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Infiziert mit der Schweinegrippe – wie Betroffene die Krankheit erleben und damit umgehen

„Mich hat es völlig von den Beinen gerissen“

Weserbergland. „Sie haben’s!“ Jens H. (Name von der Redaktion geändert) reagiert wie vom Donner gerührt, als ihm der Laborarzt mit dürren Worten das Ergebnis des Schnelltests übermittelt. „Na, herzlichen Glückwunsch“, denkt sich der Hamelner. „Schweinegrippe – und nun?“ Die Antwort ist recht simpel: Eine Woche „Hausarrest“ und Behandlung mit Tamiflu.

veröffentlicht am 22.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:21 Uhr

Schnupfen, Husten, Fieber – und Quarantäne. Auch im Weserb
Matthias Aschmann

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Matthias Aschmann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Mich hat es völlig von den Beinen gerissen“, berichtet der 37-Jährige. Seit nunmehr sieben Tagen ist er in den eigenen vier Wänden eingesperrt, muss jeglichen Kontakt mit Menschen meiden. Die Schweinegrippe grassiert und hat Jens H. voll erwischt. Er ist einer der bestätigten Fälle im Weserbergland – und zum Glück inzwischen auf dem Wege der Genesung. Mehr noch: Bis auf ein leichtes Hüsteln hat der Patient keinerlei Beschwerden mehr, morgen darf er sogar schon wieder zur Arbeit.

„Die Ungewissheit zerrt an den Nerven“

„Wir waren in London im Urlaub.“ Schon dort, erzählt der Hamelner, habe ihn eine leichte Erkältung geärgert. Nach der Rückkehr in die Rattenfängerstadt habe es dann mit leichtem Husten angefangen, ehe es sich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag der vergangenen Woche dramatisch zugespitzt habe. „Ich habe die ganze Nacht durchgehustet. Am nächsten Morgen hatte ich 39 Grad Fieber, die Nase voll und Gliederschmerzen, wie ich sie so extrem noch nie erlebt hatte.“ Er habe sich kaum auf den Beinen halten können – so schlecht sei es ihm noch nie gegangen. Sein Hausarzt habe ihn gleich zum Hamelner Labor geschickt – schon am Abend habe das unerfreuliche Ergebnis vorgelegen. Seine Lebensgefährtin (30) habe er telefonisch im Fitnessstudio erreicht und gezwungenermaßen umgehend nach Hause geordert. Als Kontaktperson ersten Grades muss sie mit in die häusliche Quarantäne. Erst sei sie baff gewesen und natürlich in Sorge – inzwischen „angefressen“, weil es ihr rundum gut gehe und ihr mehr und mehr die Decke auf den Kopf falle.

Sabine K. (Name geändert, Red.) aus der Samtgemeinde Bodenwerder hütet derzeit ebenfalls das Bett. Sie zählt zu den zahlreichen Verdachtsfällen im Weserbergland, zu den Patienten mit Grippesymptomen, die vorsorglich unter häusliche Quarantäne gestellt wurden. Inzwischen liegt ihr Testergebnis vor: negativ. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, erzählt die 57-Jährige. Aber die Zeit unter Hausarrest sei furchtbar gewesen. Vor allem die Ungewissheit habe an den Nerven gezerrt – unabhängig davon, dass man natürlich auch noch mit hohem Fieber (knapp 39 Grad) und den typischen Grippesymptomen im wahrsten Wortsinn flach liege. Krank ist sie noch immer, die Erleichterung jedoch mehr als spürbar. Kurz vor Ausbruch der Krankheit habe man noch im großen Kreis gefeiert, so viele Freunde und Bekannte geherzt wie schon lange nicht mehr. Sabine K.: „Ich hatte riesige Angst, dass ich nun alle angesteckt habe.“

Sohn brachte „Essen auf Rädern“

Der psychologische Aspekt der Ungewissheit sei schon mehr als bedrückend. Allein der Verdacht auf Schweinegrippe habe sie wie ein Keulenschlag getroffen. „Kaserniert“ zu sein, sei da eher weniger schlimm. Man liege ja ohnehin im Bett. Für ihren Ehemann, der mit ihr vorsorglich unter Quarantäne gestellt worden war, gab es inzwischen ebenfalls Entwarnung. Auch er litt an Grippesymptomen. Versorgt wurde das Paar in dieser Zeit vom Sohn, der als fürsorglicher Kurier „Essen auf Rädern“ brachte und die Dinge für den täglichen Bedarf vor die Tür stellte.

Jens H. zollt als Betroffener insbesondere dem Gesundheitsamt Hameln-Pyrmont großes Lob. Man habe sich intensiv um ihn gekümmert – schon am Abend, als die Diagnose gestellt wurde. Natürlich habe er sich so seine Gedanken gemacht, rate jetzt aber allen, sich bloß nicht verrückt zu machen. Das Medikament Tamiflu wirke ausgezeichnet, müsse zudem nur fünf Tage lang eingenommen werden.

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