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Milchbauern müssen durch ein tiefes Tal

Hameln-Pyrmont (pj). „Die Situation für uns Milchbauern ist im Moment katastrophal“ – diese Aussage machen die Betroffenen, wenn man sie nach den Preisen fragt, die sie für die Milch bekommen. „Der Protest im Vorjahr hat nichts bewegt“, sagen Cord Fricke und Richard Schütte, die in ihrer GbR hundert Kühe in Welliehausen melken. „Es war ein Kampf für ein halbes Jahr“, urteilt Jörg Pape, Landwirt aus Egge. Der Milchpreis ist heute tief im Keller, bei der letzten Abrechnung bekamen Pape und seine Berufskollegen 25 Cent für den Liter aufs Konto überwiesen. „Jetzt liegen wir bei nur noch 19 bis 20 Cent“, weiß Jörg Pape.

veröffentlicht am 10.04.2009 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:41 Uhr

milchbauern
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Hameln-Pyrmont (pj). „Die Situation für uns Milchbauern ist im Moment katastrophal“ – diese Aussage machen die Betroffenen, wenn man sie nach den Preisen fragt, die sie für die Milch bekommen. „Der Protest im Vorjahr hat nichts bewegt“, sagen Cord Fricke und Richard Schütte, die in ihrer GbR hundert Kühe in Welliehausen melken. „Es war ein Kampf für ein halbes Jahr“, urteilt Jörg Pape, Landwirt aus Egge. Der Milchpreis ist heute tief im Keller, bei der letzten Abrechnung bekamen Pape und seine Berufskollegen 25 Cent für den Liter aufs Konto überwiesen. „Jetzt liegen wir bei nur noch 19 bis 20 Cent“, weiß Jörg Pape.
 Und damit geht es Fricke, Schütte, Pape und den Milchbauern, die an die Molkerei Humana liefern, besser als Berufskollegen, die an andere Molkereien gebunden sind. Jörg Pape, Vorstandsmitglied der zweitgrößten Genossenschafsmolkerei Deutschlands, der Humana Milchunion eG, sagt: „Wir haben Glück gehabt, dass Humana Veränderungen umgesetzt hat – im Rahmen von Strukturmaßnahmen wurden einige Molkereistandorte geschlossen, die Festkosten und die Personalkosten gesenkt. Dies wirkt sich jetzt aus.“ Doch es ändert auch nichts daran, dass die Landwirte „von der Substanz zehren müssen“, wie Cord Fricke und Richard Schütte ebenso erklären wie Jörg Pape oder Carsten Meier-Söffker aus Segelhorst. Ihre Betriebe gehören zu den größeren im Landkreis Hameln-Pyrmont. Und sie machen sich nichts vor, denn „die Gesetze des Marktes schlagen voll durch“.
 Dabei sah es im Vorjahr nach den Protesten im Mai und Juni recht gut aus. Nachdem die Bauern die Milch weggeschüttet hatten, Fricke und Schütte ließen 10 000 Liter weglaufen, stieg der Preis. Noch im September zahlten die Molkereien 37 Cent pro Liter. Als die Bauern die Milch nicht mehr lieferten, „war plötzlich der Marktdruck weg“, erklärt Jörg Pape. „Doch mit den höheren Preisen sank die Nachfrage und die Lebensmittelhersteller und die Industrie setzten statt der Milch mehr pflanzliche Komponenten ein“, erklärt Cord Fricke. Jörg Pape verweist auch auf den „Milchpulverskandal in China, der Auswirkungen auf den Weltmarkt hatte – die Nachfrage weiter sinken ließ“.
 In Deutschland wurde im vergangenen Jahr die Milchquote nicht erfüllt. Je länger die Milchbauern mit den Tiefpreisen auskommen müssen, desto enger wird es für so manchen Betrieb. „Wir brauchen 35 Cent, um kostendeckend zu arbeiten“, betont Cord Fricke. „Landwirtschaft und Milchwirtschaft sind keine Arbeitsfelder, die man einfach an- und ausschalten kann“, erklärt der Welliehäuser. Die Futterkosten für das Vieh bleiben, und wenn auch das Futter und die Düngemittel ein wenig preisgünstiger geworden sind, mit einem Milchpreis um die 20 Cent, lässt sich nicht überleben, wenn noch Abzahlungen für Stallerweiterungen oder Neubauten zu tätigen sind. „Ist die Substanz, von der man zehren kann, geringer, wird der Ausstieg schneller kommen“, darüber machen sich die Bauern keine Illusionen.
 Jörg Pape, in dessen Stall in Egge täglich 70 Kühe gemolken werden, ist „jedoch zuversichtlich, dass es bis zum Herbst wieder besser wird“. Richard Schütte aus Pötzen hadert mit der Unterstützung durch die Verbände: „Das Landvolk eiert nur rum.“ Und Cord Fricke fügt an: „Da wird in der Presse von 90 Millionen Euro gesprochen, die von der EU als Unterstützung der Milchbauern fließen sollen. Doch bei denen wird nichts ankommen, denn das Geld ist für Investitionen gedacht, was in der Konsequenz noch mehr Milch bedeutet. Das Geld kann aber nicht dafür aufgewandt werden, um die Produktionskosten zu senken.“

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