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„Trittbrettfahrer und Steinewerfer“

Landrat spricht von Empörungsrhetorik im Fall Lügde

HAMELN-PYRMONT. Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat Stellung zu den Vorwürfen genommen, die der leibliche Vater des auf dem Campingplatz Lügde untergebrachten Mädchens erhoben hat. Demnach gebe es in den geführten Akten keinen Hinweis darauf, wonach sich der Kindsvater, insbesondere im Jahr 2016, wiederholt mit dem Jugendamt in Verbindung gesetzt habe. In Bezug auf die politische Bewertung des Falles spricht Landrat Tjark Bartels von „Trittbrettfahrern und Steinewerfern“, die versuchten, den Missbrauchsfall zu instrumentalisieren und politisches Kapital daraus zu schlagen.

veröffentlicht am 08.05.2019 um 17:58 Uhr

So sah der Tatort beim Abriss der Parzelle des mutmaßlichen Haupttäters auf dem Campingplatz in Lügde aus der Luft aus. Foto: dpa
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Der Vater eines Opfers im Missbrauchsskandal von Lügde ist nach Darstellung des Landkreises Hameln-Pyrmont nicht über die Vorfälle informiert worden, weil er kein Sorgerecht hat. Der Mann habe deshalb kein Auskunftsrecht, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presseagentur. Der Mann, der zum Schutz seiner Tochter in der Öffentlichkeit anonym bleiben wollte, hatte seine Vorwürfe im NDR erhoben: Der Landkreis habe nicht auf seine wiederholten telefonischen Proteste gegen den verwahrlosten Aufenthaltsort seiner Tochter reagiert, nachdem er zufällig erfahren habe, dass das Mädchen 2016 in die Obhut des Hauptverdächtigen gegeben worden war.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat am Mittwoch erneut Stellung zu den Vorwürfen des Kindsvaters genommen. Darin schildert die Verwaltungsspitze, dass die Behörde aus verschiedenen Gründen einen Gesamteindruck des Vaters gehabt habe, „wonach sich ein ernst gemeintes Interesse an dem Kind und väterliche Fürsorge nur schwer erkennen lassen“ hätten. Aufgrund des fehlenden Umgangs- beziehungsweise Sorgerechts sei „keine Veranlassung gesehen“ worden, dem Vater Auskünfte zu erteilen.

Schließlich habe der Kindsvater die Vaterschaft nicht anerkannt. Diese sei „vielmehr vom Amtsgericht im Rahmen eines Vaterschaftsfeststellungsverfahrens per Beschluss festgestellt“ worden. Zudem habe der Kindsvater „zu keinem Zeitpunkt ein Umgangsrecht oder das Sorgerecht für seine Tochter beantragt“. Unterhaltszahlungen habe der Kindsvater „zu keinem Zeitpunkt geleistet“. Die Sicherstellung des Lebensunterhaltes des Kindes sei von Geburt an durch Unterhaltsvorschussleistungen des Jugendamtes erfolgt. Nachdem der Kindsvater nach der Geburt „zunächst regelmäßige Besuchskontakte hatte, wurden diese in den folgenden Jahren zunehmend unregelmäßiger. Seit 2014 gibt es in den hier geführten Akten keinen Hinweis mehr auf Besuchskontakte zwischen Vater und Tochter.“ Und schließlich: Aus den Landkreis-Akten ergebe sich „kein Hinweis darauf, wonach sich der Kindsvater, insbesondere im Jahr 2016, wiederholt mit dem Jugendamt in Verbindung gesetzt haben will“. So lägen keine Aktenvermerke darüber vor, „in denen er sich über die Wohnunterkunft auf dem Campingplatz beschwert“.

Nachdem der Kindsvater Anfang Februar 2019 mit dem Jugendamt in Kontakt getreten sei, habe es „inzwischen mehrere Gespräche im Jugendamt, an denen er beteiligt wurde“, gegeben. Auch künftig solle die Zusammenarbeit zum Wohle seines Kindes fortgesetzt werden.

Zur politischen Bewertung sagt Landrat Tjark Bartels (SPD): „Von allen Beteiligten ist der Landkreis die einzige Behörde, die von Beginn an detailliert informiert und von sich aus Fehler benannt hat. Gleichzeitig sehen wir es als unsere Verantwortung an, Konzepte und Lösungen zu entwickeln, um Missbrauch viel früher zu entdecken und Kinder zu stärken und damit einen wichtigen Beitrag für alle mit Kinderschutz betrauter Arbeit liefern zu können. Eine intensive Projektarbeit haben wir bereits im Februar begonnen.“ Wenig Verständnis hat Bartels für den politischen Umgang mit diesem Fall. „Die unreflektierte Empörungsrhetorik wird weder der Sache gerecht noch hilft sie weiter. Die Trittbrettfahrer und Steinewerfer, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen, instrumentalisieren den Missbrauchsfall, sind aber selbst beim Thema Prävention und Aufarbeitung nicht zu sehen auf weiter Flur“, erklärt Bartels abschließend.



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