bäume dafür gefällt werden. „Das Ziel ist es, aus der Vielzahl der Bäume in kurzer Zeit qualitativ gutes Holz zu erwirtschaften. Deshalb wird regelmäßig durchgeforstet, es erfolgt eine Selektion , um die besten Bäume zu fördern“, erklärt Dr. Michael Behrndt.

Nicht nur in den Wäldern der Niedersächsischen Landesforst werden deshalb auch schon Buchen eingeschlagen, die erst 30 Jahre alt sind, während andere erst mit 120 Jahren gefällt werden. Das Alter des Baumes, der Wuchs, der Stammdurchmesser und auch die Beschaffenheit der Baumrinde entscheiden über den späteren Verwendungszweck. „Ein Baum ist, was man aus ihm macht – und diese Entscheidung treffen meistens die Forstwirte“, führt der stellvertretende Leiter des Forstamtes Oldendorf aus. Bevor ein Möbelstück aus Massivholz gebaut werden kann oder Fußbodenparkett entsteht, werden die Stämme in regionalen Sägebetrieben zerkleinert. Dagegen wandert ein dicker, gerader Buchenstamm mit unverletzter Rinde ins Schälwerk, um Furnierholz für den Möbelbau oder auch für die Autoindustrie daraus zu gewinnen. Die Baumkrone wird als Industrieholz zu Papier oder Spanplatten verarbeitet.

Holger Dierssen zersägt einen Buchenstamm.
  • Holger Dierssen zersägt einen Buchenstamm.

„Zwei Drittel des geschlagenen Industrieholzes werden einer stofflichen, ein Drittel der energetischen Verwertung als Brennholz zugeführt“, führt Dr. Michael Behrndt aus und ergänzt, dass die Preise für Brennholz in den letzten Jahren deutlich gestiegen seien. „Die sehr hohe Nachfrage nach Buchenbrennholz hat zu einem über zehnprozentigen Preisanstieg geführt“, bestätigt Hans Joachim Grote, der Vorsitzende der Forstgenossenschaft Lachem, der größten privaten Forstgenossenschaft in Niedersachsen.

Auch im Süntel haben die Forstwirte jetzt viel zu tun. Karl Beißner, der Vorsitzende der Forstgenossenschaft Süntelwald, zu der 830 Hektar Wald gehören, erklärt, dass für die 200 Mitglieder der Forstgenossenschaft zurzeit das von ihnen bestellte Brennholz geschlagen wird. Zu 99 Prozent ist dies Buchenholz. „Aus Gründen der Arbeitssicherheit möchten wir keine Selbstwerber mehr. Das Holz wird in Stämmen oder aufgemetert an den Wegrand gerückt“, sagt Karl Beißner. Nadelholz, das zwölf Prozent des Bestandes im Bereich der Süntelwaldgenossenschaft ausmache und vorwiegend als Bauholz gebraucht werde, erziele momentan „einen unnatürlich hohen Preis“, sagt Beißner. Diesen Trend sieht auch Hans Joachim Grote. Beim Fichtenstammholz seien Preissteigerungen von mehr als 15 Prozent zu verzeichnen, sagt er.

Während man früher erst das Holz geschlagen und dann verkauft habe, beginnen die Verkaufsverhandlungen für Exportholz heutzutage bereits im August, erklärt der Vorsitzende der Forstgenossenschaft Süntelwald, Karl Beißner, eine grundlegende Veränderung. Forstamtsdezernent Dr. Michael Behrndt erläutert, dass die Verhandlungen für den heimischen Markt jedoch erst im Oktober beginnen. Die Beobachtung des Holzmarktes und die Beschäftigung mit diesem „lässt mich den Wald oft als Wirtschaftsgut, und nicht als Wunder der Natur sehen“, bedauert der stellvertretende Forstamtsleiter.



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