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15 000 Besucher kommen bei herrlichem Wetter zum Lügder Spektakel nach alten Ritualen

Lauf der Osterräder verheißt eine gute Ernte

Lügde. Der Winter kann endgültig zu den Akten gelegt werden, und die Ernte wird relativ gut. Das verhieß der bis ins Tal gelungene Lauf der meisten der sechs brennenden Osterräder vom 285 Meter hohen Osterberg in Lügde. Damit wurde am Sonntagabend nach einem etwa 2000 Jahre alten Brauch die dunkle Jahreszeit ausgetrieben, und es war ein riesiges Spektakel – das sich geschätzte 15 000 Besucher nicht entgehen lassen wollten.

veröffentlicht am 13.04.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:41 Uhr

Mit besonderem Roggenstroh wird auch das „HermannRad&ldquo

Autor:

Rudi Rudolph
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Dieser Brauch findet jedes Jahr unter der Regie des Dechenvereins statt und begann bereits vor einer Woche mit der Wässerung der mannshohen, vierspeichigen Eichenräder. Fünf Tage lang lagen sie in der Emmer an der „Bleiche“ am Brückentor und zogen Wasser, damit sie bei ihrem Einsatz nicht selbst ein Opfer der Flammen wurden. Am Samstagnachmittag nahm ein Lanz-Bulldog die Räder an die Kette und zog sie schnaufend, aber souverän auf das Ufer, wo sie dann vor dem Dechenheim von Schmutz befreit, auf einen Leiterwagen gehievt und für den Festumzug vorbereitet wurden.

Kirmes und Ausstellung

In einer kurzen Zeremonie übergab Lippes Landrat Friedel Heuwinkel das von ihm gestiftete „HermannRad“ offiziell an die „Brauchtumswächter“, die Dechen, und sowohl Lügdes Bürgermeister Hubert Scholand als auch Oberdeche Uwe Stumpe beschworen einen guten Räderlauf.

Mit Beginn des Osterprogramms wurde entlang der Stadtmauer die Kirmes eröffnet, dank des sonnigen und warmen Wetters gleich von überaus vielen Lügdern und Gästen besucht. Von den zahlreichen Besuchern profitierte auch das Dechenheim selbst, gab es dort, von den Jungdechen organisiert, eine kleine aber feine Ausstellung rund um die Osterräder.

5 Bilder

Dann der Ostersonntag – hält das Wetter oder nicht? Letztes Jahr hatten bei Schnee und Regen nur 4171 zahlende Zuschauer ausgeharrt. Auch die Baustelle der Umgehungsstraße hielt Gäste ab. Nun war alles anders: Bei strahlender Sonne sammelten sich bereits am frühen Nachmittag Tausende Neugierige auf dem Marktplatz, von wo aus der geschmückte Wagen mit den Osterrädern zu einem Umzug der Dechen und des Blasorchesters der Stadt Lügde durch die Altstadt startete. Gezogen von zwei stämmigen Kaltblutpferden, die Lärm und Gedränge stoischer ertrugen als mancher Zuschauer, und die am Fuße des Osterberges dampfend gegen den alten Lanz ausgetauscht wurden, gelangten sowohl Osterräder als auch das zum Stopfen der Räder besondere Roggenstroh auf den Osterberg. Auch das Stopfen ist ein überliefertes Ritual. Die langen Stabilisierungsachsen müssen mit Keilen gesichert und das Stroh mit Weidenruten fest verzurrt werden. Ist ein Rad fertiggestellt, wird eine Kanone abgeschossen.

Hunderte Zaungäste, jung und alt, bevölkerten den Berg um das Osterfeuer und das riesige Kreuz bei Bier und Bratwurst schon am Nachmittag, dicht gedrängt säumten sie am Abend den Berghang neben der Ablaufstrecke der Räder, sicher zurückgehalten von vielen Kräften der Freiwilligen Feuerwehr. Knisternde Spannung vor dem ersten Rad, dann lief es an, donnerte in einer Feuerwalze Funken sprühend zu Tal und landete in einem Zaun, begleitet von kollektivem Raunen und dann stürmischem Beifall, auch aus der Stadt im Talkessel.

Zufriedener Dechenverein

In der kribbelnden Atmosphäre der sechs Feuerräderläufe wurde der mystische heidnische Kult förmlich spürbar. Während zwei Räder den direkten Weg ins Tal nahmen, kamen die anderen zwar etwas aus der Richtung, liefen aber weit genug für ein gutes Omen. Den Abschluss des Osterräderlaufes bildete ein spektakuläres Feuerwerk, und Pressesprecher Dieter Stumpe zog für den Dechenverein ein zufriedenes Fazit. „Mit der hohen Besucherzahl und einem reibungslosen Ablauf hatte der Osterräderlauf wieder zu alter Anziehungskraft zurückgefunden.“

Das erste Osterrad brennt, gleich schicken es die Dechen auf die Reise.

Der alte Lanz Bulldog hat schwer zu schleppen, denn die Osterräder, die für den Transport zum Osterberg mit Weidenruten festgezurrt wurden, haben ihr Gewicht. Für jedes fertig gestopfte Rad wird die Kanone abgefeuert.



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