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Lilly und Donatus erreichen mit „Gisela“ das Ziel in Ulan-Ude in Sibirien

Mit zwei Zylindern im Ziel

BÜCKEBURG / ULAN-UDE. Donatus Erbprinz zu Schaumburg-Lippe und seine Mutter Lilly Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg haben es geschafft. Zusammen mit Kopilot Nikolaus Béry aus Österreich überquerten sie wohlbehalten am Sonntag im liebevoll „Gisela“ getauften VW Polo die Ziellinie der Mongol-Rally im sibirischen Ulan-Ude, genau vier Wochen und sechs Tage nach ihrem Start am 17. Juli von Schloss Bückeburg.

veröffentlicht am 22.08.2017 um 14:40 Uhr

Donatus, Lilly, Nikolaus Béry und Gisela auf dem Siegespodest der Mongol-Rally in Ulan-Ude. Foto: pr
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Johannes Pietsch Reporter zur Autorenseite
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Der Erbprinz und die Ex-Frau von Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe sind damit das erst e und bislang einzige Mutter-Sohn-Gespann der Welt, welches sich erfolgreich der Herausforderung der härtesten Wohltätigkeits-Rallye der Welt stellte.

Rund 16 000 Kilometer und 34 Tage voller enormer Strapazen, aber auch schier überwältigender und begeisternder Reiseeindrücke liegen hinter dem Trio, das sich als „Team Subtitled“ auf den Weg machte (unsere Zeitung berichtete bereits einmal). Nachdem auf der Fahrt durch den Iran, Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan unerwartet wenig Hürden auf Erbprinz Donatus, Prinzessin Lilly und Kraftfahrzeug-Spezialist Nikolaus Béry warteten, geriet die Reise auf ihrer letzten Etappe durch Russland und die Mongolei mehrmals zur nervenaufreibenden Geduldsprobe.

Bereits seit dem Iran fuhr das fürstliche „Gisela“-Team im Konvoi mit mehreren Norwegern, die ebenfalls als Ziel das Rally-Finale in Ulan-Ude vor Augen hatten und mit denen sich eine tiefe und intensive Freundschaft entwickelt hatte. Nach der ersten Russland-Etappe durchquerten die Rallye-Teams eine rund 25 Kilometer breite, demilitarisierte Zone, bis sie die Grenze zur Volksrepublik Mongolei erreichten. Dort waren neben den Passkontrollen je drei Stempel vonnöten, um die Fahrzeuge zu importieren. Die ersten beiden wurden anstandslos gewährt, bei dem dritten fiel den mongolischen Grenzbeamten jedoch unvermittelt ein, jetzt unbedingt Feierabend machen zu müssen: Sie schlossen die Tore und beschieden den Rallye-Fahrern kurzerhand, doch bitte morgen wiederzukommen. Sie ließen sich auch nicht durch noch so intensives Zureden des fassungslosen Nikolaus Béry davon abhalten, ihren Feierabend pünktlich anzutreten. Das Team Subtitled, das ebenso wie die anderen Fahrer dank der mongolischen Dienstbeflissenheit eine komplette Nacht verlor, machte aus der Not eine Tugend und funktionierte die Zwangspause zur Grillparty um, zu der sich einige ebenfalls festsitzende Russen nebst Wodkaflaschen gesellten.

In der Mongolei erwartete die Rallye-Teams dann das schwierigste Stück des Wegs aus Geröll, Schlamm und Schotterpisten. Gisela verlor dabei eine Zündspule, was das vom Mindener Autohaus Glinicke gesponserte Rallye-Gefährt nicht davon abhielt, auf zwei Zylindern weiterzufahren. In der Hauptstadt Ulan Bator beschlossen Donatus & Co., die verbleibenden knapp 600 Kilometer bis zum Zielort Ulan-Ude, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien, in einem Rutsch durchzufahren.

Was sicherlich schön gewesen wäre und sogar der treuen Gisela nicht zu viel abverlangt hätte, hätten da nicht die russischen Grenzbeamten beim letzten Grenzübertritt, diesmal von der Mongolei in Richtung Russland, noch ein Wörtchen mitzureden gehabt.

Oder genauer gesagt: Deren Drogenspürhund. Dem fiel nämlich bei der Überprüfung von Giselas Erste-Hilfe-Ausrüstung der Geruch eines ganz bestimmten Rückenschmerzpräparats in die Nase, welches – man möchte es kaum für möglich halten – in der ganzen übrigen Welt völlig legal und rezeptfrei erhältlich, nur ausgerechnet in Russland verboten ist. Nun war guter Rat teuer, zumal das Anschlagen des aufmerksamen Vierbeiners von den Überwachungskameras aufgenommen und damit auch unwiderruflich aktenkundig geworden war. Somit war es auch nicht mehr möglich, das besagte Medikament einfach bei den Grenzern abzugeben und die Fahrt fortzusetzen – es hatte nun alles seinen bürokratischen Gang zu nehmen.

Es kostete die drei Fahrer über zwölf Stunden, einen geradezu aberwitzigen Papier- und Formularkrieg, Fotoaufnahmen, Unterschriften sowie Telefonate mit deutschen Stellen und dem deutschen Konsulat in Moskau, bis das Team Subtitled endlich die letzte Strecke des Wegs bis nach Ulan Ude in Angriff nehmen konnte. „Und das alles wegen acht Tabletten“, kann Erbprinz Donatus bis heute noch nicht recht fassen.

Noch einmal musste sich Gisela durch viele Kilometer Matsch kämpfen, mehr schwimmend als fahrend und auf nur noch zwei Zylindern. Alle drei Insassen fühlten sich zu diesem Zeitpunkt körperlich mindestens genauso mitgenommen wie ihr Gefährt: „Wir hatten seit über 30 Stunden nichts mehr gegessen und nicht mehr geschlafen“, erinnert sich Donatus. Auch die norwegischen Freunde fuhren nach dem Zwangsaufenthalt an der mongolisch-russischen Grenze nicht mehr an ihrer Seite. Doch an einen weiteren Zwischenstopp war jetzt nicht mehr zu denken: „Wir wollten nur noch ankommen.“

Was den drei Subtitled-Fahren nebst Gefährt dann auch gelang. Wobei sie ausgerechnet bei der Zieleinfahrt auf die nahezu zeitgleich eintreffenden Norweger stießen – eine ausgelassene Feier mit über 30 Teilnehmern war die unvermeidliche Folge. Inzwischen haben sich Donatus und Lilly nicht nur von den ärgsten Strapazen erholt (Kopilot Nikolaus Béry trat bereits den Rückflug nach Österreich an), sie trafen auch alle erforderlichen Vorbereitungen für die Rückreise, diesmal allerdings deutlich komfortabler im normalen Linienflugzeug Richtung Europa.

Mitte der Woche werden die beiden fürstlichen Rallye-Piloten in Bückeburg zurückerwartet. Natürlich mit Gisela, denn keine Sekunde verschwendete das Team Subtitled auch nur einen Gedanken daran, nach erfolgreich absolvierter Rallye sein treues Gefährt in den Weiten der sibirischen Steppe zurückzulassen.



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