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Spektakulärer Schwerlasttransport von Hemeringen nach Aerzen

Logistische Perfektion für den Windpark

AERZEN/HESSISCH OLDENDORF. Dass ein spektakulärer Transport in Hemeringen bevorsteht, hatte sich unter den Einwohnern herumgesprochen. Als das Spezialfahrzeug dann mittags mit dem 62,5 Meter langen Rotorblatt durch die Straßen mit dem Ziel Aerzen rollt, übertrifft das aber die Vorstellungskraft der Schaulustigen.

veröffentlicht am 07.02.2018 um 17:55 Uhr

Foto: ube

Autor:

Ulrich Behmann und Christian Branahl
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Fotoapparate und Handys halten sie nach oben, um den ungewöhnlichen Transport im Bild oder als Video festzuhalten. Immer wieder hebt der sogenannte Blade Lifter das Rotorblatt, das künftig im Aerzener Windpark in der Lachemer Forst Strom produziert, an. Fast senkrecht können die Experten, die das Spezialfahrzeug in Richtung Posteholz dirigieren, die Schwergewichte aufrichten. Alles eine Frage der perfekten Planung. Routine? „Nein“, sagt Manuel Deistler. „Es darf nie zur Routine werden – sonst schleichen sich Fehler ein.“

Alles läuft glatt. Die Sonne scheint – und vor Deistler rollen 64 Räder auf acht Achsen durch Hemeringen. 88 Tonnen schwer ist der selbstfahrende Blade Lifter, den der Transportkoordinator per Fernbedienung steuert. Der 530 PS starke Flügel-Transporter hat 1,5 Millionen Euro gekostet. Das Spezialfahrzeug des Transportlogistikers Schwandner aus dem bayerischen Pfreimd ist eines von dreien in Deutschland. Deistler fährt ein 62,5 Meter hohes und 16 Tonnen schweres Rotorblatt einer Windkraftanlage vom Typ Vestas 126 vom Kreisel bei Hemeringen zum Windpark nach Egge.

Sechs bis zwölf Kilometer pro Stunde erreicht der Mega-Transporter. Der Koordinator fährt den Blade Lifter höchstpersönlich. Gelernt ist gelernt. Deistler weiß, was er tut. Er spielt gekonnt an den kleinen Hebeln seiner Fernsteuerung, die vor seinem Bauch hängt. Das Rotorblatt wird nicht nur liegend transportiert, sondern teilweise aufrecht in einem Winkel von bis zu 60 Grad. „Damit kommen wir durch fast jede Engstelle“, sagt Deistler. Vorteil: Die Eingriffe in die Natur halten sich in Grenzen, nicht mehr Grün als nötig muss verschwinden, besonders im Waldstück. Und die Rotorblätter seien nun einmal „der heikelste Punkt“ der Anlagen. Bei Schäden müssten sie zurück in die Fabrik, sagt Deistler. Ein Kollege steuert derweil den Flügel. Er kann ihn auf Knopfdruck heben und senken, ihn drehen. 360 Grad sind kein Problem. Die Technik macht’s möglich.

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Schwertransport rollt durchs Weserbergland
Quelle: Jens Riesener / Christian Branahl / Ulrich Behmann

Neun Flügel werden Deistler und seine Männer nach Egge bringen. In der Nacht waren vier Schwertransporter aus Dänemark durch Hameln bis zum Kreisel gerollt. Drei hatten Flügel geladen, waren je 62 Tonnen schwer und 67 Meter lang. Der vierte Lastzug sei nur 25 Meter lang gewesen, dafür aber 111 Tonnen schwer, sagt Hauptkommissar Siegfried Motzner. Streifenwagen begleiteten die Schwertransporter mit Blaulicht.

Im Vergleich zum Rotorblatt eines Windrads wirken Autos und Lkw nahezu winzig. Fotos: cb
  • Im Vergleich zum Rotorblatt eines Windrads wirken Autos und Lkw nahezu winzig. Fotos: cb
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Ist die Straße auch noch so eng: Die Transportfahrzeuge müssen hier durch. Die Aktion lockte etliche Schaulustige vor die Haustür.
  • Ist die Straße auch noch so eng: Die Transportfahrzeuge müssen hier durch. Die Aktion lockte etliche Schaulustige vor die Haustür.

Ein logistischer Kraftakt mit Akribie und langem Vorlauf – schon im vorigen Sommer hätten die Streckenplaner die Situation vor Ort in den Blick genommen, erzählt Deistler. Ein eigenes Team gebe es dafür, das die Fahrtwege ausmisst, überlegt, wo Bäume beschnitten und Schilder abgehängt werden müssen. International geht es auf dem Lagerplatz am Kreisel zu. Firmen aus Deutschland, Polen und Dänemark koordinieren die Aufgaben.

Auf dem ehemaligen Militärgelände in der Lachemer Forst liefen im Vorfeld die Arbeiten auf Hochtouren. Die drei alten Windräder sind längst demontiert. 2500 Tonnen Beton der bisherigen Fundamente galt es zu recyclen. Fachfirmen bewegten rund 10 000 Kubikmeter Boden für die Baugruben und Kranplätze, mit 15 000 Tonnen Schotter befestigten sie die Flächen, wo in Kürze der Aufbau der Windkraftanlagen mit den 137 Meter hohen Türmen beginnt. Die Dresdner Boreas Energie GmbH will die Anlagen im Frühjahr in Betrieb nehmen.

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