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Traumberuf ade: Lokführermangel bremst nicht nur Nordwestbahn aus

Lokführer verzweifelt gesucht

veröffentlicht am 07.09.2016 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

Michael Evers
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Betroffen ist zurzeit das Netz der Regio-S-Bahn im Großraum Bremen. Ursache ist ein ungewöhnlich hoher Krankenstand. Darüber hinaus aber haben Bahnunternehmen generell Schwierigkeiten, Lokführernachwuchs zu finden. „Strukturell ist der Markt für Lokführer in Deutschland leergefegt“, sagte der Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, Reiner Peters.

„Einer der ganz wesentlichen Gründe: Schichtdienste schrecken ab“, erklärte Peters. Und selbst die, die sich für die Arbeit vorne auf der Lokomotive entschieden haben, springen mitunter ab. Da eine technische Vorausbildung Voraussetzung für die Ausbildung zum Lokführer ist, kehrt so mancher in seinen ursprünglichen Beruf in der Industrie zurück. „Auch wenn er da am Band stehen muss, hat er geregelte Arbeitszeiten“, sagte Peters. Außerdem müssen die Bahnunternehmen bei der Auswahl künftiger Lokführer wählerisch sein. „Sie können nicht jeden nehmen, sie brauchen Leute, die Verantwortung tragen“, sagte Peters.

„Bundesweit ist das Problem, dass sehr wenig Kollegen zu bekommen sind“, sagte NWB-Sprecherin Nölke. „Wir bilden selber Lokführer aus in speziellen Lehrgängen“, außerdem gebe es Werbekampagnen für den Beruf: „Es ist eine Herausforderung, Personal zu finden.“ Antreten müssen die Menschen von der Bahn sieben Tage in der Woche, fast rund um die Uhr. „Es gibt Schichten, die beginnen nachts um 2.30 Uhr, das muss man natürlich auch wollen als Arbeitnehmer.“ Bundesweit sind bei der Bundesagentur für Arbeit aktuell 469 freie Lokführerstellen registriert. Die durchschnittliche Vakanz von 205 Tagen zeigt, dass Kandidaten nicht Schlange stehen. Keine Probleme bei der Nachwuchssuche meldet zwar die Deutsche Bahn. Am Donnerstag starteten bundesweit 440 Auszubildende, wie ein DB-Sprecher sagte. Ein Grund wird sein, dass sich Lokführer nach ihrer Ausbildung auch für andere Tätigkeiten weiterqualifizieren können. „In den Ballungsräumen haben wir auch Schwierigkeiten, fertige Lokführer ausreichend zu finden“, räumte der Bahnsprecher ein. Ein hoher Krankenstand bei Lokführern zwang vor einigen Jahren bereits den Metronom, punktuell Züge aus dem Fahrplan zu nehmen. Im vergangenen Jahr war die Erixx-Bahn in Ostniedersachsen betroffen.

Bei der Nordwestbahn wird unterdessen mit Hochdruck an der Beseitigung eines Wartungsstaus bei Zügen gearbeitet, der in den kommenden Tagen zu Ausfällen im Raum Hameln/Hildesheim führen kann. Für die auf der Linie Bünde-Hildesheim-Bodenburg eingesetzten Dieseltriebwagen hatte die NWB Anfang August die Wartung vom Hersteller Alstom übernommen. Bis Mitte September soll hier alles wieder nach Fahrplan laufen.

Info: 1200 Stellen zu vergeben

Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr 1200 Lokführer einstellen. Diese Zahl geht aus einer Übersicht hervor, die das Unternehmen vor der kommenden Tarifrunde zusammengestellt hat. Dabei handele es sich um Quereinsteiger und neue Auszubildende. Derzeit seien konzernweit 360 Lokführer und 68 Zugbegleiter im Einsatz, deren Stellen über den eigentlichen Bedarf hinausgingen, heißt es in dem Papier der Bahn. Mit deren Hilfe sollen Überstunden und nicht genommene Urlaubstage abgebaut werden. Seit Ende 2014 seien 640 000 von mehr als 2,1 Millionen Stunden an Mehrarbeit und Urlaubsansprüchen abgebaut worden. Wie mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) vereinbart, sollen bis Ende 2017 eine Million Überstunden bei den Lokführern abgebaut sein. Die GDL ist dennoch unzufrieden. „Es fehlen bundesweit 800 bis 1000 Lokführer“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Norbert Quitter. Probleme gebe es momentan neben der Nordwestbahn in Bremen beim Harz-Elbe-Express in Sachsen-Anhalt und den S-Bahnen in München und Stuttgart. Anfang Oktober beginnen Tarifverhandlungen der Bahn mit der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).



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