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Bilanz aus 2017 gezogen

Mieses Wetter trübt die Stimmung im Wisentgehege

ALVESRODE. Sturm, Regen, Hochwasser: Nicht nur die Freibäder hatten in diesem Jahr mit dem Wetter zu kämpfen. Auch die Besucherbilanz im Wisentgehege fällt ins Wasser.

veröffentlicht am 29.12.2017 um 09:10 Uhr
aktualisiert am 07.01.2018 um 17:30 Uhr

Timberwölfin Tala während der Überschwemmung: Die Wassermassen verwandelten die Wege in Bäche. Foto: Hennig
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite
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„Das Wetter war das ganze Jahr über schlecht, wir werden deutlich unter den Besucherzahlen des Vorjahres bleiben“, befürchtet Wisentgehege-Leiter Thomas Hennig. Das Hochwasser verwandelte die Wege im Wildpark in Bäche – und auch das Sturmtief „Herwart“ richtete zahlreiche Schäden an und sorgte für die Absage des Hubertusfestes. „Das ist für uns ein dreizehnter Monat.“ Auch die Resonanz der Rotwildwoche sei unter den Erwartungen geblieben. „Das Wetter war schlicht eine Katastrophe.“

Abgesehen von dem vielen Regen und dem Sturm war es aber dennoch ein positives Jahr: Nach langer Suche ist es Hennig im Spätsommer gelungen, wieder ein Fischotter-Pärchen ins Wisentgehege zu bekommen. Sascha und Verena streifen gemeinsam durch das Gehege, spielen und toben ausgelassen – und kuscheln. „Während wir bei anderen Tierarten bewusst auf Zuwachs verzichten, würden wir das bei den Ottern sehr gerne zulassen“, verrät Hennig. Weil Verena aber noch ein sehr junges Weibchen ist, hofft Hennig spätestens 2019 auf Nachwuchs.

Erfreulich sei das Jahr auch für die Wisente gewesen, sagt Hennig. Ihm ist es gelungen, einen Rindertransport nach Russland zu organisieren. An Bord: fünf Wisente. „Keiner hat geglaubt, dass wir das hinkriegen“, berichtet der Wildpark-Leiter. Jetzt stünde der nächste Tiertransport an – dieses Mal in Schweden. Und die haben sich gleich Tipps bei Hennig geholt. In Russland werden die Tiere den Grundstock für zwei frei lebende Herden bilden. „Dort ist man genetisch sehr eng aufgestellt und es fehlen Mutter-Vater-Linien.“ Hinter dem Transport steht für Hennig ein hoher, bürokratischer Aufwand. Er verzichtete kurzerhand auf seinen Sommerurlaub und füllte stattdessen Anträge aus und studierte die Vorgaben in Sachen Veterinärmedizin. „Bevor ich überhaupt überlegen konnte, welche Tiere ich abgebe, musste ich erst mal klären, wie ich sie überhaupt dahin kriege.“ Trotz aller Auflagen sei es sein persönlicher Wunsch gewesen, das Projekt zu realisieren. „Wir haben damit einen wichtigen Beitrag für qualitativ hochwertige Tier-Erhaltung geleistet.“ Gleichzeitig haben die Wisente im Gehege für jede Menge Nachwuchs gesorgt.

Elchkuh Silvia verlor ihre Drillinge nach der Geburt. Foto: Hennig
  • Elchkuh Silvia verlor ihre Drillinge nach der Geburt. Foto: Hennig
Die Fischotter Sascha und Verena spielen ausgelassen. FOTO: HENNIG
  • Die Fischotter Sascha und Verena spielen ausgelassen. FOTO: HENNIG
Und viel Nachwuchs gab es auch bei den Wisenten, etwa Wisentkuh Inga mit Spectra. Foto: Hennig
  • Und viel Nachwuchs gab es auch bei den Wisenten, etwa Wisentkuh Inga mit Spectra. Foto: Hennig
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Elchkuh Silvia verlor ihre Drillinge nach der Geburt. Foto: Hennig
Die Fischotter Sascha und Verena spielen ausgelassen. FOTO: HENNIG
Und viel Nachwuchs gab es auch bei den Wisenten, etwa Wisentkuh Inga mit Spectra. Foto: Hennig
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Gleich zehn Kälber gab es in diesem Jahr, drei von ihnen sind allerdings gestorben. „Die Mutter war sehr alt und hatte nicht genug Milch.“ Eine Handaufzucht kam nicht in Frage, schließlich sollte das Tier in der freien Natur leben und ausgewildert werden. Die anderen beiden Bullkälber wurden von ihren Artgenossen bei Rangeleien verletzt und starben. Immerhin: Sieben haben überlebt. Ganz anders sieht das bei dem Mesopotamischen Damwild aus. Bislang war das „Meso“-Rudel fleißig. Durchschnittlich drei Kälber kamen jedes Jahr zur Welt. Doch in 2017 gab’s zum ersten Mal keinen Nachwuchs. „Das müssen wir ganz genau im Auge behalten“, betont Hennig. Der gesamte Bestand geht nur auf eine Handvoll Tiere zurück. Die Folge: Unfruchtbarkeit und Jungendsterblichkeit. Während in vielen Wildparks keine Fortpflanzung mehr stattfindet, war das im Wisentgehege kein Problem – jedenfalls bislang.

Und auch bei den Elchen wollte sich die Kinderstube nicht so richtig füllen. Die Drillingsgeburt von Elchkuh Silvia sorgte im Mai für großes Aufsehen, schließlich ist das im Wisentgehege noch nie vorgekommen und statistisch auch eher selten. Die Geburt der drei Elchmädchen war eine kleine Sensation – mit traurigem Ausgang. Alle drei sind nach und nach verstorben. „Die Aufzucht ist generell sehr schwer, und die Tiere waren einfach viel zu klein.“

Größte Neuerung für die Besucher sei aber das neue Rentier-Camp. Ähnlich wie beim Falkenhof oder Wölfe hat sich Hennig mit Axel Winter einen externen Fachmann ins Boot geholt. Winter wird nun die Rentiere an Wochenenden und Feiertagen präsentieren. „Bis jetzt haben wir nur mit buchbaren Angeboten gestartet und das ist schon gut angelaufen“, freut sich Hennig.

In diesem Jahr feiert das Wisentgehege seinen 90. Geburtstag – mit zahlreichen Aktionen und einer großen Party im September. Zudem hat Hennig eine Zusage vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, wieder Vielfraße zu bekommen. Derzeit ist das Gehege leer. Außerdem sollen die lang geplanten Toiletten am Falkenhof gebaut werden. Blickt Hennig auf die vergangenen 90 Jahre zurück, kann er sagen, dass das eigentliche Ziel nie aus den Augen verloren wurde: der Erhalt der Wisente. „Dazu haben wir wesentlich beigetragen. Uns geht es im Wisentgehege nicht nur um Einnahmen der Besucher, sondern um ernsthafte Inhalte und darum, die Leute zu informieren.“ So gab es auch einen neuen Rekord an Führungen.

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