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Neue Abgründe im Missbrauchsfall Lügde / Jetzt 34 Opfer bekannt

Ließ ein Ermittler Beweise verschwinden?

DÜSSELDORF / LÜGDE. Der schon längst zum Polizeiskandal gewordene Missbrauchsfall von Lügde mit nun 34 identifizierten Opfern nimmt immer haarsträubendere Ausmaße an. Jetzt rückt ein Kripobeamter aus Bad Salzuflen in den Fokus.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 21:50 Uhr

Ermittler aus Bielefeld holten in der vergangenen Woche weitere mögliche Beweismittel aus dem Keller von Mario S. (34) in Steinheim.Mit den aktuellen Erkenntnissen könnte auch ein Einbruchsversuch in den Kellerraum in neuem Licht erscheinen. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Gegen den Mann, der die lippische Ermittlungskommission von Mitte Dezember bis Anfang Januar geleitet hatte, wird wegen Strafvereitlung im Amt im Zusammenhang mit einer „Sexualstraftat zum Nachteil einer erwachsenen Frau“ ermittelt. Er ist vorläufig vom Dienst suspendiert. Ein Disziplinarverfahren läuft.

Wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags weiter berichtete, seien schon in früheren Fällen, in denen der Mann ermittelte, Asservate verschwunden. Dreimal soll er versiegelte Räume geöffnet haben.

Pikant: Der Kripo-Mann betreute laut Reul auch den Kommissaranwärter, der die 155 bei Andreas V. beschlagnahmten DVDs und CDs sichten sollte. Der Verlust wurde erst Wochen später bemerkt. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt inzwischen wegen Diebstahls gegen Unbekannt. Laut Reul besteht der Verdacht, dass die Beweise „bewusst entfernt wurden“.

Der NRW-Innenminister sagte weiter: „Vor ein paar Wochen hat keiner eine Ahnung gehabt, dass da so ein Problem schlummert.“ Das sei nun offengelegt, die entsprechenden Maßnahmen seien eingeleitet. Mehr könne er im Moment nicht sagen.

Mit den aktuellen Erkenntnissen könnte auch ein Einbruchsversuch in einen Kellerraum in Steinheim zwischen 30. Januar und 3. Februar in neuem Licht erscheinen. Diesen Raum im Wohnhaus seiner Eltern hatte der am 11. Januar festgenommene zweite Hauptverdächtige Mario S. (34) mitbenutzt. An dessen Metalltür war der unbekannte Täter gescheitert. Vor gut einer Woche holten Ermittler dort weitere CDs und Unterlagen heraus.

Ob es bei den nun 34 bekannten Opfern bleiben wird, ist derweil fraglich. Laut Innenministerium besteht bei 14 weiteren Personen der Verdacht, dass auch sie auf dem Campingplatz im Lügder Ortsteil Elbrinxen zu Opfern sexueller Gewalt wurden.

Minister Reul zufolge werten nun 24 Spezialisten fast 3,3 Millionen sichergestellte Bilder und fast 86 300 Videos aus. Dem Vernehmen nach sind drei an der Sichtung beteiligte Ermittler aufgrund der psychischen Belastung seit zwei Wochen dienstunfähig.

Die drei Haupttatverdächtige im eigentlichen Missbrauchsfall sitzen in Untersuchungshaft. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen sie mindestens zehn Jahre lang Kindern und Jugendlichen bei mehr als 1000 Taten Gewalt angetan haben. Die Verbrechen können aber auch schon Jahre früher begonnen haben.

Unterdessen kritisierten die Grünen im NRW-Landtag, dass das Innenministerium in dem Fall nicht früher einschritt. Laut Reul hatte Lippes Polizei zuvor immer wieder erklärt, sie habe „alles im Griff“. Lippische Polizisten hätten 23 Festplatten, zwölf SD-Karten, zehn Handys und Tablets, neun USB-Sticks und fünf Digicams vom Campingplatz gesichtet. Erst Ende Januar, als das Ausmaß des Falls klar geworden sei, „ist der Knoten bei uns endgültig geplatzt“, sagte Reul.



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