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Die Weserbergland AG will sich neu aufstellen – man darf gespannt sein

Lebt die Idee vom Wirtschaftsraum noch?

Weserbergland. Das Weserbergland nicht nur als touristische Marke, sondern als gemeinsame Wirtschaftsregion zu profilieren, ist das erklärte Ziel der Imagekampagne „Wirtschaftsraum Weserbergland“. Doch nach drei Jahren ist die Frage erlaubt, wer die Botschaft eigentlich glauben soll, wenn sie selbst hierzulande nicht verfängt. Die Bilanz des von der Weserbergland AG getragenen Projekts fällt eher bescheiden aus. Heimische Unternehmen beteiligen sich zögerlich, und die Politik flüchtet sich wieder in die eigenen Kirchtürme. Eine paradoxe Situation, denn an der Notwendigkeit, sich wirtschaftlich großräumiger aufzustellen, zweifelt eigentlich niemand.

veröffentlicht am 23.01.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:41 Uhr

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Autor:

Frank Werner
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Immerhin, die Zukunft des gemeinsamen „Wirtschaftsraums“ scheint gesichert. Zunächst war die Kampagne auf drei Jahre angelegt, aber der Aufsichtsrat der Weserbergland AG hat im Oktober grünes Licht für eine Verlängerung gegeben. „Es ist ein guter Ansatz, der weitergeführt werden soll“, sagt Hans-Ulrich Born, Vorstand der Weserbergland AG. Nur wie, das weiß momentan niemand so genau. Eine „Strategiewerkstatt“ soll in der kommenden Woche Klarheit bringen. Auch über die Zukunft der Weserbergland AG.

Ein Blick zurück. Am 25. November 2010 wurde die Kampagne bei der Dr. Paul Lohmann GmbH in Emmerthal aufs Gleis gesetzt und als „Schulterschluss aller Akteure im Weserbergland“ gefeiert. Doch statt Aufbruchstimmung schlugen den Machern Unmut und Kritik entgegen. Nicht jeder, der sich das Weserbergland als aufgeweckten, innovativen Wirtschaftsstandort vorstellte, konnte mit der gewählten Bildersprache des „Märchenlandes“ etwas anfangen.

Das allerdings sind Debatten von gestern. Inzwischen hat die Kampagne eine wahre Flut von Flyern, Postern, Broschüren, Newslettern und Willkommensmappen hervorgebracht, zuletzt sogar einen Kinospot, der die Vermittlung des persönlichen Traumjobs 120-mal im Monat auf die Leinwand bringt. Zudem rühren die Verantwortlichen auf Fachmessen, bei Netzwerktreffen und im Internet die PR-Trommel. Im Verhältnis zur bescheidenen Personalausstattung – das Projekt bindet bei der Weserbergland AG eine feste Stelle – kann sich der Marketingaufwand durchaus sehen lassen.

So ist Projektleiterin Wera Hoek denn auch überzeugt: „Wir haben den Wirtschaftsraum Weserbergland als Marke gefestigt.“ Doch ist das wirklich so? Hat man wie erhofft das „Wir-Gefühl“ gestärkt und das räumliche Denken in der Region stärker auf das Weserbergland fokussiert?

Wachsender Bedarf

an Diplomatie im Weserbergland

Schaut man auf die Politik, drängt sich eher der gegenteilige Eindruck auf: Die Fliehkräfte zwischen den drei Landkreisen Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Holzminden sind in den letzten Jahren eher gewachsen. Das Umfeld für die Weserbergland AG ist schwieriger geworden. Öffentlich echauffierte sich erst vor wenigen Wochen Gunter Feuerbach, CDU-Fraktionschef im Schaumburger Kreistag, darüber, dass die Weserbergland AG zu sehr auf Hameln fixiert sei. Und Schaumburgs Landkreis-Sprecher Klaus Heimann kolportierte eine mangelnde Identifikation Schaumburger Unternehmen mit dem „Wirtschaftsraum“ – was wohl auch für den Landkreis selbst gilt. Als dort Ende 2011 die Nachricht bekannt wurde, die Volksbanken Hameln-Stadthagen und Schaumburg wollten fusionieren, hielt sich die Begeisterung in Grenzen.

