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Wohnungen vergleichsweise preisgünstig / Eigentümer locken mit Extras – und bedauern: Besserverdiener bauen oft selbst

Mieter haben im Weserbergland richtig gute Karten

Weserbergland (mafi). Mancher nennt das Weserbergland „die Toskana des Nordens“. Angesichts der lieblichen Natur, der dörflichen Struktur und der alten Kultur gibt es tatsächlich hübsche Parallelen zu der beliebten italienischen Region, wenngleich der Vergleich für die Niedersachsen vielleicht doch etwas wohlmeinend ist. Bei Wetter, Weinbau, Wellen und Welterbe haben die Menschen rund um Florenz unbestritten die Nase vorn – dafür wohnt es sich längs der Weser nicht nur schön, sondern auch schön preisgünstig. Und zwar nicht nur im Vergleich zu dem Urlauber-Traumziel am Mittelmeer, sondern vor allem auch innerhalb Deutschlands. Auf der Landkarte mit der Mieten-Analyse des Internetportals Immobilienscout 24 bilden die Kreise Holzminden, Hameln-Pyrmont und Schaumburg ein Band des billigen Wohnens. Werden im Bundesdurchschnitt für einen Quadratmeter Wohnfläche 5,80 Euro Kaltmiete verlangt, so sind es in Holzminden 4,55 Euro, in Hameln-Pyrmont 4,76 Euro und in Schaumburg 4,70 Euro. Mit diesen Werten aus dem zweiten Halbjahr 2011 findet sich das Weserbergland im unteren Viertel der Mietpreistabelle: Holzminden auf Rang 180 und Hameln-Pyrmont mit Platz 165 kurz vor Schaumburg (169). Es geht an der Oberweser sogar noch billiger: Der Kreis Höxter belegt bei der Kaltmiete mit einem Quadratmeterpreis von 4,19 Euro Platz 199; nur in den Gebieten um Bad Kissingen in Bayern (4,13 Euro), Wunsiedel im Fichtelgebirge (3,74 Euro) und Lüchow-Dannenberg im dünn besiedelten Wendland (3,71 Euro) verlangen die Wohnungsvermieter weniger Geld.

veröffentlicht am 04.05.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:21 Uhr

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Wunsch und Wirklichkeit beim Mietertrag klaffen nach Erfahrung von Klaus Dieter Neumann oft auseinander – weshalb der Geschäftsführer des Immobilienbesitzervereins „Haus & Grund Hameln und Umgebung“ davon ausgeht, dass die tatsächlich gezahlten Kaltmieten unter den Werten von Immobilienscout liegen. „In Dörfern wie Börry, Haverbeck und Dehmkerbrock können Vermieter froh sein, wenn sie für eine größere Wohnung 4 Euro pro Quadratmeter erlösen“, sagt Neumann. 3,50 Euro seien in den Dörfern üblich. Entscheidend für die erzielbare Miete sind allgemein die Lage, Größe und Ausstattung der Wohnung. Solvente, seriöse Mieter befinden sich nach Einschätzung von Marktbeobachtern in einer starken Verhandlungsposition. Um den Wunschmieter zu locken, seien viele Eigentümer bereit, Bonbons zu verteilen: Dann werde vor dem Einzug noch der Fußbodenbelag erneuert oder das Badezimmer modernisiert. Sei die Wohnung attraktiv, könne sie auch schnell wieder vermietet werden. Neumann rät den Anbietern, Trends auf der Mieterseite nachzuvollziehen. So sei in den Städten ein Autoabstellplatz ein wichtiges Argument, ebenso niedrige Heizkosten, und verstärkt würden heute Balkons nachgefragt.

Im Raum Hildesheim muss laut Statistik eine Miete von 5,19 Euro pro Quadratmeter (Rang 140) bezahlt werden, im Kreis Lippe 5,33 Euro (Rang 130) – auch dies sind unterdurchschnittliche Preise. Selbst in der Region Hannover – gemessen an der Einwohnerzahl von 1,1 Millionen Deutschlands größter Landkreis – sind es lediglich 5,66 Euro (Rang 82). In der Stadt Hannover, die zu den Gemeinden mit der bundesweit höchsten Mieterquote zählt, werden Kaltmieten von durchschnittlich 6,58 Euro verlangt; im Miet-Ranking der größten deutschen Städte rangiert Hannover auf Platz 22. Die Mieten in der Messemetropole sind weit entfernt von dem, was Bewohner in München aufbringen sollen: Im Durchschnitt 11,11 Euro wollen Vermieter in Deutschlands teuerster Stadt erlösen – drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. An der Oberweser ist das Mietenniveau angesichts der moderateren Nachfrage stabiler: Es erhöhte sich binnen zwölf Monaten um nur 0,6 (Holzminden) bis 1,3 Prozent (Hameln-Pyrmont). Grundsätzlich sind die Mieten nach Angaben der Analysten in ländlichen Regionen im Durchschnitt 1,00 Euro pro Quadratmeter günstiger als in kreisfreien Städten. Klaus Dieter Neumann sieht mehrere Gründe für die günstigen Mieten im Weserbergland. So liege die Region außerhalb großstädtischer Speckgürtel – das Einkommensniveau der Bevölkerung sei niedriger als in Orten mit vielen großen Unternehmen und Behörden. Nachteilig für die ländlichen Gebiete und die Vermieter sei außerdem, dass viele Jüngere zwangsläufig fortziehen, wenn sie studieren wollen, und später – als Besserverdiener – auch nicht in ihre Heimat zurückkehren. Gleichzeitig hätten in den vergangenen Jahren von denen, die genug Kapital haben und der Region treu bleiben, viele die Niedrigzinsphase genutzt, um sich ein Haus zu bauen. „Da ist eine beliebte Mietergruppe praktisch verschwunden“, erklärt der Immobilienfachmann. Und er nennt besonders für Hameln noch einen Grund für die niedrigen Preise: Weil es in der Rattenfängerstadt keinen offiziellen Mietspiegel gebe, könnten die Vermieter schlecht einschätzen, was der Markt wirklich hergebe. Neumann meint, „mit 7,00 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter wäre für die Vermieter vieles leichter“. Andererseits sei die Rendite für Immobilien derzeit höher als für viele andere Kapitalanlagen. Und das Ausfallrisiko – etwa durch säumige Zahler – lasse sich bei entsprechender Vorsorge niedrig halten.

Die Mieten in Deutschland werden weiter leicht zulegen, prognostizieren die Experten vom Arbeitskreis der amtlichen Gutachterausschüsse in ihrem Immobilienmarktbericht 2011. Einerseits gebe es einen Trend, in die Stadt zu ziehen, andererseits gingen aber wegen der hohen Mieten in den Zentren wieder mehr Menschen hinaus ins Umland großer und mittlerer Orte.

Kaltmieten 2. Halbjahr 2011 in ¤ pro m²



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