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AKW-Gegner starten immer wieder Aktionen / Polizei hält mit starken Kräften dagegen

Mox-Transport: Das lange Warten in Grohnde

Grohnde. „Angefangen haben wir mit zwölf Leuten. Jetzt sind wir schon 50 bis 60, die an der Mahnwache teilnehmen“, stellt Tobias Darge von der Regionalkonferenz „Grohnde abschalten“ fest. Der Atomkraftgegner trägt eine orangerote Warnweste mit der Aufschrift „Ordner“. Er steht auf der alten B 83 vor dem Atommeiler – und erzählt, was ihm und anderen auf der Seele brennt. „Schon zwei millionstel Gramm Plutonium können Krebs erzeugen.“ Und: „Die Neutronenstrahlung ist höchst gefährlich.“ Die Angst vor der unsichtbaren Gefahr schweißt die, die gekommen sind, zusammen. Viele sind es allerdings nicht, die gegen den Transport plutoniumhaltiger Mox-Brennstäbe von Sellafield (Großbritannien) nach Grohnde demonstrieren. „Die Bundesregierung hat unsere Forderungen ja zum Teil erfüllt und mit dem Ausstieg aus der Atomkraft „etwas Dampf aus dem Kessel gelassen“, meint Darge.

veröffentlicht am 24.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.01.2019 um 09:03 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Polizei zeigt Stärke. Ihre Mannschaftswagen scheinen überall zu stehen. Die Bereitschaftspolizisten kommen aus Hannover, Hildesheim, Northeim, Göttingen, Osnabrück und Braunschweig. Staatsschützer mit Ferngläsern sitzen in Zivilwagen und beobachten daraus die Szene. „Raumschutz“ nennt das die Polizei. Wie viele Beamte im Einsatz sind, will Kriminalhauptkommissar Heinz Mikus, der auf dem Parkplatz am Info-Zentrum Ansprechpartner für die Medien ist, nicht sagen. „Dazu machen wir keine Angaben“, sagt er, zuckt mit den Schultern und lächelt. Viel los sei nicht. „Alles ist bislang friedlich“, meldet der Sprecher der Inspektion, Jörn Schedlitzki.

Die in der Szene bekannte Kletter-Aktivistin Cécile Lecomte, die „Eichhörnchen“ genannt wird, ist wieder einmal in Grohnde. Was sie vorhat, will sie natürlich nicht verraten. Kreativität sei ihre Stärke, meint sie. Polizisten befürchten eine Störaktion. Sie nehmen ihr die Bergsteiger-Ausrüstung weg. Im vergangenen Jahr hat sie in Grohnde an einer Brücke gehangen. Das ist vielen Polizisten im Gedächtnis geblieben.

Am Nachmittag treffen drei Trecker aus Göttingen ein. Sie werden gestoppt. Ein Polizist sagt freundlich, aber bestimmt: „Ich habe den Auftrag, keinen Schlepper auf die Strecke zu lassen.“ Die Bauern sind empört.

Die Polizei zeigt Stärke. Auch zwei Panzerwagen stehen vor dem Gelände am Atomkraftwerk.

Es ist 15.45 Uhr, als sich dem Kraftwerk zwei Panzerwagen der Polizei, ein Unimog mit Baggerschaufel, Lastwagen mit Lichtmasten und Absperrgittern nähern.

Die Demonstranten planen derweil Aktionen. Es ist die Kletter-Aktivistin Cécile Lecomte, die kurz vor 18 Uhr auf der Zufahrtstraße von sich reden macht. Sie steht auf einem Dreibein, hat sich daran angekettet. „Wenn sie länger dort bleibt“, sagt Tobias Darge, „kann der Transport da jedenfalls nicht langfahren.“ Fahnen schwenkend steht die Kreistagsabgeordnete Britta Kellermann (Grüne) auf der Straße. Sie singt: „Schließt Euch fest zusammen, wehrt Euch, leistet Widerstand gegen das Atomkraftwerk im Land!“ Zwei Anti-Atom-Aktivisten aus Göttingen haben Fahrradschlösser an ihren Hälsen befestigt und sich an ein Krankenhausbett für Kinder gekettet. Über ihnen hängt die Französin in den Seilen. Polizisten haben die Straßenblockade umstellt. Um 18.35 Uhr ist eine Lautsprecherdurchsage zu hören: Ein Beamter stellt fest, die Blockade sei illegal. Sie diene einzig und allein dem Zweck, den Transport zu behindern oder aufzuhalten. „Es besteht die dringende Gefahr, dass die Blockade nicht rechtzeitig geräumt werden kann.“ Das würde den Tatbestand der Nötigung erfüllen und die öffentliche Sicherheit gefährden.

Die Polizei rechnet schon jetzt damit, dass die beiden Speziallastzüge, die die Castor-Behälter von Nordenham nach Grohnde bringen, nicht vor dem frühen Montagmorgen durch das Tor des Kernkraftwerks rollen werden. Es wird eine lange Nacht – das ahnen die Polizisten und die Atomkraftgegner schon jetzt.

Immer mehr Demonstranten schlossen sich gestern der Mahnwache an, die bereits am Freitag vor dem AKW Grohnde begonnen hatte. Am Abend starteten Atomkraftgegner mehrere Protestaktionen. Fotos: ube



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