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Oldtimer zum auf Tour in Norddeutschland / Heute Schautag in Faßberg

Luftbrücken-Jubiläum: Rosinenbomber im Anflug

Die „Rosinenbomber“ sind in die Heide zurückgekehrt. Die bei der Luftbrücke von 1948/49 bewährten Maschinen sind am Donnerstag in Faßberg bei Celle eingetroffen. Auch am Himmel über dem Weserbergland waren sie zu beobachten. Die Luftbrücke brachte nicht nur für die Berliner die Wende, auch in Niedersachsen war sie für viele ein Segen.

veröffentlicht am 14.06.2019 um 15:28 Uhr

Fast wie damals in Berlin: Im Formationsflug erreichen die Oldtimer den Heideflugplatz Faßberg. Dort können die „Rosinenbomber“ am Samstag bestaunt werden. Foto: dpa

Autor:

Ralf E. Krüger und Peer Körner
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Durch die Luftbrücke für das von den Sowjets eingeschlossene West-Berlin gab es in den harten Nachkriegsjahren an den Flugplätzen plötzlich nicht nur Kaugummi und Schokolade, sondern Jobs und ungeahnte Einnahmequellen. Das kleine Faßberg im Kreis Celle erlebte einen Aufschwung. An das dramatisch Geschehen während des Kalten Krieges wird jetzt erinnert. Eine Luftflotte betagter „Rosinenbomber“ startete am Donnerstag in Erbenheim bei Wiesbaden zu Zielorten in Norddeutschland. Bei bestem Flugwetter wurden die fliegenden Oldtimer gegen Mittag über der Region Hannover gesichtet. Sie waren zunächst unterwegs zu Landeplätzen im schleswig-holsteinischen Jagel und in Nordholz-Spieka bei Cuxhaven, später trafen sie in Faßberg ein. Seit Mittwoch ist Gail Halvorsen dort. Der heute 98 Jahre alte US-Pilot warf während der sowjetischen Blockade Süßigkeiten für Berlins Kinder ab und wurde als erster „Candy Bomber“ Symbol für die Hilfsaktion. Die Berliner setzten ihm sogar ein Denkmal.

Briten und Amerikaner flogen 1948/49 lebensnotwendige Güter für die damals 2,2 Millionen Einwohner in die eingeschlossenen Westsektoren Berlins. Die Sowjetunion hatte als Antwort auf die Einführung der westdeutschen D-Mark die Land- und Wasserwege blockiert und den Strom abschalten lassen. Die Westalliierten beugten sich nicht. Sie schickten Maschinen mit rettender Fracht, mit Lebensmitteln und Medikamenten. Mehr als 270 000 Flügen wurden absolviert. Die DC-3, die als Militärversion C-47 heißt, spielte dabei die zentrale Rolle.

„Damit kam ganz viel Geld nach Faßberg, die Kneipen wuchsen wie Pilze aus der Erde“, erinnert sich Manfred Gerlach (80) an den Beginn der Luftbrücke. Er war zehn Jahre alt, als es im Sommer 1948 losging. „Meine Mutter hat ein Zimmer vermietet. Vorher haben wir gehungert, plötzlich kam mit den Amerikanern Geld und Wohlstand. Wir konnten wieder gut leben. Die Amerikaner waren sehr nett, wir kamen gut mit ihnen aus. Sie gaben uns Schokolade und Kaugummis.“ Und zwischenmenschlich funktionierte es auch. „Wir haben mit den amerikanischen Kindern Fußball gespielt, da waren viele Jungs in meinem Alter dabei“, berichtet Gerlach. „Außerdem kamen viele junge Mädchen nach Faßberg, die mit den Amerikanern befreundet sein wollten.“ Auch andernorts ließen diese ihren Sold: „Wenn Zahltag war, kamen Taxen aus dem ganzen Landkreis und haben die Soldaten etwa nach Hamburg, Lüneburg, Hannover und Celle gefahren“, erzählt Gerlach.

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Grafik: mib

Nun darf der Senior vertraute Geräusche über dem Ort hören: den Motorenlärm der Propellerflugzeuge. Maschinen mit Namen wie „Virginia Ann“, „Placid Lassy“ und „Miss Montana“ sind dabei, auch eine schwedische „Daisy“. Organisiert wird das Treffen von einem Förderverein. Auf dem Militärplatz, wo die Bundeswehr heutzutage Hubschrauberpiloten schult und zu Luftbrücke-Zeiten vor allem Kohle für West-Berlin geladen wurde, wird laut Mit-Organisator Thomas Keller der Fokus liegen. „Wir hatten 40 000 angemeldete Besucher in Wiesbaden, aber in Faßberg werden es nach Schätzungen deutlich mehr sein“, sagt er. Der Stützpunkt Wunstorf, auf dem einst die Luftbrücke anlief, kam aus logistischen Gründen für das Event nicht in Betracht. Von dort werden aber die Transportmaschinen vom Typ A400M am Samstag (15. Juni) nach Faßberg fliegen, um unter dem Motto „Luftbrücken früher und heute“ am „Tag der Bundeswehr“ teilzunehmen. Auch die DC-3 werden dann wieder landen, nachdem sie von einem Rundflug über Bremen, Hamburg und Jagel zurückgekehrt sind. Sie werden begleitet von historischen Trainingsflugzeugen des Typs T6, einmotorige Tiefdecker, mit denen im Zweiten Weltkrieg Piloten ausgebildet wurden. „In Faßberg werden auch noch einige Zeitzeugen aus Berlin dabei sein“, verspricht Keller. Dabei handelt es sich um West-Berliner, die einst als Kinder die Maschinen beobachteten. „Das ist ein einmaliges Zeichen der Völkerverständigung“, sagt Keller.

Den weitesten Anreiseweg hat eine Maschine aus den USA. Bei der DC-3 handelt es sich um einen der zuverlässigsten und am längsten im Einsatz befindlichen Flugzeugtypen überhaupt. Einige wurden mit modernen Propellerturbinen ausgestattet. Sie fliegen am Polarkreis ebenso wie in Lateinamerika oder Afrika – auch heute noch. Bei den meisten der nach Deutschland gekommenen Maschinen handelt es sich um private Sammlerstücke.

Information

Programm

Tag der Bundeswehr am Samstag, 15. Juni, auf dem Fliegerhorst in Faßberg:

  • 9 Uhr: Einlass.
  • 9.15 Uhr: Ökumenischer Standortgottesdienst.
  • 10 Uhr: Offizielle Eröffnung.
  • 10.30 bis 12 Uhr: Flugprogramm.
  • 12.30 Uhr: Ansprache Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.
  • 13 bis 14 Uhr: Rahmenprogramm.
  • 14 bis 15.30 Uhr: Flugprogramm.
  • ab 16 Uhr: Abflug der Rosinenbomber nach Berlin.
  • 10 bis 17 Uhr: Bühnenprogramm mit Interviews; Filmvorführungen; Fahrzeug- und Geräteschau; Kinderprogramm, Imbissmeile.


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