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Neujahrsempfang für die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter des Kirchenkreises im Münster

Nach der Rede rührte sich keine Hand zum Beifall

Hameln-Pyrmont (wft). Als die Ansprache von Superintendent Philipp Meyer beim Neujahrsempfang für die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont am Freitagabend im Hamelner Münster mit einem „Amen“ beendet war, gab es einen Moment der Überraschung: Keine Hand rührte sich, um der Rede des Superintendenten Beifall zu zollen. Meyer selbst wirkte in diesem Moment der Stille im Münster perplex und wartete Sekunden darauf, ob nicht doch noch eine andere, positivere Reaktion erfolge. Doch das etwa 250-köpfige Auditorium rührte sich nicht, folgte vielmehr der Aufforderung Meyers, nun viele Gespräche an den Stehtischen im Seitenschiff der Kirche zu führen, die in diesem Jahr ihr 1200-jähriges Bestehen feiert.

veröffentlicht am 16.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:41 Uhr

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Was zu der mehr als verhaltenen Reaktion der Kirchenmitarbeiter führte, war während des Empfanges nicht ganz zu ergründen. Hinter vorgehaltener Hand meinten einzelne Besucher allerdings, der Superintendent habe mit seiner Ansprache vor allem die breit gefächerte Arbeit der Ehrenamtlichen, von Meyer als die „Edelsteine der kirchlichen Arbeit“ gelobt, nicht ausreichend gewürdigt. Auch die Jazz-Musik einer vierköpfigen Combo, mit dem Superintendenten am Saxofon, entsprach nicht jedermanns Geschmack. „Früher haben wir bei diesen Empfängen Choräle gesungen“, bemängelte ein langjähriger Besucher des kirchlichen Neujahrsempfangs den musikalischen Teil des Programms, „solche Musik will ich hören, wenn ich mit meiner Frau eine Bar besuche, aber doch nicht hier.“

Dass sich unter die ehrenamtlichen Mitarbeiter an diesem Abend nur wenige junge Menschen mischten, begründete der Superintendent mit dem demografischen Wandel, der sich auch bei den Mitarbeitern im Kirchenkreis bemerkbar mache. „Aber wir haben auch viele aktive Jugendliche“, betonte Meyer am Rande des Empfangs. „Das hat sich beim Jahresschlussempfang der kirchlichen Jugend gezeigt. Da waren sehr viele junge Leute, die gezeigt haben, dass ihnen ihr kirchliches Engagement wichtig ist.“

Im Rahmen seiner Ansprache präsentierte der Superintendent mit Michael Lange das „neue Gesicht“ der Jugendwerkstatt des Kirchenkreises, der am 1. Februar die Geschäftsführung der Institution übernehmen wird, die nach der Kündigung von Klaus-Dieter Jösten und einem hohen finanziellen Defizit ein schweres Jahr hinter sich hat. Lange kommt aus Berlin und war dort fast zehn Jahre Leiter eines Kirchenverwaltungsamtes. Seinen Umzug aus Berlin ins Weserbergland bezeichnet Lange als „unproblematisch, denn meine Lebensgefährtin lebt in Bad Münder. Dort habe ich jetzt Unterschlupf gefunden, und wir müssen nicht mehr in einer Wochenendbeziehung leben. Ich habe hier viele soziale Kontakte und kenne die Region schon seit Langem.“ Seine Aufgabe werde es jetzt sein, die von Bernt Renzenbrink, dem bisherigen kommissarischen Geschäftsleiter der Jugendwerkstatt, eingeleitete Restrukturierung erfolgreich umzusetzen.

In Sachen Jugendwerkstatt erklärten sowohl der Superintendent als auch Doris Feuerhake, die Vorsitzende des Kirchenkreistages: „Wir sind noch nicht über den Berg.“ Aber Meyer äußerte auch Zuversicht, weil es gelungen sei „wichtige Voraussetzungen“ für ihre Zukunft zu schaffen. Seinen Optimismus begründete Meyer mit zwei Beobachtungen – zum einen lobte er die gute Zusammenarbeit in den Gremien des Kirchenkreises, zum anderen die „feste Überzeugung bei den Menschen in unserer Region, dass wir die Jugendwerkstatt brauchen“. Sie werde benötigt „für die Menschen, die in unserer modernen Gesellschaft an den Rand geschoben werden“. Der Einsatz für die Schwachen in unserer Gesellschaft gehöre „zu unseren heiligen Pflichten“. Lobend hob Meyer hervor, dass in den Gremien sachlich, manchmal ausgiebig und beharrlich diskutiert worden sei. „Aber es wurden immer Entscheidungen gemeinsam getroffen, im Kirchenkreis stets einstimmig, aber auch im Kirchenkreistag mit überwältigender Mehrheit.“ Dieser Zusammenhalt in einer kritischen Zeit sei ein „unglaubliches Potenzial für die Zukunft“, erklärte Meyer.

In seinem Blick nach vorne spielte natürlich auch das Jubiläumsjahr des Münsters, das unter das Motto „Licht am Fluss“ gestellt wurde, eine wesentliche Rolle. Der Dank des Superintendenten galt hier vor allem den zahlreichen Sponsoren und verschiedenen Arbeitsgruppen, von denen „fantastische Ideen“ entwickelt worden seien, die auch verwirklicht würden. Rund zwei Jahre hätten die Mitglieder der zehnköpfigen Steuerungsgruppe daran gearbeitet, das alles „zu einem lebendigen Ganzen“ zusammenzufügen. Namentlich dankte der Superintendent Pastor Dirk Jonas, der viel Energie und Fantasie investiert habe, um dieses Jubiläum gelingen zu lassen.

Doris Feuerhake betonte in ihrer Ansprache, 2011 sei vor allem ein „Jahr des steten Wandels“ gewesen. Als Beleg dafür zählte sie jeden einzelnen Wechsel von Pastorenstellen im Kirchenkreis auf und erwähnte auch jene Gemeinden, deren Pfarrstellen derzeit unbesetzt sind. Für die am 18. März anstehenden Neuwahlen der Kirchenvorstände hofft Feuerhake auf zahlreiche Kandidaten, um am Ende nicht eine Bilanz wie in der Westfälischen oder wie in der Lippischen Landeskirche ziehen zu müssen. Bei den Westfalen könne Anfang Februar mangels Kandidaten nur in 27 Prozent der Gemeinden Vorstände gewählt werden, in der lippischen Landeskirche sei es nur in fünf von 69 Gemeinden möglich.

Viele angeregte Gespräche gab es an den Stehtischen im Seitenschiff des Hamelner Münsters. Doch schienen nicht alle Besucher glücklich über die Ansprache von Superintendent Philipp Meyer gewesen zu sein.

Foto: wal



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