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Verteidiger will neuen Zeugen hören

Lügder Parkplatz-Prügelei: Plädoyer zögert Urteil hinaus

HANNOVER / LÜGDE / BAD PYRMONT. Der Prozess gegen vier Pyrmonter wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung eines damals 15-jährigen Lügders am 30. Januar 2015 hat vor der Jugendkammer 1 des Landgerichts Hannover noch kein Ende gefunden. Wider Erwarten. Aber die Sache ist kompliziert: Zwei der vier Täter trugen Masken.

veröffentlicht am 24.01.2018 um 23:09 Uhr

Drei der vier Angeklagten verbergen vor Verhandlungsbeginn am Landgericht Hannover ihre Gesichter. Einer von ihnen wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Er wird einer gefährlichen Körperverletzung in einem anderen Fall verdächtigt. Foto: jl Dre
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Wenn es nach Oberstaatsanwalt Peter Klages geht, dann werden die jungen Männer in diesem Berufungsverfahren allerdings nicht so glimpflich davonkommen wie mit dem ersten Urteil vom 1. März 2017 am Amtsgericht Hameln.

Für den ersten Angeklagten (20), der in erster Instanz als Einziger verurteilt worden war (zu einer Woche Dauerarrest und der Zahlung von 250 Euro) forderte der Anklagevertreter nun 15 Monate Jugendstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung, sowie die Zahlung von 1500 Euro. Der Pyrmonter soll den Lügder zum Parkplatz zitiert haben, um ihm eine Abreibung zu geben, weil der seinen jüngeren Bruder beleidigt habe. Ein Wiederaufflammen des bei einem ersten Treffen eigentlich beigelegten Streits hatte offenbar eine Whatsapp-Nachricht des späteren Opfers ausgelöst. Davon fühlte sich der Pyrmonter wohl provoziert.

Der zweite Angeklagte (27) soll den Begleiter des Lügders zwar nur einmal geschubst haben. Laut Oberstaatsanwalt sind diesem älteren Bruder des mutmaßlich maskierten Schlägers jedoch die Tatbeiträge der anderen zuzuschreiben. Außerdem stand er zur Tatzeit wegen einer anderen Tat unter Bewährung. Für ihn forderte Klages zwei Jahre ohne Bewährung. Für seinen jüngeren Bruder (22) hielt er 18 Monate, ebenfalls ohne Bewährung, für angemessen. Er wurde aus der U-Haft zur Verhandlung vorgeführt. Dort saß er als Verdächtiger wegen einer anderen gefährlichen Körperverletzung. Für den vierten Angeklagten, den mutmaßlich zweiten Maskenträger, forderte Klages 15 Monate auf Bewährung sowie 2500 Euro Geldstrafe.

Mit ihren 20, 22 und 27 Jahren sind die vier Pyrmonter zwar noch relativ jung. Aber offenbar längst „alte Bekannte“ der örtlichen sowie der lippischen Polizei. Zuzuschlagen scheint den Kumpels mit den Muckibuden-Oberarmen nicht fremd. Und sie haben sich scheinbar eingerichtet in der Rolle der Bad Boys. Dafür spräche zumindest, dass das Quartett bisher – vielleicht auf Anraten seiner Anwälte – keine Veranlassung sah, den heute 18-jährigen Lügder um Verzeihung zu bitten für die schweren Verletzungen, die die Schläge und Fußtritte vor drei Jahren vor drei Jahren bei ihm angerichtet haben sollen: „Eine Gehirnerschütterung, Knochenbrüche hinter dem Auge und ein gebrochenes Nasenbein“, zählte der Anklagevertreter auf. Mehrere Krankenhausaufenthalte und Operationen waren die Folge. Nur der erste Angeklagte ließ seinen Verteidiger Roman von Alvensleben sein Bedauern über das ausdrücken, was auf dem Lügder Jibi-Parkplatz passiert war.

Zwar brachten der Oberstaatsanwalt und Dr. Christian Tennie als Vertreter des damals krankenhausreif getretenen und (mit Quarzsand-gefüllten Schlaghandschuhen) geprügelten Nebenklägers sowie die Verteidiger der Angeklagten ihre Schlussvorträge in nicht einmal zwei Stunden über die Bühne. Und die Angeklagten schwiegen. Das letzte Plädoyer aber vereitelte die Urteilsfindung für zumindest den vierten Angeklagten. Denn dessen Verteidiger Jerrit Scholl zog – wie zwei seiner Kollegen seinen Mandanten belastende Aussage seines mitangeklagten Kumpels grundsätzlich in Zweifel. Scholl richtete den Fokus – dennoch auf Basis dieser Aussage – obendrein plötzlich auf einen weiteren jungen Mann, der im Prozess bisher keine Rolle spielte. Dieser heute 23-Jährige soll als „Beschützer“ des Pyrmonters an dem friedlichen ersten Treffen der zunächst zwei Kontrahenten teilgenommen haben. Die Frage „Warum dann nicht auch am Tatabend?“, lag für Scholl auf der Hand. Zumal die von einem Zeugen gegebene Täterbeschreibung eher zu diesem Mann passe als zu seinem eher groß gewachsenen Mandanten. Deshalb beantragte der Verteidiger, den 23-Jährigen als Zeuge zu laden.

Der Versuch von Richter Stefan Lücke, den Pyrmonter schnell nach Hannover zu zitieren, misslang jedoch. Er ist nach Ostdeutschland verzogen. „Das führt dazu, dass wir heute nicht zum Ende kommen“, sagte der Kammervorsitzende. Die Überlegung, immerhin drei Urteile zu sprechen, verwarf er.

Die vier Pyrmonter werden also ein weiteres Mal auf der Anklagebank der Jugendkammer Platz nehmen müssen. Wie das Verfahren weitergeht, wird sich am 12, Februar ab 10 Uhr zeigen.

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