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„Grob schlampig“

Mordprozess Höxter: Landgericht Paderborn entlässt Gutachter

PADERBORN/HÖXTER. Im Mordprozess um das sogenannte Horror-Haus von Höxter hat das Landgericht Paderborn den Sachverständigen von seiner Aufgabe entbunden. Der Professor der Uni Regensburg hatte sich bei seiner Aussage als Zeuge Mitte November in Widersprüche verwickelt und sich anschließend krank gemeldet. Aus gesundheitlichen Gründen und nach Vorlage eines Attests einer Regensburger Klinik hat das Gericht am Dienstag einen Gutachterwechsel verkündet.

veröffentlicht am 12.12.2017 um 17:28 Uhr

Der psychiatrische Gutachter Michael Osterheider (li.) – hier bei einem früheren Verhandlungstag – ist aus gesundheitlichen Gründen von seiner Aufgabe entbunden worden. Die forensische Psychiaterin und Gutachterin Nahlah Saimeh (re.) übernimmt seine

Autor:

Carsten Linnhoff

Die Ärztliche Direktorin der Gerichtspsychiatrie in Lipp-stadt-Eickelborn soll nicht nur die Angeklagte Angelika W., sondern zusätzlich jetzt auch ihren Ex-Mann Wilfried W. begutachten.

Der 47-jährige Wilfried W. und seine 48-jährige Ex-Frau Angelika W. sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Mehrere Jahre lang soll das Paar Frauen in das Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien.

Der Experten-Wechsel wird das Prozessende nach 36 Verhandlungstagen um weitere Monate nach hinten verschieben. Ein Urteil wird erst im Frühjahr 2018 erwartet.

Der für den Angeklagten Wilfried W. zuständige Sachverständige Michael Osterheider war massiv unter Druck geraten. Bereits am vorletzten letzten Prozesstag im November hatte sich Osterheider krank gemeldet. Als Zeuge war daraufhin sein Mitarbeiter Maximilian Wertz befragt. Aus seiner Aussage ergab sich, dass Osterheider in seinem Gutachten Gespräche des Mitarbeiters mit Wilfried W. als eigene Befragungen des Angeklagten angegeben haben soll. Verteidiger Detlev Binder warf Osterheider daraufhin Lügen und Abrechnungsbetrug vor. Schon zuvor hatte sich Osterheider bei einer Befragung durch Anwalt Binder in Widersprüche verwickelt. Auch in weiteren Punkten widersprach Wertz seinem Chef. Dabei ging es um Aussagen zu sexuellen Vorlieben des Angeklagten.

Binder hatte schließlich beantragt, den Gutachter abzulehnen. „Ihm fehlt es an der Kompetenz, er widerspricht sich ständig und ist als Fachmann einfach nicht glaubwürdig“, sagte der Anwalt. Kurz zuvor hatte er sich lautstark über die Vorgehensweise des Gutachters aufgeregt: „Nicht nur schlampig, sondern grob schlampig.“ Bislang hatte der Angeklagte alle Vorwürfe stets zurückgewiesen und alle Schuld auf die mitangeklagte Angelika W. geschoben.

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