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Abschied von der politischen Bühne auf Raten – mit dem ersten Akt am Samstag

LöMö sagt langsam Tschüss

Ihr Terminkalender ist prall gefüllt. Heute Abend wird sie erst spät aus Berlin wieder zu Hause sein, kurz durchschnaufen und sich dann auf den Parteitag des SPD-Unterbezirks Hameln-Pyrmont vorbereiten. Seit 18 Jahren ist Gabriele Lösekrug-Möller der führende Kopf des SPD-Unterbezirks – morgen tritt die heimische Bundestagsabgeordnete nicht wieder an, wird den Vorsitz wie angekündigt abgeben. Designierte Nachfolgerin ist Barbara Fahncke aus Coppenbrügge – wie Lösekrug-Möller gelernte Sozialpädagogin.

veröffentlicht am 23.04.2015 um 21:21 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:02 Uhr

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Matthias Aschmann

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Matthias Aschmann Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Es ist ein Abschied, natürlich, aber nur ein kleiner Abschied“, erklärt die 64-jährige Politikerin. Schließlich sei sie ja noch als Bundestagsabgeordnete bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahre 2017 aktiv. Und als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Keine Frage: LöMö, wie sie nicht nur Freunde nennen, hat den Zenit ihrer politischen Karriere erreicht, ist heute ein Schwergewicht und Urgestein der heimischen und niedersächsischen Sozialdemokratie.

Dabei habe es nie zu ihrer Lebensplanung gehört, Vollzeitpolitikerin zu werden, betont die Hamelner Abgeordnete. Und auch nicht Parlamentarische Staatssekretärin. Von der Anfrage sei sie überrascht worden, habe das Amt aber gerne angenommen. Zuständig ist sie in dieser Funktion für die Bereiche Sozialversicherung, Alterssicherung, Sozialhilfe und Integration, vertritt dabei Ministerin Andrea Nahles.

Wenn die Mutter zweier Söhne über ihre politische Laufbahn spricht, dominiert Zufriedenheit. Sie sei glücklich, mit dem neuen Amt in Berlin einen gelungenen politischen Abschluss erleben zu dürfen. Ihren Abschied von der politischen Bühne habe sie lange geplant, mit dem Rückzug im Unterbezirk gehe sie jetzt den ersten Schritt. Sie habe sich die Entscheidung keinesfalls leichtgemacht. Andererseits habe ihr die neue Aufgabe als Parlamentarische Staatssekretärin zeitlich kaum eine andere Wahl gelassen. Der Tag habe nur 24 Stunden – ein „weiter so“ wäre der Partei gerade auch mit Blick auf die wichtigen Kommunalwahlen 2016 nicht gerecht geworden. Außerdem tue einer Partei nach so langer Zeit eine personelle Veränderung sicher auch gut, betont Lösekrug-Möller.

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Ob ihr ohne den Parteivorsitz etwas fehlen werde, könne sie noch nicht sagen. Dafür blicke sie aber auf „18 erfolgreiche und spannende Jahre“ zurück. Bis auf eine Ausnahme habe man im Landkreis Hameln-Pyrmont immer die Mehrheit gestellt, auch Mut zu ungewöhnlichen Konstellationen gehabt. „Da war Musik drin“, resümiert die scheidende Vorsitzende. Man habe grandiose Wahlerfolge gefeiert, aber natürlich auch die eine oder andere Niederlage verarbeiten müssen.

„Wir sind eine Mischung aus bodenständig

und innovativ“

Mit Silvia Nieber habe die SPD im Jahr 2000 in Bad Münder landkreisweit die erste hauptamtliche Bürgermeisterin gestellt, danach mit Elke Christina Roeder in Bad Pyrmont und Susanne Lippmann in Hameln zwei weitere Frauen an den jeweiligen Verwaltungsspitzen etabliert. „Wir sind eine Mischung aus bodenständig und innovativ“, beschreibt Lösekrug-Möller ihre Sozialdemokraten im Unterbezirk. Man scheue keine Konflikte, auch innerparteilich nicht. So habe man sich sehr schwergetan in der Frage, wie es mit dem Atomkraftwerk Grohnde weitergeht. Dominierende und hochgradig umstrittene Themen seien derzeit die geplante Starkstrom-Trasse Suedlink und der mögliche Bahngüterverkehr durch die Region.

In sehr guter Erinnerung ist der gestandenen Vollblutpolitikerin der 150. Geburtstag der SPD, den man in Hameln im Jahr 2013 nicht mit Champagner und Kanapees, sondern anders als erwartet und passend für die Sozialdemokratie gefeiert habe – mit dem Projekt „Rosa – ich kann Deinen Herzschlag hören“. Das gemeinsame Projekt des SPD-Unterbezirks und des Jungen Theaters Didel-Dadel-Dum aus Beber sei ein großer Erfolg gewesen. Es habe sogar bundesweit große Anerkennung erfahren und sei mit dem von der SPD ausgelobten Wilhelm-Dröscher-Preis ausgezeichnet worden. Ebenfalls am Herzen liegt Lösekrug-Möller das Nachwuchsprojekt „10 unter 20“. Dahinter verberge sich die Idee, junge Menschen für die Partei zu begeistern. Zehn politisch interessierte junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren würden dabei Politik hautnah in einem interessanten und abwechslungsreichen Programm erleben. Viele Teilnehmer seien in die SPD eingetreten, zudem sei daraus die Juso AG in Hessisch Oldendorf entstanden. Um die Zukunft des Unterbezirks ist der 64-Jährigen nicht bange. Mit Barbara Fahncke präsentiere der Vorstand eine Nachfolgerin, die „unser aller Vertrauen genießt“. Sie werde eine gute Vorsitzende sein, sagt LöMö, die auf ein starkes Votum der Delegierten hofft.

Sie hat Brigitte Schulte beerbt, sitzt seit November 2001 für die SPD im Bundestag – und spielt dort als Parlamentarische Staatssekretärin eine gewichtige Rolle: Gabriele Lösekrug-Möller aus Hameln. Es ist ihre letzte Legislaturperiode – danach soll Schluss sein. Der Abschied auf Raten beginnt bereits morgen. Dann zieht sie sich nach 18 Jahren vom Vorsitz des SPD-Unterbezirks Hameln-Pyrmont zurück.

Stationen einer Polit-Karriere: Gabriele Lösekrug Müller mit Peter Struck † (li.), in jungen Jahren und mit Ministerin Andrea Nahles nach ihrer Ernennung zur Parlamentarischen Staatssekretärin.

Bundestag, pr



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