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Landrat verurteilt Tat und lobt Einsatzkräfte

Nach Brandstiftung: Zwei Flüchtlinge in U-Haft

Hameln. Die beiden Asylsuchenden (21, 26), die am Mittwochabend ein Feuer in der Flüchtlingsunterkunft an der Hamelner Süntelstraße gelegt haben sollen, sind am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte Haftbefehle beantragt. Am späten Nachmittag ordnete der Richter Untersuchungshaft an. Die Tatverdächtigen wurden kurz danach in ein Gefängnis gebracht. Den Männern wird schwere Brandstiftung vorgeworfen.

veröffentlicht am 12.02.2016 um 15:49 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

öscheinsatz in der Linsingen-Kaserne – im Wohnblock 4 brennt es. ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Flüchtlinge sollen vor der Zimmertür erst eine Barrikade aus Betten gebaut und dann Matratzen angezündet haben. Die mutmaßlichen Täter sprangen danach aus dem Fenster.
Landrat Tjark Bartels hat die Tat scharf verurteilt. Der Leiter der Behörde, die die Familien-Erstaufnahmeeinrichtung betreibt, zeigt sich entsetzt über das Vorgehen der vermeintlichen Brandstifter, die mit ihrer Tat eine Vielzahl von Menschen in Gefahr gebracht hätten. „Keine persönliche Dramatik rechtfertigt es, billigend in Kauf zu nehmen, dass andere Menschen zu Schaden kommen. Solch ein Vorgehen fordert eine konsequente strafrechtliche Verfolgung“, meint Bartels. Die Männer hätten „zu rabiaten Mitteln gegriffen“, um ihre Ausreise in den Libanon zu erzwingen, weil im Heimatland ein Familienmitglied gestorben sei. Die Nationalität der Männer ist noch unklar. Beim Deutschen Roten Kreuz sind sie als libanesische Staatsbürger registriert worden. Einer hatte bei seiner Ankunft in Hameln keine Reisedokumente dabei – er soll sie zuvor in einer anderen Aufnahmeeinrichtung abgegeben haben.
Unter den knapp 1000 Flüchtlingen, die derzeit in der Kaserne untergebracht sind, sei in den Stunden nach dem Brand „eine große Betroffenheit zu spüren“ gewesen, teilte die stellvertretende Sprecherin der Kreisbehörde, Nikola Stasko, mit. Auch die Bewohner zeigten kein Verständnis für das Handeln der beiden mutmaßlichen Täter, hieß es.
Wie bereits berichtet hatte die Brandmeldeanlage um 18.13 Uhr im Wohnblock 4 Alarm ausgelöst. Schon vier Minuten später war das Gebäude evakuiert. 168 Frauen, Männer und Kinder wurden von Dolmetschern, Sicherheitskräften und den Leitern der Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle auf dem Gelände betreut. Gegen 23 Uhr konnten große Teile des Blocks wieder freigegeben werden. Fast alle Bewohner durften in ihre Zimmer zurückkehren. Lediglich das Erdgeschoss, in dem das Feuer gewütet hatte, war von der Polizei beschlagnahmt worden.

Flüchtlinge wollten
Herausgabe ihrer
Pässe beschleunigen

16 Bewohner, die in Zimmern wohnen, die direkt an den Brandherd angrenzen, seien in einem anderen Wohnblock untergebracht worden, hieß es. Vier Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes erlitten eine Rauchgasvergiftung und wurden mit Notarzt- und Rettungswagen in umliegende Kliniken gebracht. Landrat Bartels sagte, Sicherheitsdienst, Feuerwehr, DRK und Polizei hätten einen exzellenten Job gemacht. „Die Helfer haben sehr schnell, professionell und beherzt gehandelt, sodass schwerere Verletzungen vermieden wurden.“
Kurz nach Auslösung der Brandmeldeanlage gingen die mutmaßlichen Brandstifter zum Haupttor und hielten sich dort Augenzeugenberichten zufolge gegenseitig Messer an den Hals. Sie forderten die sofortige Alarmierung der Polizei. Nach Eintreffen der Beamten ließen sich die Männer widerstandslos festnehmen. Nach Angaben der Kreisbehörde wollten die Flüchtlinge auf diese Weise offenbar die Herausgabe ihrer Reisepässe beschleunigen. Bereits in den späten Nachmittagsstunden wären die Männer zur Registrierungsstelle gegangen. Dort hätten sie gesagt, dass sie in den Libanon zurückreisen wollen, ihnen aber die Pässe nicht ausgehändigt werden. Man habe ihnen jedoch nicht sofort helfen können, da sich die Reisepässe derzeit bei anderen Behörden befinden, hieß es. „Zudem waren die Bewohner nicht in der Lage, ihre Heimreise selbst zu finanzieren, sodass vor einer möglichen freiwilligen Ausreise erst entsprechende finanzielle Mittel über die Internationale Organisation für Migration beantragt werden mussten“, erklärt Nikola Stasko.
Am Mittwoch sollen die Flüchtlinge gegenüber dem Sicherheitspersonal angekündigt haben, morgen würde ein Auto oder ein Haus brennen, wenn sie nicht umgehend Reisepässe bekämen. Kurz nach 18 Uhr stand dann das Zimmer der Männer in Flammen.

Das Zimmer, in dem die Flüchtlinge untergebracht waren, ist ausgebrannt. Brandoberamtsrat Andreas Zerbe inspiziert den Schaden. Die Polizei schätzt ihn auf etwa 30 000 Euro. ube


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