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Nabu: Immer wieder Verstöße

Mit Motorboot durchs Brutgebiet

HOHENRODE. Diejenigen, die es beobachtet haben, wollten ihren Augen nicht trauen: Mitten durch die friedvolle Stimmung im Naturschutzgebiet Auenlandschaft fahren Motorboote, mindestens eines davon mit Wasserski dahinter. So geschehen am Sonntag. Die Wasserschutzpolizei ist den Natursündern auf der Spur.

veröffentlicht am 17.07.2018 um 11:26 Uhr

Die Wasserschutzpolizei ist alarmiert und will im Gebiet rund um die Auenlandschaft stärker kontrollieren. Foto: pr
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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„Ich weiß nicht, warum man in einem Naturschutzgebiet so einen Mist machen muss“, schreibt ein Zeuge wenig später erzürnt in einer Rintelner Facebook-Gruppe. „Ich finde es sehr traurig, auf dem Flussseeschwalbenfloß werden gerade kleine Flussseeschwalben großgezogen.“

Bei der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg, Sachgebiet Wasserschutz, ist der Fall bekannt: Ja, dies sei am Sonntagnachmittag gemeldet worden, und man sei so schnell wie möglich vor Ort gewesen, bestätigen zwei Beamte auf Nachfrage der SN. Jedoch: Wegen des Diesel-Teppichs auf der Weser bei Hameln (wir berichteten) habe man erst mit Verzögerung vor Ort sein können. Die Täter habe man also nicht überführen können.

Doch: Sportboote in der Auenlandschaft seien nun schon öfters gemeldet worden. Die Wasserschutzpolizei werde hier daher künftig sehr viel stärker kontrollieren – per Boot sowie per Auto.

Scheue Wasservögel wie die Flussseeschwalbe nisten in der Auenlandschaft. Sie werden schnell aufgescheucht – mit verheerenden Folgen für ihren Nachwuchs. Foto: toll
  • Scheue Wasservögel wie die Flussseeschwalbe nisten in der Auenlandschaft. Sie werden schnell aufgescheucht – mit verheerenden Folgen für ihren Nachwuchs. Foto: toll

Das Gewässer der Auenlandschaft ist auf Höhe des Ortsteils Ahe direkt mit der Weser verbunden. Eine Einfahrt ist durch Schilder als verboten gekennzeichnet. Wer es dennoch macht, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die Bußgeld bedeutet. Je nachdem, welche Schäden im Naturschutzgebiet angerichtet wurden, wird außerdem eine Strafanzeige erstattet.

Die Motorbootfahrer vom Sonntag haben Schaden angerichtet, wie der Rintelner Naturschutzbund (Nabu) in einer Pressemitteilung festhält. Derzeit sei Hauptbrutzeit für die Vögel dort. Motorboote, „die Menschen auf Wasserskiern zwischen Flussseeschwalbenfloß und Sandbank auf dem Wasser entlangziehen“, seien ein klarer Straftatbestand, „da eine streng geschützte und in der Region vom Aussterben bedrohte Tierart in ihrem Brutgeschäft erheblich gestört wird“, heißt es vom Nabu. „Nach so einem Vorfall befinden sich auf der Sandbank und im Wasser für etliche Stunden keine Tiere mehr. Schockierte Besucherinnen und Besucher hatten bereits die Polizei informiert und auch Fotos gemacht.“

Der Vorfall sei sofort bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises angezeigt worden. Gemeinsam mit dem Landkreis Schaumburg will der Nabu nun eine funktionsfähigere Durchfahrtsbeschränkung umsetzen, um solche Vorfälle zukünftig vermeiden zu können.

Gerade die direkte Anbindung zur Weser zieht laut Nabu immer wieder Menschen an, die das Naturschutzgebiet nicht achten. Obwohl sich seit der Zeit des Kiesabbaus an der Einfahrt ein gut sichtbares Schild befinde, welches sämtlichen Wasserfahrzeugen die Einfahrt in das Gelände verbietet. Auch ein Schild mit dem Hinweis auf das Naturschutzgebiet ist vorhanden: Das Befahren der Wasserflächen ist verboten.

„Leider halten sich einige Wassersportler und Freizeitausflügler nicht daran“, sagt Nick Büscher, Vorsitzender des Nabu Rinteln. Bereits seit einigen Jahren würden die Naturschützer immer wieder sowohl Verstöße gegen die Schutzgebietsverordnung als auch gegen die wasserschutzpolizeilichen Regeln feststellen. „Neulich hat sogar eine Gruppe auf der Vogelinsel gepicknickt, die mit dem Schlauchboot dorthin gefahren ist“, sagt Büscher.

Er erklärt die Folgen: Dies mache die Schutzbemühungen des Nabu teilweise zunichte. Bereits eine einzige Störung von Brutvögeln könne dazu führen, dass scheue Arten wie Flussseeschwalbe, Austernfischer, Kiebitz und Flussuferläufer ihre Gelege verlassen, die Eier erkalten und absterben.

Gerade jetzt, während der Ferienzeit, müssten die Naturschützer vermehrt Verstöße gegen die Schutzgebietsverordnung feststellen und zur Anzeige bringen. Doch nicht nur auf dem Wasser-, sondern auch auf dem Landweg seien in letzter Zeit mehr Verstöße verzeichnet worden, so der Nabu weiter. Dies werde durch die sommerlichen Temperaturen verschärft. So wurde etwa das Uferbetretungsverbot nicht eingehalten, weil gepicknickt wurde oder Muscheln gesammelt wurden.

„Auf der Weide am Stichweg, wo Galloways grasen, haben Menschen mit einem Kanu gerastet und sogar ein Lagerfeuer entzündet“, berichtet Büscher. Auch die Anleinpflicht von Hunden besteht ganzjährig auf dem gesamten Gelände, was jedoch ebenfalls nicht immer beachtet werde. „In besonders krassen Fällen wiederholter Missachtung mussten wir als letztes Mittel ebenfalls anzeigen“, berichtet Büscher.

Die Mehrheit der Besucher halte sich jedoch an die Regeln. „Wir möchten, dass sich viele Naturinteressierte auch in Zukunft an der vielgestaltigen Tierwelt der Auenlandschaft erfreuen können. Dazu ist es aber nötig, dass die Menschen respekt- und rücksichtsvoll mit der Natur und ihren Lebewesen umgehen“, lautet Büschers Appell.



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