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Gespräche zur On-Demand-Mobilität

Mit diesen Trends beschäftigen sich die Öffis

HAMELN-PYRMONT. Netflix bietet Videos auf Abruf an – also on demand. Ein ähnliches Konzept könnte es demnächst auch bei den Öffis geben. Nur geht es dabei nicht um jederzeit verfügbare Filme, sondern um Verkehr. Die On-Demand-Mobilität ist nicht der einzige Trend, mit dem sich die Öffis beschäftigen.

veröffentlicht am 05.11.2018 um 13:08 Uhr
aktualisiert am 05.11.2018 um 21:10 Uhr

Anschluss per App: Die Öffis beschäftigen sich mit Mobilität auf Abruf. Unter anderem bietet ein Geschäftszweig der Deutschen Bahn bereits einen individuellen Shuttle-Service, der Fahrgäste auf flexiblen Routen ans Ziel bringt. Foto: Deutsche Bahn AG
Muschik, Moritz

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Moritz Muschik Volontär zur Autorenseite

Auf einer Dienstreise in Frankfurt hat Arne Behrens, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont, das innovative Mobilitätskonzept schon einmal getestet. „Als ich in Frankfurt ankam, hat mich ein Mitarbeiter eines On-Demand-Mobilitätsdienstleisters abgeholt“, erzählt Behrens.

Das Prinzip: Über eine App sieht der Fahrer des Shuttles während der Fahrt, an welcher Stelle ein Fahrgast zusteigen möchte. Die Route wird dann entsprechend angepasst. „Das System hat für den Fahrgast kurze Anmeldevorlaufzeiten und ist effizient“, sagt Behrens. Zur On-Demand-Mobilität führen nun auch die Öffis erste Gespräche.

Bei den Anbietern gibt es zwei Anwendungsseiten: Einerseits buchen und bezahlen Fahrgäste über das Smartphone ihre Fahrt. Auch telefonische Buchungen sollten möglich sein. Eine App für Fahrer wiederum ermöglicht eine Koordination der Fahrgäste und Fahrtanfragen sowie des Navigationssystems. Hinter den Anwendungen steht ein Steuerungstool. „Unsere Mobilitätszentrale kann das im Grundsatz betreiben“, sagt Behrens, der generell das eigene Personal einbinden möchte. Das Besondere: Der Service soll intelligent vernetzt sein mit bereits bestehenden Angeboten im öffentlichen Personennahverkehr.

„Die Nutzung der Öffis soll einfach bleiben“, sagt Arne Behrens, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont. Foto: mo
  • „Die Nutzung der Öffis soll einfach bleiben“, sagt Arne Behrens, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Hameln-Pyrmont. Foto: mo
„So etwas wäre für eine Stadt wie Hameln überlegenswert“, meint Carsten Vetter, Erster Kreisrat. Foto: mo
  • „So etwas wäre für eine Stadt wie Hameln überlegenswert“, meint Carsten Vetter, Erster Kreisrat. Foto: mo

Behrens könnte sich das flexible Mobilitätskonzept als Ergänzung zum klassischen Linienverkehr vorstellen. Dieser wiederum könnte aus seiner Sicht sogar teilweise auf „Kerndestinationen“ verdichtet werden. Teurer als das konventionelle Angebot soll der Service dennoch nicht werden. „Wenn ich durch Mobilitätsketten erreiche, dass ich keinen Zwölf-Meter-Bus bis in die letzte Dorfverästelung fahren muss, kann ich das, was ich einspare, ein Stück weit dafür nutzen, um den Tarif einheitlich zu gestalten“, sagt Behrens und fügt dann hinzu: „Die Nutzung der Öffis soll einfach bleiben.“

Der Geschäftsführer prognostiziert, dass die separaten Tarife für Anruf-Sammeltaxis über kurz oder lang verschwinden werden. „Linienbus, Bedarfsverkehr oder gegebenenfalls auch Carsharing: Wir wollen alles zum gleichen Tarif anbieten“, sagt der Geschäftsführer. Der On-Demand-Service sei eine Möglichkeit, den Nahverkehr attraktiver zu gestalten.

