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Mann soll Jugendamts-Akte des Pflegekindes frisiert haben

Missbrauchsfall Lügde: Bartels stellt Mitarbeiter frei

HAMELN-PYRMONT. Im Zusammenhang mit den sexuellen Gewalttaten an bislang 31 identifizierten Kindern im Alter zwischen 4 und 13 Jahren durch einen ehemaligen Dauercamper (56) aus dem Lügder Ortsteil Elbrinxen hat Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) am Freitag einen Mitarbeiter seines Jugendamtes vorsorglich vom Dienst freigestellt. Der Mann soll ein Aktenvermerk nachträglich hinzugefügt und rückdatiert haben.

veröffentlicht am 15.02.2019 um 14:32 Uhr
aktualisiert am 15.02.2019 um 18:49 Uhr

Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) – hier bei einer Pressekonferenz im Jugendamt Hameln-Pyrmont in der vergangenen Woche – erklärte am Freitag: „Die Glaubwürdigkeit des Hauses ist in jedem Fall beschädigt. Zuvor hatte ein Jugendamtsmitarbeit
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite

Auf Anfrage hieß es dazu in einer E-Mail aus dem Kreishaus, der Mitarbeiter habe am Freitag eingeräumt, „einen Vermerk nachträglich in Akten des Jugendamtes einsortiert zu haben.“ Bis zur Klärung der Vorwürfe bleibe er vom Dienst freigestellt.

Nach Beginn der Ermittlungen im Dezember, aber vor Beschlagnahme der Unterlagen zu dem Missbrauchsfall habe der Mann die Akte „um einen fehlenden Vermerk ergänzen und so die Akte vervollständigen“ wollen. Dabei soll es sich um die Akte der Pflegetochter des Hauptverdächtigen gehandelt haben.

Das Mädchen, dass von kleinauf immer wieder bei dem Dauercamper in Elbrinxen gelebt hatte, war ihm 2017 auf Wunsch der Mutter zur Pflege anvertraut worden. Zwei bereits zu dieser Zeit gegen Andreas V. vorliegende Hinweise wegen möglichen Kindesmissbrauchs dürften von den damit befassten Behördenmitarbeitern entweder fehlgedeutet oder sogar ignoriert worden sein. Die Umstände ermitteln die Staatsanwälte in Bielefeld und Detmold.

Nach Bekanntwerden der Aktenmanipulation am Freitag leitete der Landkreis Hameln-Pyrmont laut Mitteilung umgehend eine interne Prüfung ein. Fest stehe, dass das Verhalten des Mitarbeiters nicht zu tolerieren sei. „Ein fehlender Vermerk in einer Akte geschieht im Büroalltag – diesen Vermerk dann aber im Nachhinein zu erzeugen und rückzudatieren, lässt den Verdacht auf einen Verstoß gegen Dienstpflichten zu – ganz unabhängig davon, ob die eingefügten Informationen falsch oder richtig waren“, erklärte Kreis-Sprecherin Sandra Lummitsch. Und Landrat Bartels ergänzte: „Ich stelle mich konsequent vor meine Mitarbeiter, habe aber ebenso unmissverständlich angekündigt, dass wir mit derselben Konsequenz vorgehen, wenn in unserem Haus vorwerfbar falsch gearbeitet wurde“.

Ohne den Vorgang zum jetzigen Zeitpunkt im Detail bewerten zu können, prüfe man, ob das Verhalten eine Pflichtverletzung darstelle. „Die Glaubwürdigkeit des Hauses ist in jedem Fall beschädigt“, so Bartels weiter. Die Kreisverwaltung habe noch am Freitag mit der eigenen Aufklärung begonnen und sofort die Staatsanwaltschaft Detmold informiert. „Auch der Mitarbeiter hat sich dort gemeldet“, so Lummitsch abschließend.



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