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Behördenschreiben sollen leichter verständlich geschrieben werden

Kreishaus will mehr Bürgernähe

HAMELN-PYRMONT. Ein Problem, das viele kennen: Oft sind Behördenbriefe kaum verständlich, da umständlich und mit Fachjargon geschrieben. Da will die Kreisverwaltung gegensteuern. Pro Kreisdezernat sind zwei Mitarbeiter eigens in „bürgernaher Sprache“ ausgebildet worden, um verständliche Schreiben zu gewährleisten.

veröffentlicht am 05.11.2017 um 14:36 Uhr

„Haben Sie alles verstanden? Nein?“ ist auf dem Aufkleber auf dem Kuvert zu lesen. Damit sind die Bürger aufgerufen, sich an dem Kreishaus-Projekt „Bürgernahe Sprache“ zu beteiligen. Foto: LAndkreis Hameln-Pyrmont/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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„Verstehen Sie diesen Satz?“, fragt Justus Brennecke von der Kreisverwaltung beim Pressetermin in die Runde und liest vor: „Der Geruchskoeffizient gewisser finanzieller Mittel ist permanent gleich null.“ Klar – oder? Nicht? „Geld stinkt nicht“, übersetzt Brennecke frei. Solche Sprachungetüme, wie dieses überspitzte Beispiel, sollen im Kreishaus künftig der Vergangenheit angehören. Der Landkreis Hameln-Pyrmont will seine Schreiben, Anträge und Bescheide, verständlicher formulieren. In anderen Worten: in „bürgernahe Sprache“ übersetzen.

Ausschlaggebend war eine Begegnung, die Landrat Tjark Bartels mit einem Flüchtling hatte. Der hatte ihm mit großen Fragezeichen in den Augen den Antrag einer Behörde gezeigt. „Den habe auch ich als Jurist nicht verstanden“, erzählt Bartels. In der Praxis ziehen solche Anträge viel Frust und Zeitaufwand nach sich: Es wird viel hin- und hertelefoniert, um Fragen zu klären, Anträge oder Bescheide werden doppelt und dreifach verschickt, weil sie nicht richtig verstanden worden sind. Manche Fälle landen sogar vor Gericht, schildern Bartels, Justus Brennecke und Nikola Stasko vom „Büro Landrat“.

Um solchen Querelen künftig vorzubeugen, sind nun pro Kreisdezernat zwei Mitarbeiter eigens in „bürgernaher Sprache“ ausgebildet worden. Bis zum 31. Mai 2018 haben sie Zeit, diese Fähigkeiten an ihre Kollegen weiterzugeben und einen internen Leitfaden zu erstellen. „Danach“, so Landrat Bartels, „soll jedes Schreiben, das das Kreishaus verlässt in bürgernaher Sprache verfasst sein.“ Kurz zusammengefasst, bedeutet bürgernahe Sprache: mehr Verben statt Nomen verwenden, Sätze aktiv statt passiv formulieren, weitgehender Verzicht auf Fremdwörter und Abkürzungen.

Dabei gehe es nicht nur um die wirtschaftliche Komponente, Zeit zu sparen und Arbeitsaufwand zu minimieren. „Wir wollen mit den Bürgern auf Augenhöhe sprechen“, führt Bartels aus. Dazu zähle auch, am Rande von für den Betroffenen unangenehmen Bescheiden auch mal Verständnis zu zeigen. Bürgernahe Sprache sei nicht mit dem Modell der „einfachen“ oder „leichten Sprache“ zu verwechseln. Dabei handele es sich zum einen um einen geschützten Begriff, zum anderen spreche einfache oder leichte Sprache nur eine relativ kleine Gruppe an, während die bürgernahe Sprache die Masse ansprechen soll. Dabei darf die Rechtmäßigkeit der Scheiben freilich nicht auf der Strecke bleiben. „Ziel ist es, ein bürgernahes Sprachbild zu entwickeln, das trotzdem die rechtlichen Rahmenbedingungen einhält“, schildert die stellvertretende Kreissprecherin Nikola Stasko.

Damit die bürgernahe Sprache am Ende auch wirklich bürgernah ist, startet der Landkreis jetzt eine Bürgerbeteiligung. Ab sofort sind alle Schreiben, die das Kreishaus an die Bürger verschickt, mit einem Aufkleber versehen, auf dem steht: „Haben Sie alles verstanden? Nein? Dann unterstützen Sie uns bei der Verbesserung unserer Schreiben und melden sich unter, Telefon: 0 51 51 / 903-99 01 oder E-Mail buergernah@hameln-pyrmont.de.“

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