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Auch mit diesen Trends beschäftigen sich die Öffis

Autonomes Fahren: „Auch hier reden wir mit entsprechenden Unternehmen“, sagt Arne Behrens, der aber auch schwierige Fragen sieht, die zu klären sind. „Es wird kein Thema von heute und morgen sein“, so Behrens. Hier müsse man Schritt für Schritt lernen, am besten auch mit einem Pilotprojekt. In Deutschland gebe es derzeit nur sehr wenige Einsatzfälle, die sich allesamt noch im Teststadium befinden.

Carsharing: Behrens sieht im Carsharing auch für Hameln eine Chance. Die Stadt hat Interesse am Thema bekundet. Es könnte in den Umgestaltungsplänen rund um den Bahnhof Berücksichtigung finden. Dies sei aber Sache der Stadt und der Stadtwerke. Die Öffis sehen im Carsharing auch einen Baustein öffentlicher Mobilität. „Wir haben zu Mobilitätsformen außerhalb des Busses grundsätzlich keine Berührungsängste und sind immer daran interessiert, entsprechende Schnittstellen aus Sicht des Kunden zu optimieren und Zugangsbarrieren abzubauen“, sagt der Geschäftsführer.

Intelligentes Verkehrsmanagement: In den neuen Bussen gibt es automatische Fahrgastzählsysteme. „Das hilft uns, entsprechende Daten zu gewinnen und das Angebot besser auf die tatsächliche Nachfrage auszurichten, auch relativ kurzfristig“, so Behrens. „Es fallen jeden Tag große Datenmengen an, die allerdings auch vernünftig bearbeitet werden müssen.“

Barrierefreier Mobilitätsassistent: „Hier wird eine intelligente Box in den Bus eingebaut und unsere App entsprechend konfiguriert“, erklärt Behrens. „Jemand, der nur eingeschränkt sehen kann, wird über Impulse und Benachrichtigungen zu seinem Bus geleitet.“ Hierzu wollen die Öffis demnächst konkreter informieren.

WLAN in Bussen: Fahrgastzählanlagen und der barrierefreie Mobilitätsassistent übertragen Daten. WLAN sei daher „vielleicht irgendwann ein Thema.“ Behrens: „Im Sinne einer Priorisierung haben wir das aber zunächst nach hinten gestellt.“ Zunächst müsse man sich auf die Kernkompetenz konzentrieren.

Neue Fahrscheindrucker: Verkaufsgerät und Bordrechner sind laut Behrens das „Herzstück der Digitalisierung im Fahrzeug.“ Strategisch seien die Systeme fast so wichtig wie neue Busse. Auch hierzu wollen die Öffis demnächst gesondert informieren.

Das sieht auch Carsten Vetter so. „So etwas wäre für eine Stadt wie Hameln überlegenswert“, meinte der Erste Kreisrat zuletzt bei der Vorstellung der neuen Hybridbusse auf dem Betriebshof der Öffis in Afferde. Betriebsleiter Stefan Glinschert merkte dabei allerdings an: „In der Stadt wird es wahrscheinlich sogar mehr Verkehr generieren.“ Dazu gebe es Studien, zum Beispiel zum Einfluss von Fahrdienstvermittler Uber in den USA. „Für den ländlichen Verkehr aber kann ich mir das sehr gut vorstellen“, so Glinschert.

Das weiß auch Arne Behrens: „Für uns ist es an den Außenästen der städtischen Regionen interessant, sehr nachfragegerecht mit der Digitalisierung zu arbeiten.“ Voraussichtlich noch im Dezember steht eine Präsentation beim Landkreis an. Ende nächsten Jahres ließe sich das System bei Klärung aller Fragen umsetzen – wohl zunächst als Pilotprojekt. „Die letztendliche Entscheidung trägt natürlich der Landkreis als Aufgabenträger des ÖPNV, der im kürzlich verabschiedeten Nahverkehrsplan die entsprechenden Rahmenbedingungen formuliert hat“, so Behrens.



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