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Rintelner erpresst Hamelner mit Outing

Mit Sexfotos erpresst: Rintelner nennt Spielsucht als Grund

veröffentlicht am 08.09.2016 um 14:18 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

Hans Weimann
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Gestern stand der 29-jährige M. aus Rinteln vor Gericht, der von einem Hamelner 118 000 Euro erpresst hat. Er hatte den Mann über das Schwulenportal „Planet Romeo“ kennengelernt, sich dessen Vertrauen erschlichen und den Hamelner dazu bewegt, ihm Sex-Fotos zu schicken. Mit der Drohung, diese Fotos öffentlich zu machen, entlockte er dem Hamelner im Laufe mehrerer Monate Beträge zwischen 2500 und 48 000 Euro. Geld, dass sich das Opfer selbst leihen musste und das sich am Ende auf 118 000 Euro summierte.

Absurd wie in einem schlechten Krimi: Der Hamelner musste die geforderten Summen in einem Umschlag am Rintelner Bahnhof deponieren. Die Finanznot des Hamelners war schließlich größer als seine Angst, als Homosexueller geoutet zu werden. Der Hamelner wandte sich an die Polizei. Die schnappte M. im Mai vorigen Jahres, als der gerade wieder Geld am Rintelner Bahnhof abholen wollte.

Auf der Anklagebank leistete M. gestern sein Bruder Gesellschaft. Denn bei dem waren bei einer Hausdurchsuchung der Polizei in einem PC-Tower 35 000 Euro in bar gefunden worden.

Vor dem Schöffengericht mit Richter Christian Rost hatte gestern der Erpresser, der die Tat an sich nicht leugnete, selbstverständlich eine für ihn plausible Begründung, warum er dass getan hat, die gleichzeitig erklärt, wo das Geld geblieben ist: Es habe es verzockt. Er zocke seit rund fünf Jahren bei Fußballwetten.

Im Laufe der Verhandlung ergab sich durch die Akten wie die sporadischen Einlassungen des Angeklagten zumindest ein Bild: Bei drei Wettbüros will M. gezockt haben, „manchmal täglich“, vor allem in einer Sportsbar in Bad Oeynhausen.

In Bad Oeynhausen hatte M. wohl auch ein Spielerkonto. Er will Beträge von 15 000 bis 20 000 Euro pro Wette eingesetzt, mal gewonnen, oft verloren haben.

Angeblich sollen sich auf seinem I-Phone hunderte von Screenshots seiner Spielscheine befinden. Bedauerlicherweise habe er nur das Passwort, den PIN für sein Handy vergessen.

Rost verlas Wettscheine, die die Polizei sicher gestellt hatte mit Namen von exotischen Ligen, von Fußballklubs aus Spanien, England und anderswo, von denen kaum ein Mensch je gehört hat. Auch der Angeklagte nicht, wie er zugab: „Ich kannte die meisten Mannschaften nicht, ich habe einfach getippt“. Ihm sei wichtig gewesen „dass die Quoten hoch waren.“ Gewettet hat M. offensichtlich auf alles, was bei Fußballwetten geht, auch live vor dem Bildschirm, beispielsweise auf: Wer schießt das nächste Tor? Wer gewinnt die erste Halbzeit?.

Weil er auch oft verloren, Gewinne sofort wieder in Wetten umgesetzt habe, hätte er sich laufend bei seinem Bruder, der Familie, Freunden Geld geliehen, sogar einen Kredit aufgenommen.

Trotzdem will angeblich seine Familie von seiner Spielsucht nichts gewusst, angeblich auch nicht von der illegalen Einnahmequelle Erpressung. Wollte Rost von M.s Bruder wissen, ob der sich nicht gewundert habe, als er 35 000 Euro in bar zur Aufbewahrung bekommen habe. Antwort: Nein, er habe gedacht, sein Bruder hätte das Geld beim Wetten gewonnen.

M. ist bereits im März dieses Jahres vom Amtsgericht Burgwedel zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, wo er mit der gleichen Masche einen Mann aus der Wedemark um 2300 Euro erleichtert hatte. Der Mann hatte allerdings die Notbremse gezogen als M. von ihm 50 000 Euro verlangte und die Polizei informiert.

Gegen dieses Urteil legte M.s Verteidiger Berufung ein mit der Begründung, die Spielsucht seines Mandanten sei nicht ausreichend als strafmindernd gewürdigt worden.

In diese juristische Falle wollte Rost nicht laufen und entschied gestern, die Verhandlung wird ausgesetzt, ein psychiatrischer Sachverständiger gehört.

Dass die Diagnose Spielsucht nicht ganz von der Hand zu weisen sei, erläuterte Rost auch mit dem Schreiben eines Therapeuten, der M. behandelt hat. Darin wird M. Kontrollverlust beim Spielen bestätigt.

Ob das die erhofften mildernden Umständen bringt, ist offen, denn bei Spielsucht hat der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil die Hürden hoch gehängt.

Der Strafverteidiger Roman von Alvensleben aus Hameln, der den Hamelner als Nebenkläger vertritt, hat Zweifel, ob M. beim Wetten nicht doch planmäßig vorgegangen sei. Er habe ja auch hohe Gewinne bis 10 000 Euro erzielt.

Von Alvensleben konnte für seinen Mandanten gestern zumindest einen Erfolg vor Gericht verbuchen. Der wird zumindest die 35 000 Euro wieder bekommen, die die Polizei im PC-Tower von M.s Bruder entdeckt hat – vorausgesetzt, die Staatsanwaltschaft stimmt dem zu. Seine finanziellen Sorgen wird das Erpressungsopfer trotzdem wohl nicht so schnell los. Beide Angeklagten sind arbeitslos, M. hat Privatinsolvenz angemeldet.

Wann die Verhandlung fortgesetzt wird, ist offen.



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