„Wir müssen inzwischen sensibler auftreten“, registriert Born einen gesteigerten Bedarf an Diplomatie im vermeintlich zusammenwachsenden Wirtschaftsraum. Und warnt bereits davor, den „gemeinsamen Ansatz“ zu verlassen und das „Entwicklungspotenzial abzuwürgen“. Denn der Wunsch, sich übergreifend aufzustellen, sei in der Wirtschaft mehr denn je vorhanden. „Die Wirtschaft tickt anders als die Politik.“ Der sich abzeichnende Fachkräftemangel verstärke bei Firmen das Bedürfnis, sich über Kreisgrenzen hinaus als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

In Zahlen ausgedrückt, ist dieser Bedarf bis jetzt allerdings noch überschaubar. Nur etwas mehr als 40 Unternehmen tragen die Wirtschaftsraum-Kampagne als „Partner“ mit und bringen dafür zusammen rund 90 000 Euro im Jahr auf. Vor zwei Jahren waren es rund 30 Unternehmen, die auf eine Summe von 80 000 Euro kamen. Dynamisches Wachstum sieht anders aus.

Nicht wenige der beteiligten Firmen sind zudem Aktionäre oder Geschäftspartner – es sind die Lokomotiven, die den Zug der Weserbergland AG ohnehin unter Dampf halten. Ein Durchbruch in die Breite dagegen, in den kleinen Mittelstand und das Handwerk, ist erst in Ansätzen gelungen.

„Wir haben unsere Ziele nicht erreicht“, räumt Geschäftsführer Born unumwunden ein. Ebenso klar ist für ihn aber auch, warum das Engagement der Unternehmen hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben ist: „Weil wir die Vertriebsschiene nicht bedienen können.“ Es fehle ein Profi, der die Kampagne in der Wirtschaft versiert vermarkte.

Genau hier soll am kommenden Mittwoch die „Strategiewerkstatt“ ansetzen. Ziel eines neuen „Kooperations- und Partnerkonzeptes“, wie die Zukunftsformel offiziell heißt, ist eine spürbare Steigerung der Vertriebserfolge in der Wirtschaft. Momentan werde das Projekt noch zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln gestemmt – eine Quote, die sich zugunsten der drei Landkreise verändern müsse, sagt Born.

Die Förderung aus Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg abzuschmelzen, ist für die Weserbergland AG insgesamt längst eine gängige Praxis. 2008 sanken die pauschalen Zuschüsse der drei Kreise von 400 000 auf 300 000 Euro, mit Beginn dieses Jahres fließen nur noch 250 000 Euro jährlich aus den Kreiskassen in die AG (je 100 000 aus Hameln-Pyrmont und Schaumburg, 50 000 aus Holzminden). Die Erlöse aus der Wirtschaft sind von 2008 bis 2013 von null auf über 180 000 Euro im Jahr gestiegen. Damit habe man die „versäumten Anfangsjahre“ der AG, die von 2004 bis 2007 keine eigenen Produkte im Angebot hatte, zum Teil kompensiert, sagt Born. „Aber wir befinden uns immer noch auf der Aufholjagd.“

Inzwischen allerdings ist manchem Aktionär die Produktvielfalt zu unübersichtlich geworden. Der Wunsch, das Portfolio aufzuräumen und klare Schwerpunkte zu setzen, wird ebenfalls Thema sein, wenn Aufsichtsrat, Vorstand und Vertreter der Landkreise kommende Woche die Weichen für die Zukunft stellen.

Bustaufe als Marketing-Gag: Der „Wirtschaftsraum“ wollte im Mai 2011 richtig durchstarten. Der damalige Öffi-Chef Carsten Busse (hinten) und Thomas Kexel, Aufsichtsrat der Weserbergland AG, lassen die Korken knallen. Archiv/Dana



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