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Stoß- und Querlüften nur schwer möglich

Lüftungsproblem: Kaum Fördermittel für jahrzehntealte Grundschul-Fenster

Das Alter der Fenster in der Grundschule Bisperode schätzt Schulleiterin Silke Stenger in einem Gespräch vor den Sommerferien auf 40 bis 50 Jahre. Fünf Jahrzehnte, in denen die Fensterflügel wegen der Unfallgefahr nur auf Kipp geöffnet werden durften.

veröffentlicht am 07.09.2021 um 14:30 Uhr

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Reporterin

BISPERODE. Der komplette seitliche Schwenk sei zwar möglich, werde aber nie genutzt. Der wurde erst mit den Lüftungsvorschriften während der Pandemie vor und seit einem Jahr aktiviert. Wobei sich zeigte, dass die Jahre auch am Gusseisen nicht spurlos vorübergehen. Beim Stoß- und Querlüften, 20 Minuten geschlossen, 5 geöffnet, 20 geschlossen. „Da schlagen die Fenster schon mal zu“, so Stenger. Dreimal seien sie einer Lehrerin und den Reinigungskräften – zum Glück ohne Verletzungen – entgegengefallen. „Weil die alten, gusseisernen Scharniere ausbrechen und abgängig sind.“ Und die, so das Problem, seien heute serienmäßig nirgends mehr auf dem Markt.

Fazit einer Fachfirma nach Kontrolle aller Fenster: 50 neue Scharniere müssten her. Spezialanfertigungen aus der Schlosserei. Womit nicht von heute auf morgen gerechnet werden könne, so die Erfahrung in der Grundschule Bis-perode. „Wir warten jetzt seit Februar, sind immer wieder vertröstet worden“, klagt Silke Stenger. „Unser Glück im Dilemma: Eine Klasse konnte ausgelagert werden, da wir aktuell nur eine, nicht zwei Dritte haben.“

Provisorische Hilfe brachte vorübergehend das handwerkliche Geschick des Hausmeisters, der Flurfensterscharniere aus- und in Klassenraumfenster einbaute. Keine Dauerlösung, so Stenger. Weil nun eben im Flur nicht mehr groß gelüftet werden könne. Da müsse der Durchzug von den Klassenräumen reichen. „Fest steht: Das Lüftungsproblem und seine langfristige Lösung bleiben auf der Tagesordnung. Warten wir die Sommerferien ab. Dann wird auch das Förderprogramm zu Lüftungsanlagen und festinstallierten Raumlüftungsgeräten, die Luftaustausch und Filterfunktion mit Hepa-Filtern gewährleisten, auf dem Tisch liegen.“

In der Tat: Pünktlich zum Ende der Sommerferien wurde jetzt die Förderrichtlinie des Landes Niedersachsen zu den Lüftungsmaßnahmen veröffentlicht. „Allerdings nicht so, wie wir das gerne gehabt hätten, sondern mit deutlich mehr Steinen im Weg, als gewünscht“, stellt Hauptamtsleiter Jan Wiwiorra auf Nachfrage fest. Die Förderfähigkeit jedes einzelnen Klassenraumes, erklärt er, werde nach Kategorien bewertet. Klassenräume mit weit zu öffnenden Fenstern, wie beispielsweise in Coppenbrügge, seien nicht förderfähig.

Die Fenster in der Grundschule Bisperode konnten nach Auskunft von Silke Opitz aus dem Coppenbrügger Bauamt auch bis zum Ferienende noch nicht repariert werden. Die beauftragte Schlosserei warte bis heute auf die benötigten Materialien. Die Fensterproblematik bleibe zwar erhalten, lasse aber auf Förderung mobiler Luftfiltergeräte hoffen, heißt es aus dem Rathaus. „Wir werden mit der Bewilligungsbehörde in Hannover abklären, inwieweit die von uns im Vorfeld angefragten Geräte förderfähig sind“, erklärt der Hauptamtsleiter. „Bei einem ‚Go‘ werden die sofort beschafft und gehen innerhalb weniger Tage an die Schule.“ Der Förderbetrag des Landes liegt bei 4600 Euro für die Kommune als Schulträger. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, meint Wiwiorra und weist auf die Kostenspanne förderfähiger Geräte hin. Die reiche von 400 bis 3000 Euro. Und nicht immer sei ein Gerät allein ausreichend für einen Klassenraum. Er erinnert: „Wir haben in den Ausschusssitzungen, im Verwaltungsausschuss und im Rat grundsätzlich beschlossen, dass unsere Gebäude mit Luftfiltertechnik ausgestattet werden sollen. Da muss der Rat gegebenenfalls der Verwaltung die Vollmacht geben, dass die Kosten der Geräte über das Fördervolumen hinausgehen.“ Und dieser Beschluss behalte auch in der kommenden Legislaturperiode Gültigkeit. Solange keine Änderungen der „neuen“ Vertreter eingebracht und beschlossen würden. Bisperode zumindest kann erst mal ein wenig durchatmen.



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