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Schrille Töne und Blitze: Warum es an der Bahnstrecke so laut ist

„Lebensversicherung“ für Gleisbauer

veröffentlicht am 14.09.2016 um 16:38 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Der schrille Ton aus den Lautsprechern fährt in der Nähe stehenden Personen tief in den Gehörgang. Muss er auch. Für Bahnbauarbeiter sind die Anlagen eine Lebensversicherung.

Die Batterie aus Signalhörnern und Lichtquellen warnt Gleisbauarbeiter vor herannahenden Zügen. Gemeint sind Rottenwarnanlagen, auch Automatische Warnsysteme (kurz AWS) genannt. Die technische Sicherungseinrichtung kommt beim Gleisbau zum Einsatz. Daher erhielten die Geräte auch ihren ungewöhnlichen Namen. Denn Rotten werden die Trupps von Gleisbauarbeitern genannt.

An der Bahnstrecke zwischen Springe und Hameln wird auf über zehn Kilometer Länge ein Gleisbett erneuert. Schwerfällig schieben sich lange Stahlkolosse über die Schienen, Meter um Meter. Alte Holzschwellen werden herausgerissen und durch neue aus Beton ersetzt. Schienen werden getauscht. Mittendrin schuften Arbeiter – bei gleichzeitig laufendem Zugverkehr auf dem Nachbargleis. Bei der Bahn heißt das „Arbeiten unter rollenden Rädern“. Damit der enge Zeitplan eingehalten werden kann und der normale Zugbetrieb nicht zu lange gestört wird, wie Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst erklärt. Für die Arbeiter am Gleis sind die Rottenwarnanlagen lebenswichtig“, betont die Frau von der Bahn. Zudem sei der Einsatz der Geräte von der Unfallkasse vorgeschrieben, so die die Bahnangestellte.

Die Rottenwarnanlage macht im Ausgangsbereich der Lautsprecher einen Höllenlärm von mehr als 120 Dezibel. Hinzu kommt die Blendwirkung der Stroboskoplampen. Schlägt die Anlage Alarm, der wird meist durch einen mechanischen Schienenkontakt ausgelöst, müssen die Arbeiter ihre Beine in die Hand nehmen, sprich sich in Sicherheit bringen.

Die Warnsysteme geben gruppenweise Alarm. Es gibt mehrere Signale mit unterschiedlichen Bedeutungen. Ein langer durchgezogener Ton zeigt an, dass sich im Nachbargleis Fahrzeuge nähern. Zwei lange nacheinander in verschiedener Tonlage erklingende Töne bedeuten „Gleis räumen“. Davor gibt es noch kurz hintereinander folgende Vorwarnungen (mindestens fünf) mit jeweils zwei kurzen Tönen in verschiedenen Tonhöhen.

An der hiesigen Bahnstrecke wird größtenteils tagsüber gearbeitet, selten nachts. Aus Lärmschutzgründen, wie Bauleiter David Schmitter von der Firma Wiebe aus Achim erklärt. Das Unternehmen ist von der Bahn für die Ausführung der Arbeiten beauftragt worden. Zwischen 10 und 30 Mitarbeiter seien auf der Baustelle beschäftigt.

Auf Gehörschutz bei ihrer Arbeit im extrem starken Lärmpegel zwischen Presslufthammer und Bagger müssen die Gleisbauer dennoch nicht verzichten. „Die tragen einen speziellen Gehörschutz“, sagt Schmitter. Geräusche werden so gefiltert, dass der Signalton weiterhin zu hören ist, so der Bauleiter.



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