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Kreisverwaltung ändert Politik

Landrat will nun Elektrifizierung der Bahn bis Löhne

HAMELN-PYRMONT. Den Eisenbahnverkehr stärken und dadurch die Straße entlasten – auch der Landkreis Hameln-Pyrmont will jetzt auf diesen Zug aufspringen. Das geht aus dem Entwurf für das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) hervor, den die Verwaltung erstellt und in die politische Diskussion gegeben hat.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 16:45 Uhr
aktualisiert am 03.04.2018 um 18:30 Uhr

In Hameln endet der Fahrdraht bislang. Der Landkreis erwägt, die Regionalbahn auch in Fischbeck, Hameln-Süntelstraße und Afferde halten zu lassen. Dazu seien die Elektrifizierung und der teilweise doppelgleisige Ausbau notwendig, heißt es aus dem Kre
Marc Fisser

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Für Zündstoff dürfte besonders die Forderung sorgen, die gesamte Bahnstrecke von Löhne bis nach Elze zu elektrifizieren und mit mehr Ausweichstellen zu versehen.

Der Bund erwägt, den Abschnitt zwischen Elze und Hameln mit einem Fahrdraht zu versehen. Als dieses mögliche Projekt vor anderthalb Jahren bekannt geworden war, hatten Landrat Tjark Bartels (SPD) und die Bürgermeister der Kommunen zwischen Salzhemmendorf und Lügde heftig beim Bundesverkehrsminister protestiert. Auslöser war die Intransparenz des Vorhabens von Bund und Land gewesen und die Befürchtung, eine stark frequentierte Güterferntrasse quer durchs Weserbergland zu bekommen. Doch schon damals war auch Kritik wegen der schnellen Absage laut geworden. Denn der Ausbau könnte Vorteile für den Personenverkehr haben, sodass zumindest ein intensiveres Abwägen geboten schien.

Tatsächlich macht sich die Kreisverwaltung nun einen Grundsatz aus dem Landesraumordnungsprogramm zu eigen: „Der Schienenverkehr soll sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr verbessert und so entwickelt werden, dass er größere Anteile am Verkehrsaufkommen als bisher übernehmen kann.“ Konkret, so der Vorschlag aus dem Kreishaus, solle bei der Trasse Löhne–Hameln, die nach wie vor als „Vorranggebiet Haupteisenbahnstrecke“ festgelegt sei, das zweite Gleis teilweise reaktiviert und die ganze Verbindung elektrifiziert werden. Beides schüfe die Voraussetzungen, vom nachteiligen Dieselbetrieb bei den Regionalzügen wegzukommen und im Fahrplan Lücken für einen Halbstundentakt sowie zusätzliche Haltepunkte zu schaffen. Verkehrlich, zeitlich und ökologisch sinnvoll sei es etwa, die Station in Fischbeck zu reaktivieren und einen neuen Stopp an der Süntelstraße in Hameln einzulegen, also in der Nähe des bestehenden Behörden- und wachsenden Bildungszentrums. Es solle zudem geprüft werden, ob auch Afferde wieder Bahnhalt werden kann.

Tjark Bartels Foto: Dana

Das Konzept des Kreises sieht vor, die Bahn eng mit den Linienbussen zu verknüpfen, Parallelverkehre möglichst zu vermeiden und das Umsteigen auch dadurch zu erleichtern, dass der Fahrschein für alles gilt. Dazu passt der Plan, den Halt der Regionalbahn von Voldagsen nach Marienau zu verlegen. Viele Menschen könnten dann sogar zu Fuß zum Zug gelangen, während die Zusteiger aus Salzhemmendorf praktisch keinen Nachteil hätten. Ziel muss es nach Ansicht der Fachleute aus dem Kreishaus auch sein, den Anschluss an den Fernverkehr in Bielefeld und Hildesheim zu optimieren. Auch deshalb sei die Strecke Löhne–Elze „für den Landkreis von großer Bedeutung“.

Die Argumente der Bürgerinitiative „Transit“, die gegen den Ausbau der Löhner Eisenbahn Front gemacht und sich 2016 am Ziel gesehen hatte, greift der Landkreis im RROP-Entwurf durchaus auf. Der Bau der Ausweichgleise ermögliche zwar die stärkere Frequentierung und Vertaktung des Personenverkehrs, verhindere aber „übermäßige Gütertransporte“. Der Landkreis möchte regional ausdrücklich wieder mehr Waren auf die Schiene bekommen. Gleisanschlüsse „sollen bei der Standortwahl von neuen Gewerbegebieten berücksichtigt werden“, heißt es.

Von einem Paradigmenwechsel bei der Bahnpolitik auf Kreisebene will der Dezernent und bisherige Wirtschaftsförderer Andreas Manz trotz allem nicht sprechen. Auch der geltende RROP habe schon Akzente pro Schiene gesetzt, diese seien aber zeitweise vom Thema Güterfernverkehr überlagert worden. „Auch künftig bleiben wir wachsam beim Güterverkehr“, betont Manz, „aber wir wollen einen verbesserten Personenverkehr nicht verhindern.“ Die Verwaltung habe ihr Vorschläge auf den Tisch gelegt, nun werden sich die Kreistagsfraktionen damit befassen. „Nichts ist in Stein gemeißelt“, sagt Manz. „Ich freue mich auf die Diskussionen.“

Manz geht davon aus, dass der RROP ab dem Herbst in den Fachausschüssen behandelt und im Sommer 2019 verabschiedet wird. Unabhängig davon erwägt der Landkreis einen öffentlichen Runden Tisch zu den Bahnfragen.



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