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Avacon rechnet mit monatelangen Arbeiten und immensem Schaden

Nach spektakulärem Unfall: Aufräumen auf dem Rübenacker

LÜDERSEN. Es wird Monate dauern, bis alle Schäden behoben sind. Nachdem ein Rübenroder einen Strommast bei Lüdersen umgefahren und damit einen Strromausfall verursacht hat, laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Energieversorger Avacon rechnet mit einem Schaden im hohen sechsstelligen Bereich, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Fiedler.

veröffentlicht am 09.10.2018 um 06:00 Uhr

Die Bergung des Rübenroders ist schwierig. Bis alle Leitungen wieder intakt sind, kann es Monate dauern. Experten sind aber bereits vor Ort, um das Gelände zu begutachten. Der Wirtschaftsweg ist abgesperrt. Foto: Mischer
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite
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„Bis alles wieder intakt ist, wird es sich mehrere Monate hinziehen“, sagt Fiedler. Der umgefahrene Strommast muss komplett ausgetauscht werden. Durch den Aufprall wurden die Masten rechts und links auch noch beschädigt – weil sie mit den Leiterseilen miteinander verbunden sind, erklärt Fiedler. Heißt: Nicht nur der Mast selbst, sondern auch die teuren Leiterseile müssen über mehrere Kilometer ausgewechselt werden. „Das ist ein sehr großer Schaden mit einem sehr großen Arbeitsaufwand“, so Fiedler.

Erster Schritt ist jetzt die Bergung der Erntemaschine. Teile des Fahrzeuges und des Mastes müssten dazu zerlegt und rausgeschnitten werden, um den Roder unter dem umgestürzten Mast herausziehen zu können. Wie lange das dauern wird, ist unklar. In einem zweiten Schritt folgt die Statikmessung. „Der Mast selbst ist nicht mehr zu retten und muss demontiert werden. Danach muss ein neuer Mast errichtet werden.“ Allein ein neuer Mast kostet etwa 200 000 Euro. „Wir haben damit also gut zu tun.“

Mit einem erneuten Stromausfall rechnet Avacon nicht – der Strom werde komplett umgeleitet. „Das war schon ein sehr ungewöhnlicher Vorfall und passiert nicht häufig“, weiß Fiedler. Der Schaden wurde der Haftpflichtversicherung gemeldet. „Mehr können wir dazu noch nicht sagen.“ Jetzt müssten sich die Versicherungen untereinander austauschen. Bei wem etwa ein Elektrogerät durch den Stromausfall beschädigt wurde, könne sich bei Avacon melden. Auch da müssten aber erst die Haftungsfragen geklärt werden, wer für den Schaden finanziell aufkommt, immerhin sei Avacon an dem Unfall nicht schuld. Zu den Haftungsfragen will sich auch Sebastian Binder, Einsatzleiter der Zuckerrüben-Rodegemeinschaft (ZRG) Weserbergland, in Aerzen nicht öffentlich äußern. „Wir müssen den Schaden jetzt erst einmal abwarten.“ Der Roder gehört zur ZRG, der 44-jährige Fahrer ist dort angestellt. „Ihm geht’s gut, er stand aber unter Schock und ist zur Zeit zuhause“, sagt Binder. Bereits seit mehr als 20 Jahren arbeitet der 44-Jährige aus Bodenwerder in dem Beruf: „Man kann ihm da gar keine Vorwürfe machen oder einen Fahrfehler unterstellen“, betont Binder. Solange Avacon noch mit der Bergung beschäftigt ist, könne die ZRG die Maschine nicht begutachten. „Erst muss Avacon das Feld räumen, bevor wir drauf können.“ Dann könne die ZRG feststellen, ob die Maschine überhaupt noch fahrbereit sei – oder eben in die Werkstatt muss. Der Fahrer selbst gab an, eine Entladeeinrichtung habe sich nicht zurück in die Maschine bewegt. Und dann prallte der Ausleger gegen den Hochspannungsmast. „Warum das passiert ist, da habe ich keine Ahnung.“

Die großen Firmen an der Eldagsener Straße in Springe werden über Notstromaggregate versorgt. Foto: Octapharma

Fest steht aber, dass der Fahrer sehr viel Glück hatte. Wäre er aus seinem Fahrzeug ausgestiegen, hätte ihn das vermutlich umgebracht, sagt Feuerwehrsprecher Stefan Quentin. Vergleichbar sei das mit einem faradayschen Käfig. In der Maschine war der 44-Jährige von der elektrischen Spannung abgeschirmt – die Räder isolierten die Erntemaschine. Sobald er aber den Boden berührt hätte, wäre er sofort der Hochspannung ausgesetzt gewesen, da die Leitungen Kontakt zum Boden hatten. Bereits als der 44-Jährige den Notruf wählte, habe er von der Einsatzleitstelle genaue Anweisungen bekommen, wie er sich verhalten muss.

Vor Ort gaben ihm dann die Einsatzkräfte der Feuerwehr über Handy Hinweise. Die Feuerwehr sperrte das Gelände weiträumig ab, die Einsatzkräfte durften sich dem Rübenroder ebenfalls nicht nähern und mussten 200 Meter Abstand halten. „Innerhalb des Rübenroders bestand keine Gefahr“, erklärt Quentin. Die Feuerwehr habe ihm erklärt, er dürfe etwa die Fenster nicht öffnen und müsse Ruhe bewahren.

„Er war zum Glück sehr geduldig.“ Immerhin musste der Bodenwerderaner rund zwei Stunden in seiner Maschine ausharren, bis er befreit werden konnte.



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